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Konzert-Bericht
 
No fillers, just killers!

Granfaloon Bus
Virgil Shaw

München, Substanz
25.05.2003

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Granfaloon Bus
Sonntag Abend ist natürlich immer so ein Termin für ein Konzert, vor allem, wenn schon am Samstag alle bei der Langen Nacht der Musik bis in den Morgen wie die Wanderameisen von einer Spielstätte zur anderen gezogen sind. Entsprechend mäßig besucht war das Substanz auch und die Stimmung eher fad, dass man meinen hätte können, da wäre der eine oder andere besser im Bett geblieben. Aber interessant, am Ende war es gar niemand aus dem Publikum der da einfach mitten im Konzert eingeschlafen ist, aber dazu später mehr.
Denn zu Beginn war's eh noch hell, weil das Substanz hat schon immer große Probleme mit den Anwohnern und deshalb, spätestens um 22:30 Uhr Ende der Veranstaltung und dem entsprechend Beginn schon um halb 9. Als Anheizer haben sich Granfaloon Bus den jungen Virgil Shaw mitgebracht und der hat seine Sache an und für sich recht gut gemacht, weil die leisen Töne sind dem seine Stärke sowieso nicht. Mit brachialer Gewalt wurde da auf die Gitarre eingeschlagen und dazu gebrüllt, dass man denken konnte: obacht, zorniger junger Mann. Aber trotzdem auf seine Art sehr gut oder gerade deshalb, auch wenn bald jede einzelne Saite entweder total verstimmt oder abgerissen war. Also wirklich ganzer Einsatz, aber das Publikum hat sich nicht recht aus seiner Lethargie herausreißen lassen und als Virgil von der Bühne runter und mit einem Stamperl Schnaps am Sofa vor dem Mischpult angekommen war, ist er auch gleich eingeschlafen gewesen und das ganze Konzert über nicht mehr aufgewacht. Vielleicht wegen der Verausgabung, weil der hat schon recht trickreich gespielt, vielleicht wegen der Schnäpse - man weiß es nicht.

Dann also Granfaloon Bus, und wer das Quartett im letzten Jahr im Club 2 gesehen hat, der hat feststellen können, dass die das mit dem Bestimmer-sein so handhaben wie die Grünen, quasi Rotationsprinzip. Damals hat der witzige Bassist Jeff Stevenson die Stücke angesagt und ein bisschen für Stimmung gesorgt gehabt, diesmal war der freche Solo-Gitarrist Ajax Green mit dieser Aufgabe betraut und als der am Anfang mit einem einstudierten "Meine sehr verehrten Damen und Herren, willkommen zur Show" um Sympathiepunkte geworben hat, war noch nicht auszumachen, dass das heute in gewisser Weise wirklich sein Abend werden sollte.

Erstmal war die Stimmung nämlich etwas abwartend sogar indifferent und das hat die Formation wohl irgendwie verunsichert. Also zunächst so ein wenig vorsichtiges Herantasten und dabei selber auch nicht immer ganz trittsicher auf den Beinen. So ging das eine ganze weile dahin, man ist langsam etwas warm geworden miteinander und nachdem mehr oder weniger authentisch ein Paar Songs von der aktuellen Veröffentlichung "Lucky Curtains" gespielt worden waren, ist der Knoten dann doch noch geplatzt. Weil bei "Moans Enclosed", einer der flotteren Nummer vom Vorgängeralbum "Exploded View" hat der Ajax mit seiner Melodiegitarre sich einfach nicht mehr an die verabredeten zurückhaltenden Untermalungen gehalten und einfach so ein wenig die Sau herausgelassen, und das hat dem Abend richtig gut getan, praktisch Initialzündung. Alle waren gleich deutlich lockerer und sind beim Musizieren immer wieder ein bisschen aus der Reihe getanzt. Auch musikalisch wurde es gleich etwas beschwingter, denn Ajax hatte in anbetracht der knappen Zeit die Devise "No fillers, just killers!" ausgegeben - gleichsam Homer.

Also wurde mit Hits wie "Binary Story" für Tanzlaune gesorgt und der eine oder andere Oldie der Formation aus San Francisco wurde ebenfalls hervorgekramt. Gegen Ende noch die eine oder andere Überraschung, wie dass Schlagzeuger Jeff Palmer für ein paar Nummern hinter seinen Trommeln hervor und an die Leadgitarre durfte, dann ein Lied von dem nur verraten wurde, dass es nicht von einem selbst sondern von jemand anderem ist und in dem immer von einem "Solitary Man" die Rede war. Da war es auch schon elf, und das Publikum hatte mit großem Einsatz doch noch eine Aufweichung der strikten Hausregeln erreicht, und sich als Abschluss noch eine fast-a-cappella-Darbietung verdient, die als Country-Folk-Gospel-Opera angekündigt wurde und allen das Herz etwas weiter gemacht hat.

Dann wieder interessant: kaum war der letzte Applaus verhallt und der DJ an seinem Platz, hat sich der Virgil wieder aus seinem katatonischen Zustand vom Sofa aufgerappelt und wieder auf den Weg zur Bar gemacht. "No killers, just fillers!" hätte man denken können.

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Surfempfehlung:
www.granfaloonbus.com
www.virgilshaw.com
Text: -Dirk Ducar-
Foto: -Dirk Ducar-

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