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Mynolia - All Things Heavy

Platte der Woche

KW 48/2022


Mynolia - All Things Heavy
Bronzerat/Pias/Rough Trade
Format: LP

"Ich habe keinerlei kulturelle oder nationale Identität", meint die auf der ganzen Welt aufgewachsene, kosmopolitische Wahlberlinerin Maja "Mynolia" Presnell - und verkehrt diese eigentlich ernüchternde Erkenntnis dann auch gleich auf kreative Weise in ein Positivum um, indem sie nämlich sagt, dass sie sich stattdessen der Musik zuwandte wie einem Leuchtturm im Nebel. Und eine universellere Identität als die Musik kann es ja wohl kaum geben. Was aber hat das mit den Songs zu tun, die Mynolia auf diesem brillanten Debüt-Album präsentiert? Nun eigentlich nur, dass deutlich zu spüren ist, dass ihre Musik von Herzen kommt und sie die Fähigkeit entwickelt hat, die Dinge von einer zwar emotionalen aber ebenso universellen Warte aus zu betrachten.

Musikalisch bewegt sich das Debüt-Album auf dem Kult-Label Bronzerat (Jon Spencer, Gemma Ray) souverän auf dem Gebiet des melancholischen Indie-Pop-Songs - während Mynolias Gesang (sowohl der verbale wie auch der nonverbale wie auch die kunstvoll verwobenen Backing-Vocals) mit der heiteren Gelassenheit klassischer Singer/Songwriterinnen aus dem Laurel Canyon-Umfeld daher kommt (und übrigens nicht nach Phoebe Bridgers klingt). Anders als bei vielen ihrer ähnlich ausgerichteten Kolleginnen ist Mynolia bei aller Melancholie dann auch kein musikalisches Klageweib, sondern weiß genau zwischen Utopia und Eskapismus, Zynismus und Stoizismus, Hoffnung und Traumtänzerei zu unterscheiden und richtet ihre Weltsicht nicht ausschließlich an der Schwermut aus, sondern sieht auch die kleinen Absurditäten, die das Leben in der Summe ausmachen, auch mal mit einem zwinkernden Auge. Beispielsweise indem sie in dem Song "White Noise" ihren eigenen Herzschlag als Rettungsanker vor dem Rauschen traumloser Nächte ausmacht oder sich in "Baby AI" über die kollektive Angst vor künstlicher Intelligenz lustig macht. Das alles ist gekleidet in von wunderschönen Melodien getragenen, ebenso erdigen wie sanftmütigen Gitarrenpop-Sounds mit dezentesten elektronischen Elementen, "Hues Of The Blues" (wie einer ihrer Titel heißt) und meist mittels verhallten Chören erzeugten Dreampop-Klangwolken. Für Kenner und Liebhaber der Szene klingt das ebenso vertraut wie eigenständig und unter den zehn Tracks gibt es nicht einen, der qualitativ gegen die anderen abfallen würde und schon gar keinen Filler. Keine Frage: Mynolia hat eine veritable Karriere als Indie-Pop-Queen vor sich - auch ohne nationale Identität. Kolleginnen wie Johanna Amelie oder Naima Husseini - mit denen Mynolia schon kollaborierte - haben das schon lange erkannt.


-Ullrich Maurer-


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