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Die Ärzte - Auch

Die Ärzte - Auch
Hot Action/Universal
Format: CD

Die Ärzte haben das Problem, das viele erfolgreiche Bands haben, die sich einfach nicht auflösen wollen: Wiederholen sie sich, heißt es: "Die klingen ja auch immer gleich!", gehen sie neue Wege, heißt es: "Das ist doch aber nicht die Band, die ich seit meiner Jugend kenne und liebe!" Seit Jahren schon befinden sich BelaFarinRod in dieser Zwickmühle, und daran wird sich auch mit diesem neuen Album nichts ändern, denn auf "Auch" halten sich die Gründe die Waage, die Platte zu mögen oder sie samt Plattenspieler (der Doppel-Vinyl-Box liegt die CD bei, kein Grund also, den Silberling "solo" zu erwerben) sofort aus dem Fenster zu werfen. Das Bemühen, musikalisch die auf den letzten zwei, drei Alben eingefahrenen Pfade zu verlassen, ist auf "Auch" allenthalben spürbar, allerdings tritt so auch der längst fehlende Zusammenhalt der Band offener zutage als je zuvor. Hier kochen drei Solokünstler ihr jeweils eigenes Süppchen, Gemeinsamkeiten gibt es offenbar inzwischen überhaupt nicht mehr. "Auch" klingt zwar oft frischer als "Jazz ist anders", dafür wechseln sich Licht und Schatten aber auch schneller ab als beim Vorgänger aus dem Jahr 2007.

Deshalb fällt die "Einzelwertung" sehr ambivalent aus. Farin Urlaub punktet damit, was er am besten kann: Texte zu schreiben, die lustig, smart, tiefsinnig oder albern sind (idealerweise alles gleichzeitig), und sie in Musik zu verpacken, die mal auf die Punk-Wurzeln der Band verweist (etwa bei "Ist das noch Punkrock?"), mal unerhört poppig ist und gerade deshalb gefällt (beim als nächste Single vorgemerkten "M&F") und mal so kauzig aus dem Rahmen fällt, dass man gar nicht anders kann, als begeistert zu sein (zum Beispiel bei der Metal-Persiflage "Cpt. Metal"). Bahnbrechend neu oder besonders genial ist zwar nichts davon, dennoch: FU - da weiß man, was man hat! Bela B. dagegen ist dieses Mal ein Totalausfall. Kein einziger seiner Songs zündet, zu 08/15-Musik gesellen sich Texte, die den Ärzten früher selbst auf B-Seiten zu billig gewesen wären wie das unsägliche "Bettmagnet". Vermutlich waren seine Kollegen gerade im Urlaub, als er Texte wie diesen zusammengeschustert und eingesungen hat. Dafür springt - für manche vielleicht überraschend - Rod Gonzalez in die Bresche, der schon auf der Vorab-EP "zeiDverschwÄndung" mit dem heimlichen Highlight "Quadrophenia" glänzen konnte und hier mit "Sohn der Leere" und "Tamagotchi" zwei der besten Songs seiner inzwischen fast 20-jährigen Ärzte-Karriere abliefert.

Aber auch die können letztlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass zu vieles auf "Auch" bemüht klingt. Natürlich kann ein Album, das mit der Zeile "Fick dich und deine Schwester" (Farin, natürlich!) beginnt, nicht vollkommen schlecht sein, aber katastrophale Reime wie "Du bist nichts wert, du riechst wie Pferd" (Bela, leider auch: natürlich!) machen es einfach unmöglich, ein positives Fazit zu ziehen. Vielleicht haben wir uns von dieser Platte zu viel erhofft, aber woran soll man die beste Band der Welt messen, wenn nicht am hohen Qualitätsstandard ihrer glorreichen Vergangenheit?



-Simon Mahler-



 
 
 

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