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Tom Liwa -

Tom Liwa - "6/8 rot - Tom Liwa singt Texte von Axel Ressler"
Eigenvertrieb
Format: LP

"Das Schlimmste an Trennungen sind die Trennungsalben. Gekränkte Musiker setzen traurige Mienen auf, klammern sich an Gitarren und schütten der Welt ihr Herz aus", schrieb vor einigen Jahren ein Kritiker in der Zeit, und auch wenn viel Wahres in dieser Aussage steckt: Bekanntlich gibt es Ausnahmen von jeder Regel. "Rumours" von Fleetwood Mac zum Beispiel, "Blue" von Joni Mitchell oder "The Boatman's Call" von Nick Cave And The Bad Seeds. Der Goldstandard des Genres aber ist und bleibt "Blood On The Tracks", ein Album, mit dem Bob Dylan 1975 die sich anbahnende Scheidung von seiner ersten Ehefrau Sara verarbeitete.

Auch Tom Liwa kennt sich aus mit Trennungsalben - das wissen wir nicht erst seit dem Karriere-Highlight "Eine Liebe ausschließlich", auf dem er, nicht ganz zufällig, auch Dylans "Idiot Wind" coverte. Die neueste Herzschmerz-Platte mit seiner Beteiligung ist trotzdem ungewöhnlich, denn auf der Vinyl-only-Veröffentlichung "6/8 rot - Tom Liwa singt Texte von Axel Ressler" verhandelt der inzwischen im Wendland lebende Singer/Songwriter mit Duisburger Wurzeln nicht sein eigenes Liebesleben, sondern vertont Gedichte und das gebrochene Herz des Essener Lyrikers Axel Ressler. "Blood On The Tracks" ist dabei oft nicht weit.

Bei vielen Liedern der LP leuchtet das große Vorbild in der Ferne, denn Texter wie Musiker sind bekennende Dylan-Fans. Ressler zeigt das durch seine Art, Situationen und Gefühle betont eigen, gerne auch ein wenig eigensinnig in Worte zu fassen, die bisweilen ein wenig aus der Zeit gefallen zu sein scheinen, während Liwa musikalisch zu der Art von Traditionalismus zurückkehrt, den er zuletzt bei seinen eigenen Werken bewusst ausgespart hatte. Bei Highlights wie "Die Geigerin zu Gmünd" reichen deshalb Stimme, Akustikgitarre und Mundharmonika, aber auch wenn Liwa die Musik im Alleingang eingespielt halt, verlässt er sich nicht allein auf die klassischen Folk-Troubadour-Tugenden. Mal sorgt eine Orgel dezent für Atmosphäre ("Du lässt die Liebe alt aussehen"), mal sorgen Abstecher auf raues Terrain ("Kein Wagenheber") oder das sinister flirrende "Besser du vergisst" für Abwechslung, und am Ende ist das Album gar nicht so trostlos ist, wie das Thema es vermuten lassen könnte.


-Carsten Wohlfeld-



 
 
 

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