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Konzert-Bericht
 
Fortunate Daughters

Sleater-Kinney
Mary Timony

Köln, Gebäude 9
20.07.2000
Sleater-Kinney
Das war noch vor dem Wintereinbruch: Einer jener Sommertage, die im Gebäude 9 so ganz und gar nicht annehmbar sind, weil sich da mangels Air-Condition der Staub von 100 Jahren Industriegehabe immer so penetrant mit dem Körperschweiß verbäckt. Zumal wenn's voll wird, wie bei diesem Event. Das war der letzte Abend der Tour und da hatten sich die Mädels vorgenommen, uns mal so richtig zu zeigen, was eine Harke ist. Mary Timony eröffnete das Konzert - lediglich von einer Drummerin begleitet - im Alleingang mit Gitarre, Geige und Piano. Es gab Material ihres letzten, mittelalterlich, angehauchten Albums. Das ging soweit auch ganz in Ordnung, bis auf die Tatsache, daß der guten Mary irgendwie die Inspiration fehlte. So gab's denn eher Routine als Magie. Wer Mary mal in guten Momenten erlebt hat - ob mit Helium oder Solo - der weiß, was da möglich gewesen wäre. Und die Drummerin hätte man getrost auch ganz weglassen können.
Sleater-Kinney
Dann ging's aber richtig ab. Von der ersten Sekunde an hatten Sleater Kinney die Sache fest im Griff. Eigentlich so, wie man das gewohnt war: Janet marschierte gnadenlos drauflos, Corin sirente sich von Song zu Song und Carrie wartete mit coolen Posen und jeder Menge Enthusiasmus auf. Nur mal am Rande: Wer so beobachtete, wie die Damen mit ungewöhnlichsten Fingerverrenkungen die unglaublichsten selbsterfundenen Riffs, Griffe und Läufe aus den Gitarren kitzelten, der konnte sich der Frage nicht erwehren, was wohl ein regelkonformer Musiklehrer dazu gesagt hätte. Nun ist das ja so, daß aufgrund des recht eng gesteckten Konzeptes die Sets von Sleater Kinney möglichst kurz sein sollten. Deswegen war der Anspruch, eine Show der üblichen Länge zu spielen, vielleicht ein wenig zu ambitioniert angesetzt. Aber: Die Band hatte dermaßen Spaß am Tun, daß sie einfach nicht zu bremsen waren. Und so gab's dann selten gespielte Tracks und reichlich Zugaben. Die Krönung hierbei war sicherlich eine druckvolle Coverversion des Creedence Clearwater Revival-Klassikers "Fortunate Son". Das war schon eine eigenartige Art von Humor - Anarchie Pur quasi: Eine Frauen-Band spielt einen der definitiven Anti-Vietnam-Songs einer der Macho-Bands dieser Zeit als knackige Rocknummer. Immerhin: Der Track fügte sich nahtlos ins tobende Geschehen ein. Auch wenn Sleater Kinney (und Sleater Kinney Fans) das nicht unbedingt gerne hören: Ein paar Balladen mehr hätten die Sache doch erheblich abgerundet. Aber egal: Auch mit diesem Konzert bewiesen Sleater Kinney wieder einmal, daß sie zur Zeit eine der besten und deshalb angesagtesten und erfolgreichsten Indie-Bands überhaupt sind. Ein kleiner Hinweis noch am Rande: Auf der kommenden Go-Betweens-CD "The Friends Of Rachel Worth" spielt nicht nur Janet Weiss die Drums, sondern sind (neben Sam Coomes und Elliot Smith) auch Corin und Carrie mit von der Partie. Reinhören lohnt sich!

Text: -Ullrich Maurer-

Zugegeben, ich bin in Sachen Sleater Kinney nicht sonderlich objektiv. Ich fand ihre Art Rockmusik zu machen immer schon zu schade, um sie einfach in der Riotgirlschublade abzulegen. Sleater Kinney rocken und zwar so, daß sich einige Männerbands davon eine gehörige Scheibe abschneiden könnten. Wer ihre Platten kennt, sie aber noch nie live erlebt hat, kommt leicht auf den Gedanken, daß es da wohl kaum noch eine Steigerungsfähigkeit geben dürfte - weit gefehlt!

Doch nun der Reihe nach. Die Tour zum aktuellen Album "All Hands On The Bad One" führte die drei Damen aus Portland und Olympia für 4 Gigs nach Deutschland, so auch am 20. Juli nach Köln ins Gebäude 9. Die Halle war gut gefüllt und mit Mary Timony, der Sängerin der Bostoner Band Helium, hatten Sleater Kinney ein Vorprogramm, das alleine schon einen Besuch wert war. Mary Timony bezauberte mit zerbrechlichen Pop-Perlen, die live weitaus intensiver klangen, als auf ihren Debut "Mountains".

Was Sleater Kinney nun boten, war eine Rockshow der Superlative. Die drei betraten die Bühne und schon der Opener "Ballad Of The Ladyman" riß das Publikum mit. Sie spielten nun vorwiegend Stücke von der neuen Platte, die Corin Tucker, Carrie Brownstein und Janet Weiss ungemein kraftvoll und charmant darboten. Man muß die Bühnenpräsenz der Band erlebt haben. Corin Tucker springt mit ihrer Gitarre herum, geht in die Knie, Carrie Brownstein schreit in ihr Mikro - ja, genau so muß Rock'n'Roll sein! Die Zuschauer sind hin und weg und als Sleater Kinney nach mehr als einer Stunde ihr offizielles Set mit einer wunderbaren Version von "Dig Me Out" beenden, kennt die Begeisterung des Kölner Publikums kaum Grenzen. Die Zugabe ließ nicht lange auf sich warten. Carrie kündigte an nun Stücke von der "Dig Me Out"-Platte zu spielen. Zusätzlich gaben sie das Creedence Clearwater Revival-Cover "Fortune Son" zum besten. Die zweite Zugaberunde war für mich dann der Höhepunkt des Abends, der mit dem unglaublich krachigen "Call The Doctor" von der gleichnamigen zweiten Platte einen wunderschönen Abschluß fand. Was bleibt, sind zwei Erkenntnisse. Sleater Kinney sind live ungemein gut und haben in der Rubrik Frauenrock/Riotgirls eigentlich nichts verloren. Sie sind einfach nur eine verdammt gute Rockband! Wer sie dieses Jahr verpaßt hat, sollte hoffen, daß sie nächstes Jahr wieder in Deutschland auftauchen. Und hingehen.

Text: -Carsten Wilhelm-
Fotos: -Ullrich Maurer-


 
 

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