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Philip Jeck - Vinyl Coda IV

Philip Jeck - Vinyl Coda IV
Intermedium/Indigo
Format: CD

Da kommt eine Platte daher, die den Hörer aufs Erste etwas kopfkratzend zurücklässt. Ist das jetzt Ambient oder moderne E-musik oder was, kann man sich schon mal fragen, wenn man des seltsamen knackenden und rauschenden Geräuschteppichs gewahr wird, der sich da über eine Dreiviertelstunde ausbreitet. Wer Jeck kennt, weiß, dass solche Fragen nicht angebracht sind, denn genau genommen handelt es sich hier nicht um Musik im eigentlichen Sinne. Phillip Jeck ist Künstler und seine Arbeit hat viel mit Musik zu tun, sie darauf zu reduzieren entwertet sie jedoch. Seit Jahren veranstaltet der Brite Sound-Performances und das verwendete Material - teilweise gigantische Anordnungen alter Kofferplattenspieler auf denen sich in wechselnden Tempi zerkratzte und sonstwie präparierte Vinyl-Plattten drehen - ist wichtiger materieller Bestandteil, der selbst voller Metaphern und Konnotationen steckt. Das Problem des Kunstwerks im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit wird hier nicht zum Gegenstand kulturpessimistischer Ergehung sondern zum Motiv, das in einen konstruktiven Reproduktionsprozess gestellt wird. Es kommt also nicht nur darauf an, was zu hören ist, sondern auch darauf, wie der Klang entstanden ist.

"Vinyl Coda IV" wurde letztes Jahr bei einer Performance in der Münchner Bongo Bar aufgezeichnet. Im Gegensatz zu früheren Aktionen, bei denen etliche Dia- und Filmprojektoren und bis zu 180 Plattenspieler zum Einsatz kamen, sind hier Knack-, Kratz- und Knistergeräusche mit den immer wiederkehrenden Klangschnipseln von springenden LPs in wechselnden Geschwindigkeiten von lediglich neun Plattenspielern zu hören. Seltsame Loops und sich immer weiter verschiebende rhythmische Gebilde bilden einen Fläche auf der immer wieder allseits bekannte Musiken auftauchen um dann verfremdet und verstümmelt eine Weile zu verharren. Das klingt irgendwie sehr chillig und nicht uncool, hat aber auch etwas von Stockhausen und Konsorten. Um so lustiger, dass die Online Erkennungssoftware vom Winamp Mediaplayer das Werk als "Richard Wagner - Das Rheingold part 1" identifiziert.



-Dirk Ducar-



 
 
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