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Under The Waves

Friends Of Dean Martinez

München, Erste Liga
30.03.2003

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Friends Of Dean Martinez
Die "Erste Liga" ist einer der kleinen Clubs in München, in denen die ehemaligen Betreiber des legendären Club 2 jetzt gelegentlich ausgesuchte Konzerte veranstalten. Heute machen hier die Friends of Dean Martinez auf ihrer Europatournee Station, um uns ihr pressfrisches "Under The Waves" betiteltes Album näher zu bringen und das Venue passt irgendwie zum Titel ihres neuen Oeuvres. In dem Keller in der Münchner Innenstadt überspannt ein Tonnengwölbe, der Dünung gleich, in sattem Orange und versetzten Bögen Bühne und Auditorium - an manchen Stellen so niedrig das manch einer den Kopf einziehen muss.
Zuletzt war das psychedelisch countryfizierende Trio im Münchner Rottmann Kino gesehen worden, wo sie kongenial den 20er Jahre Stummfilm "Das Kabinett des Professor Caligari" vertonten. Zurück in Austin, Texas haben FODM, diese Spielart der Abendunterhaltung fortsetzend, eine Ganze Reihe, auch nicht-Stummfilme am Rand der Leinwand begleitet und an diese Entwicklung knüpft der heutige Abend an. "Under The Waves" unterscheidet sich von allen Vorgängerplatten vor allem darin, dass hier der Versuch unternommen wurde, nicht einfach eine Instrumentalscheibe, sondern eher so etwas wie einen Soundtrack zu schaffen, wie Mastermind Bill Elm nach der Show erzählt, aber dazu später mehr.

Entsprechend chillig beginnt der Abend denn auch. Natürlich wird ob der Deckenhöhe gezwungenermaßen im Sitzen gespielt und auch vor der Bühne kauert ein ziemlich gemischter Haufen auf dem Parkett. Mit seiner unglaublich fett abgemischten Steelguitar füllt Bill den Raum mit Sphärischem, das Schlagzeug steuert das nötigste bei und Gitarrist Mike Semples erhält, ein Halbrund von Effektgeräten zu seinen Füßen, eine viel tragendere Rolle als auf der CD, die mit allerlei Gastmusikern aufwartet. Derart reduziert bringen die Friends eine erfreulich gelungene, weil freie Reinterpretation ihres neuen Materials zuwege; doch nach den ersten drei Stücken passiert etwas unerwartetes. Statt der Tracks der aktuellen Platte gibt es nunmehr eine Vielzahl unterschiedlichster Coverversionen zu hören, neben Traditionals aus dem Countrydiskurs auch Evergreens wie "Summertime" oder Neil Young Songs. Coverversionen, wie sie sein sollen, denn meist dauert es eine ganze Weile, bis der Groschen fällt und oft genug reicht es nur zu einem: "Das kenn ich - glaub ich." Unglaublich dichte Klangwände werden aufgetürmt, die immer wieder wie Brecher über die angetanen Zuhörerschaft hinwegrollen und in den Echos des analogen Banddelays an Elms alles dominierender Steelguitar von den Wänden zurückzuschwappen scheinen - under the waves eben.

Nach etwa einer Stunde gibt es eine Pause und nach einigem Applaus Ruhe. Es dauert eine Weile, bis Bill ein Mikrofon gefunden hat, um in die Runde zu fragen, ob man denn gewillt sei, noch ein Paar Stücke zu hören, was natürlich bejaht und begrüßt wird. Was folgt ist eine neuerliche Überraschung, denn FODM legen noch einen Gang zu und geben jetzt richtig Gas. Extrem laute Verzerrung und Rückkopplung machen manch einen, eigentlich willigen, unwillkürlich die Ohren zuhalten. Dann gibt es veritablen Hardrock zu hören und mit ihm kommt auch Bewegung in den Saal und hinter die direkt am Bühnenrand gelegene Bar. Deren Keeperinnen haben nun den Versuch, sich zu unterhalten aufgegeben und üben sich stattdessen im Headbanging (siehe Foto-Galerie).

Später erklären die drei Musiker die extraordinäre Zusammenstellung so: der Zettel am Boden war keine Setlist, sondern eine Auflistung von Stücken, die man eventuell spielen könnte. Von der hat man sich dann aber immer weiter entfernt. Überhaupt vermeidet Bill Elm es, zu viel zu proben, um möglichst viel Raum für Improvisation und Spontanes zu lassen. Die Tour begann, erzählen sie weiter, unter widrigen Umständen. Schon beim Auftakt in Brünn in Tschechien wurde Dave, dem Tourschlagzeuger, der kurzfristig eingesprungen ist, die Reisetasche geklaut, inklusive aller wichtiger Dokumente, was einiges an Problemen und Gerenne nach sich zog. Doch inzwischen ist der Ärger längst verflogen, und die Reise verläuft zur vollsten Zufriedenheit. Wien war cool, und im provinziellen Wels waren die Zuschauer richtig aus dem Häuschen. Auf dem Weg nach München war sogar ein Vormittag auf der Ski-Piste drin. Deutschland kann kommen und das gilt auch für all jene, die nichts dagegen haben, nach dem Konzert im positiven Sinne mitgenommen und erschlagen zu sein.

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Surfempfehlung:
www.friendsofdeanmartinez.com
Text: -Dirk Ducar-
Foto: -Dirk Ducar-


 
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