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Interpol - El Pintor

Platte der Woche

KW 37/2014


Interpol - El Pintor
Soft Limit/Pias Cooperative/Rough Trade
Format: CD

Interpol waren mal auf dem Weg, eine der größten Bands der Welt zu werden. Sie hatten Auftritte mit U2 und bei Letterman, platzierten ihre Alben regelmäßig ganz weit vorne in den Charts, machten den Headliner von Lollapalooza und bekamen Lobeshymnen auf der ganzen Welt. Es fehlte vielleicht ein Funke, ein klitzekleiner, um aus den vier New Yorker Herren wirkliche Superstars zu machen. Doch was machte die Band? Eine Pause.

2010 erschien das bis vor wenigen Tagen letzte Interpol-Album. Kurz danach verließ Bassist Carlos Dengler die Band, die übrig gebliebenen Musiker starteten eigene Projekte und niemand wusste, was aus dieser so wichtigen, so tollen Band werden würde. Bis sich Paul Banks und Gitarrist Daniel Kessler im August 2012 wiedertrafen. "Wir hatten keinen Plan. Mir hat auch kein Gefühl gesagt, dass wir es tun sollten. Wir haben nur Musik gespielt, um zu sehen ob dort etwas ist." Und das war es und das ist es. "Paul hat gleich in diesen ersten Tagen angefangen zu singen, was großartig war, da dies nicht immer gleich passiert. Und Ich glaube, wir hatten die Chorus-Melodie für 'My Desire' sofort, das brachte eine gute Energie. Ich war aufgeregt und habe den Anfang von etwas Besonderem gespürt." Und auch wenn dieser Übergang nun wirklich billig ist - auch dieses Album ist etwas Besonderes. Es ist besonders toll und besonders langlebig.

Neben der aktuellen In Flames-Platte ist es "El Pintor", das mich seit vielen Wochen treu begleitet, mich in der Bahn beglückt, am Schreibtisch abhält, auf dem Fahrrad antreibt. Und dabei bis heute zu keiner Sekunde langweilig geworden, sondern tatsächlich noch immer weiter wächst, noch immer besser wird. Vielleicht bis auf "All The Rage Back Home", Opener und Single. Grandios geht es los, lediglich gut preschen sie poppig nach vorne, lediglich gut bleibt es bis heute. Aber sonst? Kleine Meisterwerke, charmante Perlen, großes Kino.

Da gibt es zum Beispiel "Desire", in dem so viel tolle Melodie, so eine famose Struktur, so viel Bewegung steckt, dass andere daraus zwei oder drei Lieder gemacht hätten. Oder "Anyhwere", erst als schnoddriger Popper abgetan, heute eines der persönlichen Highlights mit seinen putzigen Gitarrenläufen, mit den doppelten Stimmen, mit dieser spürbaren Euphorie. Oder das ruhige "Same Town New Story" mit herrlichen Backgrounds, spitzen, nervigen Gitarren und einer Stimme, der man Tag und Nacht und Nacht und Tag zuhören möchte. Oder, oder, oder.

Ich gebe es ja zu, ich war nie ein großer Interpol-Fan. Ich fand sie immer gut, aber sie haben mich nie berührt. Dieses Album aber, auf dem übrigens Banks selbst den Bass spielt, das packt mich, das ist ein - siehe oben - besonderes Album. Weil es auf der einen Seite sehr warm ist und in den Arm nimmt, weil die Lieder einen umgarnen und man sich dem Charme des souligen, sanften "My Blue Supreme" oder dem kräftigen "Breaker 1" einfach nicht entziehen kann. Andererseits versprühen diese Lieder auch eine Kälte, die einen auf Distanz hält. Was die Sachen natürlich noch spannender macht, noch faszinierender macht.



-Mathias Frank-


Video: "All The Rage Back Home"
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