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Konzert-Bericht
 
Brüder im Geiste

Anathema

Karlsruhe, Substage
04.02.2004
Anathema
Dass aus Liverpool gute Rock-Musik kommt, wissen wir spätestens seit den Beatles. Auch die Düsterheimer von Anathema, deren neues Album "A Natural Disaster" Ende letzten Jahres das Licht der Welt erblickte, sind in dem britischen Arbeiterstädtchen beheimatet. Momentan haben sie aber ihrem Wohnort den Rücken gekehrt, denn das melancholische Quintett befindet sich derzeit auf Club-Tour. Im Zuge dessen lassen es sich Anathema nicht nehmen, auch dem Karlsruher Substage einen Besuch abzustatten. Der durchschnittliche Karlsruher scheint Anathema-Fan zu sein, sonst wäre der Club heute nicht so picke-packe-voll. Man darf gespannt sein.
Viele Besetzungswechsel gab es in der Vergangenheit, jetzt sind sie aber wieder größtenteils in der Urbesetzung unterwegs. Das Licht verdunkelt sich, sphärische Klänge, die Unheilvolles verkünden, verdichten sich im Raum, eine Lichtorgel zaubert gespenstische Ornamente und Symbole an die Decke im Substage. Nach und nach kommen die einzelnen Bandmitglieder von Anathema theatralisch auf die Bühne gewankt: Vincent Cavanagh (Gesang, Gitarre), seine Brüder Daniel (Gitarre, Keyboard) und James (Bass), Ur-Drummer John Douglas und Tastenmann Les Smith (Ex-Cradle Of Filth). Sänger und Frontmann Vincent hält dabei einen Fotoapparat in der einen, und eine Bierflasche in der anderen Hand, die er auch gleich mal, nachdem er dem Behältnis einen kräftigen Schluck entnommen hat, neben dem Schlagzeug positioniert. Ob das jetzt für das Familienalbum der Gebrüder Cavanagh ist, kann nur vermutet werden, als schließlich Vincent das Publikum dazu auffordert, die Hände demonstrativ in die Höhe zu strecken, damit er einen schönen Schnappschuss von den Karlsruher Fans machen kann. Nach dieser kleinen Foto-Session stürzt sich die Band gleich in ihr Set. Anathema breiten ihren dicht gewobenen Psychedelic-Doom-Rock im Substage aus, der mit allerlei Verzierungen und Details ins Uferlose ausbricht. Die Lautstärke ist nicht zu brachial, aber auch nicht zu leise, sondern findet einen angenehmen Mittelweg, so dass die Sound-Verhältnisse im Club optimal ausgelotet werden. Kompliment an dieser Stelle an den Live-Mischer.
Anathema
Vom Klang her braucht man sich also keine Sorgen zu machen, der erste trittfeste Grundstein für den weiteren Erfolg des Abends ist gesetzt. Jetzt liegt es an der Band selbst, was sie draus macht. Die Songs von Anathema klingen voluminös und warmherzig, strotzen nur so vor Traurigkeit und sind klar wie Morgentau. Bassist James ist der Pulsschlag der Kapelle. Innovation entsteht aus Mutation des Bekannten. Und eben diese Mutation ist es bei Anathema, die uns immer wieder aufs Neue fesselt. Sänger Vincent stellt dabei mehr Fragen als er Antworten gibt, andauernd mit einem Fuß am lyrischen Abgrund, es sind die Innenansichten des nachdenklichen Songschreibers Daniel Cavanagh. Hin und wieder schleicht sich auch mal eine Akustik-Gitarren-Meditation ins Repertoire des Liverpooler Quintetts. Bei zwei Stücken kommt sogar eine junge Dame auf die Bühne, um mit Vinny im Duett zu singen. Ein Glanzpunkt des Konzerts. Die Klänge von Anathema versteht man nicht im Moment des Hörens, man muss sich viel öfter diesen Liedern hingeben, um Feinheiten ausmachen zu können. Psychedelic- und Gothic-Rock, den man sich erarbeiten muss. Gegen Ende brechen erneut alle Gitarren-Dämme, bis Anathema bei der letzten Zugabe im Substage den Klassiker "Wish You Were Here" von ihren großen Vorbildern Pink Floyd anstimmen. Nur mit Vincent an der Akustik-Klampfe und Bruder Daniel an einer sanften E-Gitarre. Ein würdiger Abschluss für ein nebelgraues Frust-Manifest.
Surfempfehlung:
www.anathema.ws
www.anathema.rockmetal.art.pl
Text: -Christian Hoffmann-
Fotos: -Christian Hoffmann-


 
 

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