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Jeremy Ivey - Invisible Pictures

Platte der Woche

KW 10/2022


Jeremy Ivey - Invisible Pictures
Anti/Indigo
Format: LP

Es ist ja immer erfreulich, wenn sich auch gut situierte, erfolgreiche Musiker die Mühe machen, sich aus ihrer Komfortzone zu lösen und über den musikalischen Tellerrand hinauszublicken. Für sein neues Album nahm Jeremy Ivey das sogar ganz wörtlich und begab sich vom heimatlichen Nashville aus (wo er ja zuletzt seine Alben zusammen mit seiner Gattin Margo Price produzierte) ins ferne Los Angeles, um dort zusammen mit der Produzentenlegende Rob Schnapf sein bisheriges Konzept in Frage zu stellen und sich musikalisch neu zu positionieren. Kurz gesagt ging es dabei darum, Jeremys Passion für komplexe Songstrukturen, gewagte Akkordwechsel, ungewöhnliche Harmonien und komplizierte Meldodiebögen endlich ein Mal in der Form auszuleben, wie er es sich immer schon vorgestellt hatte. Dass er das bislang nicht getan hatte, hatte mit der Ehrfurcht vor seinem Idol Elliott Smith zu tun - dem gegenüber er sich bislang nie so recht gewachsen fühlte, obwohl er doch einen ganz ähnlichen Ansatz wie Smith verfolgte. Dem No Depression-Magazin erklärte Ivey das so: "Ich bin so lange davongelaufen, weil es mir peinlich war, dass dieser Typ das tat, was ich versuchte, und er hatte die gleichen Einflüsse, die Beatles und all das Zeug. Also habe ich mich schließlich entschieden, dass es mir egal ist." Und dann ergänzt er in Bezug auf das neue Album und die neuen Songs: "Ich würde ich selbst sein - und offensichtlich ist es dann auch nicht dasselbe - es ist etwas anderes. Aber ich habe großen Respekt vor ihm und seiner Musik, und was das für mich bedeutet, kann nicht ermessen werden. Also ist es dann hoffentlich, wenn überhaupt, eine Hommage."

Kurz gesagt, ist "Invisible Pictures" dann tatsächlich auch eine Hommage an Elliott Smith geworden - die Ivey freilich nicht mit emulativer Absicht anging (obwohl er sogar eine von Smiths Gitarren spielte), sondern indem er die erwähnte Ehrfurcht ablegte, und sich schlicht den gleichen musikalischen Werten verschrieb, wie Smith das weiland getan hatte. Übrigens inklusive der Begeisterung für die Kunst der Beatles, die ebenfalls auf diesem Album soundtechnisch durchschimmert. Darüber hinaus kommen Jeremys neue Tracks - trotz der autobiographisch gefärbten, ernsthaften Lyrics, in denen sich Ivey mit seiner schwierigen persönlichen Geschichte auseinandersetzt - mit einer ungewohnten und überraschenden positiven und teilweise gar jubilatorischen Grundstimmung daher. Das liegt zum einen an Iveys Geschick als Songwriter, der hier Moll und Dur meisterhaft gegeneinander ausbalanciert und dann natürlich auch an den leichtfüßigen, transparenten, akustisch geprägten Arrangements, die - ob bewusst oder unbewusst aber sehr deutlich - an den Wrecking Crew Sound der 60er Jahre erinnern. Wichtig zu erwähnen wäre noch der Umstand, dass diese Scheibe mit Americana- oder gar Country-Sounds nun wirklich gar nichts mehr am Hut hat und sich der wohl von Rob Schnapf instigierte Westcoast-Touch - bis hin zu einem gewissen Laurel Canyon-Flair - für den gebürtigen Texaner Jeremy Ivey als äußerst förderlich herausstellt.


-Ullrich Maurer-


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