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Clairo - Sling

Platte der Woche

KW 28/2021


Clairo - Sling
Republic/Universal
Format: LP

Irgendwie hat es Claire Elizabeth Cottrill - oder kurz Clairo - geschafft, sich mit ihrem Debütalbum "Immunity" jenseits der üblichen Pfade in die Riege der üblichen verdächtigen Indie-Queens einzureihen; obwohl dieses Werk weiland prinzipiell noch als Pop-Projekt angelegt war. Dass das nun vorliegende, zweite Album "Sling" aus einem ganz anderen Holz geschnitzt ist, liegt daran, dass Clairo etwa ihr Songwriting in erstaunlichem Maße weiterentwickelt hat und vor allen Dingen das Album konsequent auf ein organisches-Akustik-Setting aufsetzte, während "Immunity" noch E-Pop-Elemente enthielt. Dieses Konzept entwickelte Clairo zusammen mit Jack Antonoff, der als Lead-Sänger der Bleachers, Multiinstrumentalist und nicht zuletzt und als Grammy- und Golden Globe-prämierter Produzent für u.a. St. Vincent, Lana Del Rey und Lorde bereits ein erstaunliches Einfühlungsvermögen für die Bedürfnisse unterschiedlichster Künstlerinnen gezeigt hat.

Letztlich erfanden Clairo und Jack für dieses Projekt eine ganz eigene Klangwelt, in der psychedelisch verdrehte organische Instrumente wie Jazz-Gitarren, E-Pianos, Mellotron oder analoge Synthies, kammermusikalische Streicher-Arrangements und jazzig umeinander tanzende Bläser-Sätze ein kaleidoskopartiges Miteinander eingehen. Dass im Zentrum eigentlich strukturell zwar komplex und harmonisch immer wieder überraschend inszenierte, aber vor allen Dingen substantiell hochwertige Folk-Songs stehen, wird erst dann deutlich, wenn Clairo diese ohne großes Besteck vorträgt - wie z.B. neulich ihre aktuelle Single "Blouse" bei Jimmy Fallon. Besonders die kunstvoll gestaffelten, gedoppelten Vokal-Arrangements, bei denen teilweise Kollegin Lorde unterstützend mitwirkt (die sich bei ihrer aktuellen Single "Solar Power" im Gegenzug diesbezüglich von Clairo und Phoebe Bridgers unterstützen ließ), tragen zur verträumt/schwelgerischen Grundstimmung des Albums bei. Inhaltlich inspirieren ließ sich Clairo übrigens von ihrer Hündin Joanie (der sie auf der Scheibe ein instrumentales Portrait angedeihen ließ) bzw. von den Erkenntnissen, die sie aus der Verantwortung für das Tier gewann. Andererseits gibt es aber auch feinsinnig strukturierte Beobachtungen mit dezidiert feministischer Note. Der Song "Blouse" etwa enthält Zeilen wie "Why do I tell you how I feel, when you're too busy looking down my blouse?", auf die männliche Kollegen aus naheliegenden Gründen wohl so schnell nicht gekommen wären. Musikalisch, stilistisch und konzeptionell ist das eigentlich zu eigenständig und komplex, um Referenzen zu bemühen - und wenn, dann müsste man ganz oben, bei Elliott Smith, den High Llamas oder Joni Mitchell anfangen - ohne die Sache damit nun wirklich greifen zu können. Kurzum: "Sling" ist schlicht ein wirklich brillantes Singer-Songwriter-Album mit einer betont eigenständigen Note geworden.


-Ullrich Maurer-


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