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Herrenabend

21. Halderner Open Air

Rees-Haldern, Alter Reitplatz Schweckhorst
06.08.2004/ 07.08.2004

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The Divine Comedy
"Die Zukunft ist klein" hieß das Motto des diesjährigen Haldern-Festivals. Ein dezenter Seitenhieb auf Größenwahn, Globalisierungsgedanken und Großmachtansprüche diverser Major-Plattenfirmen, die eben in Haldern nun mal nicht thematisiert werden. Mitveranstalter und Pressechef de Rang Wolfgang "Linne" Linneweber brachte es am ersten Abend resümierend ungefähr folgendermaßen auf den Punkt: "Bei uns ist das alles anders. Wir sind audiophile Musikverrückte, die mit Mikrophonen arbeiten, die den Wert von Kleinwagen haben." Was meint: In Haldern geht es tatsächlich immer noch um die Musik - bzw. um die Zukunft derselben. Diese findet - und das soll bitte ein Vorwurf an die Macher sein - ganz ohne Frauen statt. Einmal abgesehen von diversen Streicherinnen im Orchester von Neil "Divine Comedy" Hannon konnte keine einzige Frau auf der Hauptbühne des Festivals ausgemacht werden. So geht's ja nun auch nicht, meine Herren! Davon aber abgesehen, überzeugte der Rest dann wieder mal.
Das Festival hat immer noch dieselbe Größe (ca. 5000 - natürlich ausverkauft) und ist beängstigend großartig durchorganisiert. Dafür mag mal ein irrwitziges Gleichnis herhalten: Im Vorfeld des Geländes war ein Büdchen aufgebaut, an dem bestellte Tickets, Fotopässe und Pressekarten hinterlegt waren. Von dort aus hatte man ungefähr 20 Minuten zum Festivalgelände zu laufen. Und dortselbst standen dann DIESELBEN Leute hinter der Theke, die vorher im Büdchen Gästelisten gewälzt hatten. Zugegeben, das war schon beeindruckend. Und dann gab es noch Duschen, Ventilatoren, Fressbüdchen, Zeitungsstände, mobile Plattenläden und alles, was es sonst noch so braucht. Die imposanteste Neuerung war zweifelsohne das sogenannte "Spiegelzelt" in dem nach Dienstschluss und am Vorabend des Festivals Nachwuchsbands auftraten. Das Problem hierbei: Es passten kaum Leute hinein und die die denen das gelang, konnten kaum etwas sehen. Aber auch hier galt: Das war kein Gimmick sondern diente der sendungsbewussten Musikförderung. Zum einen gab's ordentlich was zu entdecken (zum Beispiel die Dresden Dolls) und zum anderen standen dort wieder genau dieselben jecken Fans im Zelt, die sich vorher vor der großen Bühne in der ersten Reihe gedrängelt hatten. Und auf der großen Bühne spielte sich dann schließlich das Wesentliche ab.

Nach den Engländern Amphibic und der Vorjahresentdeckung Hal aus Irland folgten Ghinzu aus Belgien und Nicolai Dunger, der alte Schwede. Wieder einmal durfte das europatechnisch günstig gelegene Haldern-Festival zur Völkerverständigung herhalten. Ghinzu mussten gegen das gleißende Sonnenlicht eines wettertechnisch brillanten Festivaltages anspielen. Dafür waren die Herren mit ihren maßgeschneiderten Ausgeh-Anzügen zwar denkbar ungeeignet kostümiert, machten aber dennoch einen vergleichsweise coolen Eindruck. Musikalisch überzeugten die Jungs durch das, was viele Belgier gerne machen: Rockmusik mit vielseitigen Einflüssen und einer unbestimmt poppigen Note spielen, die auch gegen sechs Uhr Nachmittags noch Sinn macht.

Nicolai Dunger durfte dann in den Sonnenuntergang hineincroonen. Alles was recht ist: Wo andere Leute Stimmbänder haben, müssen bei Dunger dreifach eloxierte Reibeisen sitzen. So wie der alternative Sinatra da brüllt, jammert und sich die Seele aus dem Leibe singt, macht der das bestimmt nicht mehr lange. Immerhin kam man so in den Genuss eines weiteren emotionalen Dunger-Special-Treatments, das erstaunlicherweise auch im großen Rahmen exzellent funktionierte. Vielleicht auch deshalb, weil Dunger in seinen z.T. epischen, 60s orientierte Rockballaden immer wieder improvisierte Passagen einbaut, die den Moment kommentieren ("...all those pretty people - well not many here right now..."). Und dass noch nicht so viele Leute da waren, lag ganz einfach daran, dass viele immer noch mit der Anreise beschäftigt waren.

