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Haftbefehl - Das schwarze Album

Haftbefehl - Das schwarze Album
Urban/Universal
Format: LP

Man kommt an ihm einfach nicht vorbei. Selbst wenn man nur hin und wieder mal Deutschrap hört, auch wenn man mit Straßenrap und diesen... höhö... Gangstern nichts anfangen kann, auch wenn... Ach, egal, Haftbefehl ist ein geiler Typ. Hype hin, Wahnsinn her, manchmal haben all die klugen Menschen, die darüber schreiben, schon ein wenig Recht.

Nur wenige Monate nach seinem wirklich richtig starken weißen Album, kommt nun das düstere Gegenstück. Haftbefehl erzählt hier über sich und das Leben, über Drogen, Knast, Gewalt, Drogen, sich und Drogen. "Umso größer die Sünden, desto tiefer das Loch. Suizid, keine Hoffnung, ich bin im siebten Stock ", heißt es in "Wieder am Block" mit Soufian. Und weiter: "Die Schule abgebrochen, keiner gibt mir einen Job. Außer Heroin aus Laos oder Schiefer am Block." Verpackt werden die Zeilen in einen schroffen Track mit Hafti ganz weit vorne und "Bad Boys"-Beats von Produzent Bazzazian im Hintergrund. Eben dieser Bazzazian liefert auch auf dem Schwarzen Album mal wieder mächtig ab und zaubert Haftbefehl sehr atmosphärische Sachen wie "4 Kanaken" mit Capo, Veysel & Ezhel und dunkel-moderne Kracher wie "24/7" mit Farid Bang und Anti-AfD-Statement oder auch "Kaputte Aufzüge", das nicht ein bisschen so witzig ist, wie es der Titel vermuten lässt, auf den Leib.

Haftbefehl übrigens kann hier nicht nur das eine, er haut auch mal ein "Bin der, der Lachs frisst und keinen Backfisch" raus (in "Du weißt, dass es Haft ist") oder wird in "Leuchtreklame" auch mal ernster: "Wir laufen rückwärts, ich hoff', dass ist den Menschen klar. Und so langsam kommen wir dem Ende nah. Während Kinder verhungern, sind wir hier Pelz am Tragen, Geld am Sparen, Benz am Fahren." Ganz ehrlich? Man würde sich mehr davon wünschen, viel mehr. Mehr Inhalt, mehr Statement, mehr klare Kante und weniger Drogen, Gewalt und Geschlechtsorgane. Dann wäre dieses Album noch viel, viel derber und komplett gelungen. So wie es mit dem Sound und den Songs mal wieder nahezu gelungen ist, Songs wie das hochspannende "Cripwalk aufm Kopf" mit Milonair und Haiyti, das poppige "Offen/Geschlossen" oder auch "Leuchtreklame" Schmyt und Bausa (PS: als Haftbefehl den Refrain schrieb, hoffte er, dass ihn später Udo Lindenberg singen würde...) sind einfach großartige Songs. An denen man einfach nicht vorbei kommt, auch wenn man nur hin und wieder mal Deutschrap hört...


-Mathias Frank-


Video: "Offen/Geschlossen"

 
 
 

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