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Konzert-Bericht
 
Die skurrile Welt der Bergziegen

The Mountain Goats
Tattouine

Berlin, Magnet
13.02.2003
Mountain Goats
John Darnielle, Sänger und Mastermind des amerikanischen NeoFolk-Duos The Mountain Goats ist - diplomatisch formuliert - ein Exzentriker. Seine Welt besteht aus kaputten Zweierbeziehungen, sprechenden Tieren und einem Freundeskreis drogenabhängiger Weltenbummler. Dennoch oder gerade deshalb hatten sich nicht wenige Freunde skurriler Abendunterhaltung im Berliner Magnet Club versammelt, um einen der drei Deutschland-Gigs der Mountain Goats zu genießen. Den Anfang machte jedoch Tattouine, seines Zeichens Singer/Songwriter und auch ein wenig Alleinunterhalter. Bewaffnet mit Gitarre, Drum-Samples und Badly Drawn Boy-Mütze trug er seine klassisch schlichtern Songs vor. Und die waren wirklich fein! Die zwei letzteren balladenhaften Stücke wurden dann gar im Duett mit der Berliner Chanteuse Kitty Solaris dargebracht, was erstens schön war und zweitens das Publikum in Sachen Exzentrik wunderbar auf Mister Darnielle vorbereitete.
Nach kurzer Pause betraten dann John Darnielle und Bassist Peter Hughes sichtlich gutgelaunt die Bühne. Spannung war vor allem bezüglich der Setlist angesagt, denn das Oevre der Bergziegen beinhaltet nicht weniger als 350 Songs. Aber genau gezählt hat das noch niemand! Los ging's jedenfalls mit einem Song des letzten Longplayers "Tallahassee" namens "International Small Arms Traffic Blues". Was folgte waren zunächst weitere neue Stücke, doch ließ man sich immer wieder auch auf Wünsche des Publikums ein. Wer die Mountain Goats bis dato noch nicht kannte, fühlte sich vielleicht ein wenig an die schottischen Proclaimers erinnert. Von wegen harter Saitenanschlag! Doch vor allem textlich gibt es bei Herrn Darnielle weit mehr zu entdecken. Wem sonst fallen schon Textzeilen wie "Our love is like the border between Greece and Albania" ein? Nach etwas mehr als einer Stunde und mehreren Zugaben war dann Schluss. Die Mehrzahl der Anwesenden dürfte sich über diesen Besuch aus Amerika jedenfalls sehr gefreut haben. Auch wenn man inhaltlich nie ganz in die Welt des John Darnielle eintauchen wird.


NACHGEHAKT BEI: THE MOUNTAIN GOATS

Kurz vor der Tour hatten wir Gelegenheit, ein kurzes Interview mit TMG-Mastermind John Darnielle zu führen und ihn ein wenig zu seinem neuen Meisterwerk "Tallahassee", dem Debüt der Band auf dem 4AD-Label, auszuquetschen.

GL: "Tallahassee" offenbart eine neue Herangehensweise, ein bekanntes Studio (Tarbox Road), ein namhafter Producer (Tony Doogan) - hattest du dieses Mal wirklich andere Ziele?

John: "Ich hatte einfach das Gefühl nach 'All Hail West Texas', meinem ersten komplett zu Hause aufgenommenen Album seit 'Zopilote Machine', dass es einfach zeit für eine Veränderung sei. Allerdings setzte ich mir eigentlich nie Ziele. Höchstens kleine, unbedeutende wie 'Hier gibt es einen Song mit einem ziemlich gemeinen Titel, lasst uns versuchen, den Song selbst auch gemein klingen zu lassen', aber ambitionierter bin ich nicht."

GL: Würdest du sagen, dass sich mit der neuen Herangehensweise auch die Rollen innerhalb der Band verändert haben?

John: "Außer den offensichtlichen gibt es eigentlich gar keine bestimmten Rollen in der Band: Ich bin der Sänger und ich schreibe die Songs und so weiter, die Band ist also eher eine Diktatur mit mir an der Spitze, deshalb kann man auch nicht sagen, dass sich die Dynamik innerhalb der Band verändert!"

GL: Auf der neuen Platte taucht das berühmt-berüchtigte "Alpha-Pärchen" wieder auf, zwei Charaktere, die schon vor zehn Jahren durch deine Songs geschlichen sind... Haben die zwei einfach ein Eigenleben entwickelt?

John: "Die zwei schießen mir einfach ab und zu durch den Kopf. Als ich zum ersten Mal über sie schrieb, hatte das einen sehr speziellen Grund, für eine limitierte Reihe von Gedichten, aber als sie sich dann erst einmal in meinen Songs wieder fanden, waren sie schwerer unter Kontrolle zuhalten. Ich liebe es, wenn bestimmte Charaktere sich wie ungebetene Gäste in meinen Songs breit machen. Es ist unglaublich witzig, an einem Song zu arbeiten und plötzlich zu dir selbst zu sagen: 'Moment mal, wessen Song ist das hier eigentlich? Ach du meine Güte, es ist schon wieder das schreckliche Alpha-Pärchen, ich hoffe, sie haben inzwischen nicht irgendwem Schaden zugefügt!'"

GL: Bedeutet das Auftauchen des Alpha-Pärchnes, dass dieses Mal die Texte mehr Gewicht haben?

John: "Nein, die Texte stehen bei mir immer an erster Stelle - das ist bei mir einfach so!"

GL: Wer die Mountain Goats erst jetzt kennen lernt – welches eurer zehn Alben wäre denn ein guter Einstieg?

John: "Ich denke, 'The Coroner's Gambit' wäre nach 'Tallahassee' eine gute Wahl, weil es teils im Studio, teils zu Hause aufgenommen wurde. Ich bin allerdings auch ziemlich von 'All Hail West Texas' eingenommen, eine Platte mit sehr, sehr rauen Homerecordings. Kommt ganz darauf an, was man an 'Tallahassee' mag: Wenn es die Liebesgeschichten und die Sauferei sind, ist 'All Hail West Texas' genau richtig, 'The Coroner's Gambit' handelt vom Tod, wer also die düsteren Sachen gerne mag, wird dort fündig."

GL: Abschließende Frage. Irgendwelche berühmten letzten Worte?

John: "Ich weiß nie, was ich auf diese Frage Antworten soll! Vielleicht: Hört euch Charlie
McAlister, wenn ihr könnt, er ist wirklich wundervoll und seid nett zu Tieren! Ich weiß, ich weiß, was gibt es schlimmeres, als einen Musiker, der den Leuten sagt, was sie tun sollen, aber ich liebe Tiere nun einmal!"

Surfempfehlung:
www.themountaingoats.net
Konzert: -Carsten Wilhelm-
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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