Das war auch noch bei I Am Kloot so. Das Trio aus England wirkte auf der riesigen Bühne ein wenig verloren. Hinzu kam, dass die eh schon spröden Herren um John Bramwell auch irgendwo nicht besonders gut drauf waren und ständig mit der Technik haderten. Kaum ein Track im ersten Drittel, der nicht wegen eines Gitarrendefektes abgebrochen wurde und dann begann Bramwell auch noch, sich darüber zu beschweren. Da half es auch nichts, dass die Songs des Trios alle irgendwie gleich klingen - die alten, wie die neuen; und da die Jungs auch keine besonders lebhaften Alleinunterhalter sind, geriet dieses Set eher zähflüssig.

Es folgte dann der erste wirkliche Höhepunkt: "Das ist unsere erste Show seit den 70s" kündigte Tom Barman das erste dEUS Konzert seit ungefähr jener Zeit an. Die lange Pause hatte den Belgiern offensichtlich gut getan und sie eröffneten die Show mit einem mächtig treibenden Rock-Stück, das praktisch nur aus einem mitreißenden Riff bestand. "Es ist für uns auch alles noch ein bisschen neu", kündigte Tom dann einige vielversprechende ebensolche Tracks an, die neugierig auf die kommende Scheibe machten. Es waren indes dann doch eher die bekannten Hits wie "For The Roses", die die Fans zum Abtanzen motivierten. Eine nette Anekdote am Rande: "Alle Songs handeln von der Liebe", kündigte Tom einen Track an, "deswegen ist der nächste Song ein Liebelied." Genau denselben Satz sagte uns vor drei Jahren Stef Camil Karlens, der ehemalige dEUS-Bassist und Sidekick Barmans ins Mikrophon, als er weiland mit Zita Swoon auftrat. (SCK war übrigens mit seiner Gattin angereist, um sich das Konzert der alten Kumpels anzuschauen.)

Wenngleich Starsailor rein äußerlich im Wesentlichen die weiblichen Haldern-Besucher ansprachen, wussten sie musikalisch auch die Jungs zu überzeugen. Schließlich spielte James Walsh ja zuvor backstage noch mit I Am Kloot Fußball... Los ging es mit "Poor Misguided Fool", und auch der Hit "Alcoholic" wurde merkwürdig früh auf die Menge losgelassen. Am Ende war es ein umjubelter, erstaunlich routinierter Auftritt, der von Licht und Ton trefflich in Szene gesetzt wurde. James Walsh sang mit großer Geste und war selbstverständlich so süß, dass er seine Mitstreiter blass aussehen ließ. "Silence Is Easy" war dann auch die Hymne des Abends und das erste, was der Schreiber dieser Zeilen am nächsten Morgen aus dem Zelt taumelnd sogleich aus dem Auto nebenan tönen hörte.

Adam Green beschloss nach Mitternacht den Abend auf der Hauptbühne. Wer ihn im Laufe des Jahres schon live erleben durfte, wusste bereits, dass unser aller Lieblings-Bühnen-Legastheniker jede Menge neuer Songs im Gepäck hat und auch dreist genug ist, sie ohne Vorwarnung zu spielen. So auch in Haldern, wo wir erfuhren, dass sich (zumindest im Song "Carolina") Dostojewsky auf Fab Moretti reimt und Adam von "Emily" mit einem Küchenmesser erstochen wird. Wie eine betrunkene Diva stolzierte Adam Green durch die verrückte Welt seiner bizarren, aberwitzigen, verdrehten, fantastischen Songs. Und jede der so selbstverständlich scheiternden Gesten (Mikro in die Luft werfen, Hundeblick, tanzen im Allgmeinen, etc.) wurde mit Szenenapplaus bedacht. Ob es an bewusstseinserweiternden Substanzen, Adams guter Laune oder beiden gleichzeitig lag, sei dahin gestellt, aber an diesem Abend passierten eigenartige Dinge. So gab es eine akustische Solo-Zugabe, die mit "What A Waster" von den Libertines begann. Und dann, nachdem der New Yorker den Song mangels Textkenntnis glorreich gegen die Wand gefahren hatte, da riss ihn der dennoch frenetische Applaus zu einer Bemerkung hin, die nicht sinnfälliger hätte sein können: "C'mon, what did I do?" Natürlich beantwortete er die Frage mit dem abschließenden und schlicht hinreißenden "Can You See Me?" selbst, und niemand machte einen Mucks: "But if everybody's coffin bound / I'm so scared of being not around / I'm so scared I'll never make a sound / I'm so scared of being underground. Can you see me?" Danach waren keine Fragen mehr offen.

