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Konzert-Bericht
 
Am Aschermittwoch ist alles vorbei...

Clem Snide
Andrew Bird

Frankfurt/Main, Sinkkasten
25.02.2004

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Clem Snide
Aschermittwoch ist kein wirklich idealer Termin für ein Konzert. Offensichtlich hatten viele am Vortag zu tief in den Bembel geguckt und so war der Frankfurter Sinkkasten, örtliche Institution in Sachen Independent, erbärmlich schlecht gefüllt als Andrew Bird auf die Bühne stieg, um sein Solo-Set abzuliefern. Zunächst begann der Support von Clem Snide, seiner Fender Jaguar Gitarre extrem verhalltes Western-Geschrammel zu entlocken und dazu sehnsüchtige Melodien zu pfeifen. Hart an der Schmerzgrenze, die dann auch gleich überschritten wurde als die Gitarrenelektrik versagte und die süßlichen Klänge mit schmerzhaften Krach- und Kratzgeräuschen konterkariert wurden. Für einen Moment schien der erste Teil des Abends gelaufen zu sein.
Der junge Musiker aus Chicago ließ sich aber nicht aus der Fassung bringen, wechselte flugs von der Gitarre zur Geige, die in der Art einer Mandoline eingesetzt das Stück zwar nicht rettete, es aber doch zu einem würdevollen Abschluss brachte. Im Folgenden lieferte Bird eine faszinierende Show ab, mit der er sein Publikum für den missglückten Einstieg mehr als entschädigte. Mit seiner Geige, der immer wieder ein Octaver-Effektgerät orchestrale Durchschlagskraft verlieh, und mit Hilfe einer digitalen Bandmaschine türmt er vielschichtige und abwechslungsreiche Arrangements auf, die unterschiedlichste Stilrichtungen wie Jazz, Folk, Country oder Salsa in eine ziemlich erwachsene Form von Chamber-Pop überführen. Dazu singt der junge Konservatoriums-Abbrecher Weisen, die irgendwie in Text und Ausführung an Lou Barlow und Sting erinnern. Ziemlich konsensfähig das ganze und vor allem live wirklich unterhaltsam.

Eef Barzelay, Mastermind von Clem Snide, hielt, nachdem die Band den musikalischen Staffelstab übernommen hatte, zunächst eine kurze Ansprache aus aktuellem Anlass. "Ich habe gehört, hier wurde gestern viel gefeiert und ihr habt wahrscheinlich alle einen Kater. Wir spielen die perfekte Musik gegen Kater. Der Song, den wir gleich spielen, ist allerdings eine Ausnahme, wenn ihr den gehört habt, werdet ihr euch wünschen, nie einen Tropfen Alkohol angerührt zu haben." Was folgte war ein ziemlich krachiges Cover des Christina Aguilera Songs "Beautiful", das auf der ebenso betitelten, jüngst veröffentlichten EP nachzuhören ist. Natürlich wurde die im Laufe des Konzerts ausführlich gefeatured und hier waren Live-Performance und Tondokument weitgehend kongruent. Je weiter zurück die gespielten Stücke in der Chronologie der Veröffentlichungen der Band lagen, desto größer wurden Differenz zum Original und unprätentiöse Gewagtheit des Vortrags. Pete Fitzpatrick, der zunächst neben E-Gitarre und Banjo eine seltsame Art elektronische Lyra (Omnichord) spielte, nahm hierbei eine kreative Sonderstellung ein. Die Chello-Parts, die so prägend für den Sound der ersten beiden Alben sind, wurden mittels B-Tuba in ein völlig neues Gewand gekleidet und wenn auch hier und da die Intonation etwas eigenwillig geriet, ist diese Form der Umsetzung wirklich gelungen.

Neben dem einen oder anderen unveröffentlichten Track und Ausblick auf das kommende Album gab es auch ein Stück von Fitzpatricks Band "The Pee Wee Fist" zu hören, verschiedene Wünsche aus dem Publikum wurden erfüllt und Andrew Brid durfte beim einen oder anderen Stück mittun. Allein wegen der seltsamen Atmosphäre wurde der Abend nicht zum Kandidat für die Liste der besten Konzerte des Jahres. Der Sinkkasten ist eine Art Miniarena, die Tanzfläche vor der Bühne wird von zwei Reihen erhöht angebrachter Kinositzreihen umfasst. Von dieser Warte aus wurde der Abend von den meisten Anwesenden verfolgt und rechte Stimmung kam so natürlich nicht auf. Schade.

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Text: -Dirk Ducar-
Foto: -Dirk Ducar-


 
 

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