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Postcards - After The Fire, Before The End

Platte der Woche

KW 41/2021


Postcards - After The Fire, Before The End
T3 Records/Galileo
Format: LP

Viele Acts sehen in der Soundästhetik von Shoegaze-, Dream-, Doom/Depri- und New Wave-Pop eine Möglichkeit, ihre nihilistische Weltsicht zum Ausdruck zu bringen, ihre Depressionen zu verarbeiten oder ihre Emotionen hinter verhallten Klangwolken zu verbergen. Es gibt aber wohl nur eine einzige Band, denen die Nutzung der zuvor genannten Stilmittel aus naheliegenden Gründen uneingeschränkt zusteht - und das sind die Postcards aus dem Libanon. Julia Sabra und ihre beiden Mitstreiter leben und arbeiten nämlich in Beirut und haben so ziemlich alle Katastrophen, die ihre Heimatstadt in den letzten Jahren getroffen haben, hautnah miterlebt.

Das Cover ihrer nun vorliegenden dritten CD etwa zeigt (verfremdete) Bilder vom Brand nach der Explosion des Silos im Hafen von Beirut - und der Titel des Albums könnte ja nun wirklich nicht desolater und nihilistischer sein. Es wird also bis auf Weiteres ein Rätsel bleiben, wieso gerade dieses Album - zumindest auf der musikalischen und der atmosphärischen Ebene - nicht in einem rabenschwarzen musikalischen Malstrom in den Abgrund führt. Im Vergleich insbesondere zum letzten Album "The Good Soldier" - bei den druckvolleren Songs wie etwa dem fast rockigen Opener "Mother Tongue" - sicher auch einer Bekenntnis zu der Herkunft der Postcards - kommt eine gewisse trotzig/kämpferische Note zum Vorschein und die sanftmütigen Balladen klingen sogar versöhnlich und definitiv wird den positiven Aspekten mehr Raum gegeben, als den offensichtlichen, destruktiven. Wie Julia in dem Song "If I Die" deutlich macht, wartet sie also weniger auf den Tod, sondern klammert sich an die - vielleicht ja vergebliche - Hoffnung an die Sonne, das Licht und einen Neubeginn. "After The Fire, Before The End" ist somit nicht nur ein musikalisch bemerkenswert ausgeglichenes Album, sondern auch ein starkes Statement einer Band, die es nun wirklich nicht leicht hat.


-Ullrich Maurer-


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