Die frühen Slots am zweiten Tag des Halderner Open Airs sind fast schon traditionell den heimlichen Favoriten des gesamten Wochenendes vorbehalten. Vor zwei Jahren versprühten Mull Historical Society zur Mittagszeit Frohsinn, letztes Jahr wussten zu einer ähnlich Rock N Roll-unwürdigen Uhrzeit Isolation Years zu begeistern. Dieses Mal waren es Gisli aus Island / Norwegen, die mit einer Mischung aus Dinosaur Jr., The Beta Band (R.I.P.) und Beck nicht nur alle Klischees über isländische Musik an die Wand rockten, sondern - obwohl auf dem Flug ihr Equipment verschütt gegangen war - auch noch jede Menge Spaß verbreiteten. Und das nicht nur mit ihrer ungewöhnlichen, aber gut getimten Melange aus Pop, (Indie-) Rock und HipHop, sondern vor allem mit Textzeilen wie "I'm like the Beatles without Ringo... I'm like MTV without the music... I'm like a facelift without the stitches... I'm like a teenage girl without her top on". Hoffentlich wird mehr als nur ein Novelty-Act draus!

Danach trat der Ire Patrick Wolf auf, in dessen Ein-Mann-Show die Veranstalter im Vorfeld große Hoffnungen gesetzt hatten. Während es jüngeren Semestern im Publikum durchaus zu reichen schien, einen Mann an einem Laptop herumfummeln zu sehen, der dazu schlecht singt und tanzt (sowie gelegentlich zu schrägem Instrumentarium wie Ukulele oder Viola greift), war das Urteil vieler alteingesessener Haldern-Besucher weit weniger schmeichelhaft. Als "moderne Folkmusik" bezeichnet Wolf selbst seine psychotische Musik. Will meinen? Früher war wohl doch alles besser!

South aus London waren kurzfristig für die aus familiären Gründen verhinderten The Bees engagiert worden. "Wir haben zwar keine Bärte und Hüte, aber wir werden euch trotzdem hoffentlich gut unterhalten", meinte Sänger Joel einleitend. Im Vergleich etwa mit I Am Kloot sind South viel mehr eine Rockband und haben auch musikalisch eine größere Stilbreite anzubieten. Vielleicht sogar zu viel: Die South-Stücke bestehen aus Extremen, die vom bloßen Krach bis zum feinziselierten Popsong reichen, sich aber häufig auch als schmirgelnde Rocksongs outen. Zwar haben sich die Jungs genau das - also die konzeptionelle Offenheit - auf die Fahnen geschrieben, im Kontext eines Festival-Auftrittes geriet dies indes eher zur Richtungslosigkeit. Dennoch gelang es, das Publikum in den Bann zu ziehen - was wieder an der offensichtlichen Begeisterung lag, mit der die Band ihr Material präsentierte.

Begeisterung hatten sich auch Embrace auf die Flaggen geschrieben, die kurzfristig für die Zutons eingesprungen waren, und auch nicht lange überlegen mussten, um zuzusagen - schließlich wurden sie bei ihrem letzten Haldern-Auftritt im Jahre 2000 abgefeiert. Sänger Danny McNamara konnte es kaum abwarten, auf die Bühne zu hechten, auch der Rest der Band schien voller Tatendrang. Kein Wunder, schließlich lag eine recht lange Bühnen-Abstinenz hinter ihnen, jetzt haben sie mit "Out Of Nothing" ein neues Album im Gepäck und wollen es der Welt nochmal zeigen. Mit großen Gesten, nahezu unpeinlicher Publikums-Animation und natürlich den großartigen Songs konnten Danny & Co. überzeugen. Die Songauswahl erschien festivaltauglich mit altbekannten Hits ("Come Back To What You Know", "My Weakness Is None Of Your Business", "Save Me") und brandneuen Songs - wie z.B. die von Chris "Coldplay" Martin geschriebene Single "Gravity" und das druckvolle "Ashes", von dem Danny behauptete, dass es verdammt schwierig zu schreiben gewesen sei. Alles in allem ein gelungener Gig der Band um die McNamara-Brüder.

