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Masha Qrella - Woanders

Masha Qrella - Woanders
Staatsakt/Bertus
Format: LP

Auch wenn es kaum jemand zugeben würde: Den meisten Musikern mit Auteur-Ambitionen geht es ja doch irgendwo um die Selbstdarstellung und das Streicheln des Egos. Schon erstaunlich, wenn dann plötzlich eine so kreative, experimentierfreudige, wagemutige - und in gewissem Sinne etablierte - Künstlerin wie Masha Qrella für ein Projekt wie das neue Album "Woanders" dann nicht nur manche sicher geglaubte Prinzipien über Bord zu werfen scheint, sondern obendrein das zuvor angesprochene Ego insofern hintanstellt, als dass sie sich - zumindest anteilig - als Interpretin und nicht als Autorin betätigt.

Was ist passiert? Nachdem Marina "Masha Qrella" Kurella sich musikalisch mit ihren Bandprojekten Mina, Contriva oder NMFarner zunächst in Postrock-Kreisen eine gewisse Reputation erspielt hatte und dann als Solo-Künstlerin erste Erfolge feierte, stieß sie auf den Roman "Ab jetzt ist Ruhe", den Marion Brasch 2012 veröffentlichte. In dem Buch thematisierte diese ihr Verhältnis zur eigenen Familiengeschichte in der DDR und stellte dabei auch ihren Bruder, den 2001 verstorbenen Autor, Dramatiker und Regisseur Thomas Brasch ins Zentrum. Neugierig geworden, begann Masha, die Gedichte von Thomas Brasch zu lesen - und fand darin Analogien zur eigenen Geschichte, die sie dann dazu bewegten, gleich ein ganzes Projekt basierend auf diesen Gedichten in Angriff zu nehmen. Dass sie dafür als Performerin vom gewohnten Englisch ins Deutsche wechseln musste, hätte viele sicherlich abgeschreckt. Nicht so Masha Qrella. Stattdessen schien die Beschäftigung mit vorhandenen Texten auf der musikalischen Seite sogar bislang unangezapfte Ressourcen in Sachen Vielseitigkeit, Stilistik, Arrangements und Produktion freigesetzt zu haben. Und so wurde aus den 17 vertonten Brasch-Texten nicht nur ein Liebhaber-Projekt, sondern sogar ein bemerkenswert vielschichtiges Magnum Opus für Masha. Unterstützt von Gesangsbeiträgen der Gästen Dirk von Lowtzow, Marion Brasch, Andreas Specht, Tarwater und dem Drummer Chris Imler (der neben Andreas Bonkowski als musikalischer Mitstreiter agierte) - zog Masha alle ihr zur Verfügung stehenden musikalischen Register und realisierte ein extrem lebendiges, zugängliches, poetisches Deutschpop-Wunderwerk fernab der lamentösen Selbstinszenierung und aufgesetzten Bedeutungsschwere vieler Kolleg(innen); denn das kommt alles sehr leichtfüßig und wie selbstverständlich daher.


-Ullrich Maurer-



 
 
 

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