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Nick Cave & Warren Ellis - Carnage

Platte der Woche

KW 24/2021


Nick Cave & Warren Ellis - Carnage
Goliath/AWAL
Format: LP

Die Pandemie scheint manche Musiker eher beflügelt als behindert zu haben. Nick Cave und Warren Ellis - die für 2020 eigentlich eine große Tour mit den Bad Seeds geplant hatten - nutzten die Lockdown-Phase jedenfalls für eine wahre Schwemme an Veröffentlichungen: Nick Cave veröffentlichte etwa das während der Anfangsphase der Pandemie eingespielte, publikumslose Live-Solo-Album "Idiot Prayer" und die liturgische Lockdown-Kollaboration "L.I.T.A.N.I.E.S" mit dem klassischen belgischen Komponisten Nicholas Lens, bei der alle Beteiligten ihre Beiträge online beisteuerten. Warren Ellis arbeitete - zusammen mit Cave und Brian Eno - an der musikalischen Umsetzung des Poesie-Projektes "She Walks In Beauty" der direkt von einer Covid-Infektion betroffenen Marianne Faithfull. Und schließlich erarbeiteten Cave und Ellis das im Februar bereits digital veröffentlichte - nun aber auch physisch vorliegende - erste gemeinsame, songorientierte Studioalbum "Carnage" (nachdem sie in der Vergangenheit ja schon zahlreiche Soundtracks und Theatermusiken erschaffen hatten).

Dabei entstand das Ganze eher beiläufig. Cave hatte ein paar neue Texte geschrieben, die sich im Allgemeinen weit weniger persönlich als jene seiner letzten Studioarbeit "Ghosteen" präsentieren und teilweise ungewohnt deutlich mit direkten politischen Bezügen auseinandersetzen. Mit diesen Texten im Gepäck setzten sich er und Ellis im Studio zusammen, um mal zu schauen, wie diese in dem auf "Ghosteen" erstmals angestoßenen, semi-improvisatorischen Kontext funktionieren würden. Dabei wurden die Kumpels dermaßen von der Inspiration übermannt, dass sie am Ende ein ganzes Album fertig hatten - was zunächst gar nicht so geplant war. Auf der musikalischen Seite überzeugt das von Cave am Piano und Warren Ellis an allem, was sich nicht wehrt mit Loops, Samples und elektronischen Elementen traktierte Material vor allen Dingen dadurch, dass sich trotz des offenen Ansatzes ein durch Caves Gesang stark strukturiertes, melodisches Songformat herausschälte - wobei jeder Track sogar sein eigenes musikalisches Mäntelchen bekam. Alles in allem lässt sich sagen, dass Cave und Ellis mit diesem Werk ein Geniestreich gelungen ist, wie er im Buche steht.


-Ullrich Maurer-



 
 
 

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