Wenn an diesem Wochenende eine Band ihr Publikum im Griff hatte, dann auf jeden Fall The Soundtrack Of Our Lives (die übrigens mit Ausleih-Saiten-Instrumenten spielen mussten, weil es diverse Gitarren und Bässe nicht bis nach Haldern geschafft hatten). Musikalisch war da ja schon so einiges zu erwarten, spricht doch allein ihr bereits 2001 erschienendes Album "Behind The Music" für sich. Die fünf Schweden fühlen sich mit den Jahren prächtig wohl in Bezug auf geradlinigen, und vor allem ehrlichen Poser-Rock, ohne dabei eingängige Melodien und launige Gitarren-Spektakel zu vergessen. Was die Skandinavier glatt und professionell auf Platte produzieren, spielen sie dann live äußerst superb. Viel Bewegung, ein bisschen Akrobatik, etwas weniger Handclapping, und vor allem Power bis zur vollständigen Transpiration führten konsequent zu dem Highlight ihrer Show: Unerwartet steigt der vollbärtige, in dunklem Gewand bekleidete Sänger Ebbot Lundberg von der Bühne, fordert zur allgemeinen Hockerei auf und bahnt sich seinen Weg durch die knieende Masse. Ganz der Guru. Aber ein ganz sympathischer. Der sich scheinbar einfachen Methoden bedient: Antreten auf Kommando, und der Rest funktioniert wie von selbst. Begeisterte und ausgelassene Menschen vor der Bühne waren das verdiente Resultat einer beeindruckenden Show. Und dazu gehört dann eben doch mehr als nur magische Spaziererei.

Nachdem die Bühne vom großen TSOOL-Instrumentarium befreit worden war, und nur noch ein Mikro, die Keyboard / Piano-Ecke und ein Schlagzeug zu sehen war, war es Zeit für den britischen Pop-Song. Keane. Und wirklich nur zu dritt - vielerorts konnte man hören: "Was denn - die treten ja wirklich ohne Gitarristen und nur zu dritt auf!?!" Ganz genau, und es braucht auch nur das Trio, um einen raumfüllenden Sound zu erzeugen. Gut gelaunt boten die drei ihre bekannten Hits ("Somewhere Only We Know", "Everbody's Changing") sowie eine B-Seite dar. Da Tom Chaplin "nur" singt, also kein anderes Instrument bedienen muss, ist er somit für den Bewegungs-Part auf der Bühne zuständig - was natürlich nahezu alle erdenklichen Mikrofon-Ständer-Posen beinhaltete. Man fühlte sich dennoch teilweise an die Simple Minds erinnert - rein Posen-mäßig. Nur ohne Pathos.

Kings Of Leon erfüllten danach nicht nur die Amerikaner-Quote des ansonsten britisch-skandinavisch dominierten Festivals, sondern rockten mit einer leicht arroganten Note auch noch alles in Grund und Boden. Und das war nach der von Keane zelebrierten selbstgefälligen Harmonie auch nicht unangenehm. "Holy Roller Novocaine" machte den Anfang. Caleb Followill und seine rockende Sippschaft trugen neue Frisuren und kaum noch Bärte, spielten staubtrockene Riffs und stellten ganz nebenbei eine ganze Menge Stücke aus ihrem im Herbst erscheinenden zweiten Album vor. Nun ja, eigentlich spielten sie sie nur. Die Songs hatte niemand zuvor gehört, aber alle waren Hits und wurden auch als solche behandelt. Dazu Kunststücke aus dem Debüt-Album wie "Happy Alone", "California Waiting" und "Trani". Und man hätte schwören können, tumbleweeds über das staubige Festivalgelände rollen zu sehen.

Während das immens umfangreiche Material, das Paul Weller für seine Tour mitgeschleppt hatte, zusammengetragen wurde (und das in zwei Nightlinern und einem kleinen Truck befördert werden musste), durfte José Gonzales, der argentinische Schwede, ein paar triste Akustik-Songs zum besten geben. Besonders gut kam das leider nicht an. Obwohl sich durchaus einige Fans am Bühnenrand versammelt hatten, um den insgesamt doch eher persönlichen, tristen und intimen Dramen des stillen, introvertierten Künstlers (der sich offenbar auch nicht wohl fühlte) zu lauschen, skandierten ansonsten einige offensichtlich nicht mehr ganz so nüchterne Gesangsvereine Schmährufe. So etwas tut man ja eigentlich nicht und man muss auch erwähnen, dass dies die einzige unschöne Szene des Festivals war.

