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Karthago - Second Step

Karthago - Second Step
MIG/Intergroove
Format: CD

Karthago, nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen ungarischen Formation, gehörten zu den Pionieren der (von der Insel als "Krautrock" diffamierten) deutschen Spielart des Progressive Rock. 1971 gegründet, ließen das Debütalbum und fleißiges Touren die Berliner zu, so die Homepage der Band, "einen der berühmtesten Rock Acts in Deutschland werden", welche die Bühne mit Bands wie Pink Floyd, Led Zeppelin, Family oder Santana teilte. Ihr jetzt als Remaster erhältliche Zweitling von 1973 markierte die weitere Professionalisierung sowie eine gewisse Entkrautung. Das soll nicht etwa heißen, dass "Second Step" simpel gestrickt wäre. Doch die Verweise gehen hier erstmals mehr in Richtung UK, USA und Lateinamerika als zuvor.

Beispiele: "Pacemaker" legt einen Orgel-/Gitarren-Schweinsgalopp vor, der auch bei Live-Konzerten als Eröffnung diente. Die 6/8-Nummer "I Don't Care" lebt von Joey Albrechts hier fast gospeligem Gesang und zweckdienlichen Gitarrenhinweisen, vor allem aber von Ingo Bischofs Großtaten an der Hammond M3. Die getragene Stimmung und weiblichen Backingvocals (Freya Wippich) sollten damals schon auch Jane-Fans angesprochen haben können. Mit seinem flotten "Take 5"-Rhythmus strömt "Crosswords & Intermissions" sieben Minuten lang auf einem Fluss von puckernden Percussions (Tommy Goldschmidt) dahin und wird von einem schönen Mini-Moog-Solo à la Jürgen Fritz oder Rick Wakeman verziert. Der Text stammt vom Hair-Libretto-Schreiber Lee Gates. Abermals Bischofs Tasten, diesmal ein funky Rhodes, machen "Don't Send Me Your Money, Send Me Your Heart" hörenswert. "Wild River" hat wieder jede Menge Soul und herrliche Orgelparts. "Lamento Juvenil (Start to Fight)" sticht als teils auf Spanisch gesungener Bossa Nova erheblich vom üblichen Album ab. Clavinet/Clavichord, Mundharmonika und Wah Wah-Gitarre verleihen "California Gigging" seinen Funk-Flair. Einen späten Höhepunkt des Original-Albums bildet das knapp achtminütige "'Oberbaum' Bridge" - laut den lesenswerten Liner Notes von Karthago-Manager und Journalist Cornelius Hudalla eine Hymne auf das Leben im zeitgenössischen Berlin. Konzertflügel und Orgel umspielen sich hier reizvoll, Stadtgeräusche schaffen authentische Atmosphäre und die junge Inga Rumpf steuert Hintergrundgesang bei.

Die mit ansprechendem Booklet versehene Remasterede-Edition wurde mit zwei kurzen Bonus-Tracks zusätzlich aufgewertet: Chuck Berrys "Johnny B. Goode" (achtbar) und Don Nix' "Going Down" (interessant, auch im Vergleich zur ein Jahr zuvor aufgenommenen Fassung der Jeff Beck Group).

PS: Die Originalmitglieder Albrecht, Bischof und Goldschmidt haben Karthago 2003 (mit Drummer Rolo Rodriguez und Bassist Chris Rodriguez wiederbelebt. Da sich seit 2005 (Auftritt mit Jane und Epitaph beim Krautrock Meeting ) auf dem virtuellen Karthago im Web allerdings hinsichtlich News nichts mehr getan hat, war die Reunion vermutlich nicht erfolgreich bzw. von Dauer.

PPS: Laut freundlicher Auskunft von Booker Gert Lange (Handmade Concerts; vgl. auch Hamburg Blues Band) existiert die reformierte Band inzwischen wieder nicht mehr. Immerhin konnte Joey Albrecht als Gastgitarrist in die Spooky Tooth Reunion vermittelt werden.



-Klaus Reckert-


"'Oberbaum' Bridge"
"The World Is Like A Burning Fire", Karthago live 1976

 
 
 

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