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St. Vincent - Daddy's Home

Platte der Woche

KW 19/2021


St. Vincent - Daddy's Home
Loma Vista/Virgin
Format: LP

Dass das sechste Studio-Album von Annie "St. Vincent" Clark musikalisch mit ganz konventionellen Instrumenten eingespielt wurde, lässt sich angesichts der unglaublich elaboriert ausgeführten, facettenreich mehrdimensional expandierenden "Three Days Straight"-Glamour-Arrangements gar nicht so einfach heraushören. Das ihrem plötzlich aus der Gefängnishaft aufgetauchten Vater gewidmete Werk richtete die mehrfach Grammy-prämierte Merkzweckkünstlerin nämlich als buntes Glampop-Kaleidoskop an, in dem sie sich einerseits an einige der konventionellsten Songstrukturen ihrer Laufbahn wagt, die sie obendrein mit einigen wirklich hymnischen Mitsing-Refrains anreichert, aber auf der produktionstechnischen Ebene zunächst seziert und dann wieder mit einem ganz eigenwilligen Songverständnis wieder zusammenführt.

Diese Arbeitsweise gefällt übrigens Paul McCartney so gut, dass er sich persönlich bei Annie für deren Remix seines Songs "Women & Wives" bedankte. Insbesondere Annies Methode, Stimmen und Bläsersätze in immer wieder neuen Chor-Kombinationen in kleine Schnipsel aufzusplitten und diese effektsteigernd einzustreuen, erscheint da besonders gelungen. Apropos Effekte: Obzwar auf der Scheibe einige Gitarrensoli drauf sind, die der selige Prince so oder ähnlich auch nicht wesentlich spektakulärer hinbekommen hätte und St. Vincent sich mit "Somebody Like Me" gar einen akustisch geprägten, augenzwinkernden Ausflug ins countryeske Folkpop-Setting leistet, sind es gerade die Myriaden von digitalen Effekten, die konventionellen Instrumenten wie Gitarren, E-Piano, Clavinet (!) oder auch Bass und Vocals psychedelische Science-Fictions Sounds entlocken - fast so, als wolle Annie den Instrumenten fiktive Charaktere andichten. Das Ganze erinnert in seiner überwältigenden Ideenfülle - etwa auch in Bezug auf die oft souligen R'n'B-Elemente - an Manches, was David Bowie in seinen kreativsten Phasen hinbekommen hatte. Mit "Daddy's Home" gelingt St. Vincent eine bemerkenswerte Scheibe, in der Zeit und Raum zwischen Konventionalität und Moderne auf spielerische Weise aufgelöst und auf seltsam zeitlose Weise wieder zusammengesetzt werden.


-Ullrich Maurer-


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