Trotz allem dauerte der Umbau für Paul Weller & Co. danach relativ lange. Dieses Warten wurde indes mit einer grandiosen Show belohnt. Voller Tatendrang und geradezu hyperaktiv stürmte der Meister ans Mikrophon, begrüßte das Publikum auf Deutsch mit "Guten Abend" und dann ging's auch gleich mit seinem schlichtweg besten Song "Has The Fire Really Gone Out?" los. Das war "Heavy Soul" - mit einer guten Portion Rock-Drive - wie man ihn besser eigentlich nicht machen kann. Eine bessere Version dieser Nummer muss jedenfalls erst mal gefunden werden. Paul orientierte sich an diesem Abend - wer will ihm das verdenken - eher am Rückwärtigen. Allerdings anders, als man sich das vielleicht gedacht hätte: Das kommende Cover-Album "Studio 150" blieb außen vor. Stattdessen kam das Highlight des Abends aus einer ganz anderen Ecke. Es war dies nämlich der alte Jam-Klassiker "That's Entertainment" in einer mitreißenden akustischen Version, die es so eigentlich auch noch nicht besser gegeben hatte. Abgerundet wurde der wirklich gelungene Tourauftakt mit einigen Ausflügen des Meisters zum Piano (wahlweise Wurlitzer oder Flügel - irgendwozu muss die Gesamtmaschinerie ja gut sein) sowie einer messerscharfen Band, bei der sich Gittarenheld Steve Cradok eher zurückhielt und seinem Herren nahezu alle Highlights überließ. Und ein Saxophonist rundete das Bild ab.

Dennoch konnte der gute alte Mod mit dem, was dann folgte, nicht mithalten. Der Aufbau - inkl. eines künstlichen Baldachins aus Leuchtschnüren - ließ es schon ahnen: Große Dinge warfen ihre Schatten voraus. "The Divine Comedy mit Orchester" hatte es in der Ankündigung geheißen - und doch konnte einen das nur unvollständig darauf vorbereiten, was dann kam. Das war nämlich eine richtige Symphonie - inkl. Flötistin (das war deswegen erwähnenswert, weil ausgerechnet diese im Soundmix nicht gefunden werden konnte - was zu einer Verzögerung im Ablauf führte), mindestens 15 Streichern, Zieharmonika, Pauken, Trompeten, Keyboards und bis zu fünf Sängern. "Sehen sie nicht toll aus?", meinte der sichtlich angetane Neil Hannon nach der Ouvertüre, "ich fühle mich schon jetzt großartig." Und dann gab's die volle Dröhnung: Tatsächlich alle Tracks - darunter viele alte Perlen - wurden unter Einsatz des Orchesters dargeboten, das vom Keyboarder Joby Talbot ganz en passant geleitet wurde. "I know you have Moths in Germany", scherzte Neil in bezug auf das ihn umfliegende Getier, "but do you have Goths too?" Es folgte die fröhliche Ballade vom "Happy Goth" und dann die vom "International Business Traveler Billy Bird" und viele andere. "Das nächste Stück widme ich dem einzig wahren Idioten, George W. Bush", kündigte Hannon dann "Generation Sex" an. Während das Orchester arbeitete, setzte sich der Meister andächtig auf ein Stühlchen, um zigarettenrauchend das Geschehen zu beobachten. "Das Stück ist noch nicht fertig", grummelte er dann zum Beispiel - damit das Publikum nicht ausgerechnet ins Finale hineinklatschte. Bombast, Dramatik und Humor - so in etwa könnte man das Ereignis in Schlagworte zusammenfassen. Jedenfalls war es ein großartiger Abschluss eines geschickt aufgebauten, sich ständig steigernden Festival-Programmes. Wenn die Zukunft schon klein ist, dann aber bitte nur so. (Das Aftershow-Programm im Spiegelzelt bot dann noch eine interessante Neuentdeckung - das Bostoner Duo The Dresden Dolls - davon aber an anderer Stelle mehr...)

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Surfempfehlung:
www.haldern-pop.de
Text: -GL.de Festival Patrol (Bluhm, Kessen, Maurer, Spieß, Wohlfeld)-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
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