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Wednesday Night's Alright For Fighting

The Monochords
I Saw Elvis

Mainz, KuZ
03.12.2003
The Monochords
Die Vorband I Saw Elvis fängt an zu spielen, aber nanu, was ist das denn? Das Publikum demonstriert Desinteresse und bleibt auf der anderen Seite der Halle an der Bar, den Rücken zur Bühne gewandt, stoisch stehen. Egal, die Band rockt unverdrossen weiter. Der Sänger von I Saw Elvis, Amri Pardo, ist ein drahtiger, schlaksiger Typ mit E-Gitarre, der einen verbitterten Kampf gegen seinen Mikrofonständer auszufechten hat, den er gerne beim Singen packt und schüttelt, wenn er nicht passioniert in die sechs Saiten seiner Klampfe greift. Zudem macht Amri eine Stimmung, als wäre es Samstagabend, und nicht gerade erst mal Mittwoch. Vielleicht liegt es auch an dem Wochentag, dass das spärliche Publikum bei der Vorgruppe aus Köln nicht so richtig mitziehen möchte, weil den meisten noch der harte Arbeitstag in den Knochen steckt.
I Saw Elvis spielen leicht psychedelischen Indie-Rock mit deutschen Texten, außerdem ist eine gewisse Verbundenheit zur Hamburger Schule zu spüren, denn vom Sound her erinnert die ehemalige Wiesbadener und jetzige Kölner Band auffällig oft an Selig. In den Lyrics werden Alltagsprobleme und existenzielle Fragen angesprochen und verarbeitet, was etwa so unschöne Themen wie Drogensucht und Großstadtphobie belegen. Einen Song widmet Bandchef Amri "allen TV-Geschädigten" hier im Saal, in der Nummer "Fernsehkoma" wettert der feingeistige Sänger mitunter gegen Talker Johannes B. Kerner, von dem der Frontmann nicht sonderlich viel hält, weil "der Typ einfach scheiße ist". Musst du nicht weiter ausführen, Amri, immerhin befinden wir uns hier in der schönen rheinland-pfälzischen Domstadt Mainz, wo das ZDF seinen Hauptsitz hat, also der Brötchengeber deiner erklärten Hassfigur. Aber das Lied "Fernsehkoma" ist wohl nicht nur explizit an Johannes B. Kerner adressiert, sondern sollte als Mahnung gegen all die oberflächlichen Talkmaster in der Glotze verstanden werden, die mit ihren substanzlosen Sendungen das mittägliche Privatfernsehen verseuchen. Das Quartett versteht es auf sehr anmutige Weise, solche lamentierenden Klagen in schöne Texte zu verpacken, die von träumerischen Gitarren-Melodien in den Raum transportiert werden, aber in keiner Sekunde allzu pathetisch klingen oder gar mit erhobenem Zeigefinger nerven. Wenn schon die Hand gestreckt werden soll, würde Amri wohl am ehesten den Mittelfinger herzeigen. Das brandneue Album von I Saw Elvis trägt den Titel "Den ganzen Weg bin ich gerannt" und ist seit Mitte November erhältlich.
The Monochords
Die Hauptband des Abends tritt da etwas enträtselter auf und scheint im Vorfeld backstage ausreichend Spielfreude getankt zu haben. The Monochords befinden sich derzeit mit ihrer aktuellen Debütplatte "Volume 1", die es demnächst auch auf Vinyl zu kaufen gibt, auf ausgedehnter Club-Tour durch Deutschland und beehren das Mainzer Kulturzentrum mit einem feinen Auftritt. Als Intro ertönt im KuZ eine Sprachfrequenz, aus dem Off spricht die Stimme einer Frau, die urplötzlich zu lachen anfängt. Dann beginnen die Monochords mit ihrem Gig. Die Bühnenbeleuchtung flackert überschwänglich zur dudelnden, an die Doors gemahnenden 60s-Orgel. Sänger René Riedel hüpft hyperaktiv über die Bühne, verprügelt sein Tamburin und singt seine Vocals, wobei er wie ein junger Mick Jagger klingt. Allgemein lässt die Musik der sechsköpfigen Garagenrock-Band Reminiszenzen an die großen Rolling Stones wach werden. Die Monochords aus Frankfurt, alle sechs Mods vor dem Herrn, kochen eine herrlich abgedrehte Retro-Mixtur aus den unterschiedlichsten Klangzutaten: Rock'n'Roll, Soul, Beat, Indie - alles gelangt in den bunten Soundtopf. Die Kapelle existiert seit 1998 und spielte in der Vergangenheit bereits einige ausverkaufte Shows mit den australischen The Vines. Eine Band mit Seele. Eigen, nicht artig. Das für einen Mittwochabend mittlerweile doch recht bemerkenswert gewachsene Publikum setzt sich denn auch aus herausgeputzten Vögeln zusammen, die einen ausgeprägten Hang für den Soundtrack der 50er und 60er Jahre pflegen. Neben mir steht etwa ein Typ mit Pomade im glatt frisierten Haar, der eine dunkelblaue Jeansjacke trägt und dessen Füße in seltsamen schwarz-weißen Lackschuhen stecken, die andere Leute nur zur Konfirmation anziehen - oder noch nicht einmal dort. Dass der Sound der Monochords mitunter auch ziemlich sexy ist, lässt sich bestimmt nicht abstreiten. In der ersten Reihe tanzen junge blonde Mädchen und wackeln dabei sinnlich mit dem Popo. Die sechs Frankfurter Garagen-Rocker erreichen im KuZ eine mitreißende Party-Laune, als wäre es Samstagabend. Gar nicht mal so schlecht für einen Mittwoch...
Surfempfehlung:
www.monochords.de
www.isawelvis.de
Text: -Christian Hoffmann-
Fotos: -Christian Hoffmann-


 
 

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