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Billy Nomates - Cacti

Platte der Woche

KW 02/2023


Billy Nomates - Cacti
Invada/Pias/Rough Trade
Format: LP

Dass es heutzutage einfach viel zu viel Musik gäbe und das deswegen alles, was sie mache, zählen müsse, statuiert die in Bristol basierte Songwriterin Tor Maries anlässlich der Veröffentlichung des zweiten Albums ihres Alter Egos Billy Nomates - das sie wiederum auf Geoff Barrows Label Invada Records veröffentlicht. Und diese Dringlichkeit ist es dann auch, die das Album "Cacti" auszeichnet. Während sich nämlich viele ihrer Kolleginnen aus der Indie-Szene darin genügen, mittels ihrer Songs selbst zu finden oder ihrem Weltschmerz Ausdruck zu verleihen, legt Billy Nomates schonungslos ihre Karten offen und versteht sich als Sprachrohr für die Außenseiter, das Prekariat und die Unterprivilegierten im Angesicht einer aus den Fugen geratenen Welt - einfach indem sie sich als eine von vielen darstellt.

Da macht endlich mal jemand aus vernünftigen und den richtigen Gründen Musik. Kein Wunder, dass sich sogar hinlänglich etablierte Kollegen wie Iggy Pop, Florence Welch, Juliette Lewis oder die Sleaford Mods (mit denen sie bereits zusammengearbeitet) als Fans geoutet haben. Das mag auf der musikalischen Seite auch daran liegen, dass Maries ein striktes DIY-Konzept verfolgt und ihre Musik (mit Geoff Barrow als Mentor) nicht nur selbst kreiert, sondern auch produziert. Das führt im Ergebnis dazu, dass sie en passant für dieses Album eine ganz eigene Soundästhetik entwickelt hat, die sich durch abrasive Gitarrenriffs, effektive Synthie-Passagen mit New Wave-Flair, ökonomisch programmierte Beats und vor allen Dingen jede Menge cooler Bass-Grooves organischer und elektronischer Natur auszeichnet, die klar erkennen lassen, dass die Sleaford Mods einen großen Einfluss als Inspirationsquelle für Billy Nomates haben. Dabei gelingen ihr - unter Vermeidung jedweder stilistische Kompromisse - eine Reihe von wirklich brillanten Power-Pop-Songs auf der einen Seite; aber auch einige veritable Überraschungen wie das auf einem Orgel-Motive basierende "Roundabout Sadness", die Folkpop-Ballade "Fawner" oder das pulsierende "Same Gun" im Hall & Oates-Stil. Inhaltlich ist dieses Album ganz klar auch ein Produkt der Pandemie - indem nämlich Billy Nomates die Eckpunkte der aktuellen Krisenszenarien wie z.B. Apathie, Blackouts, Isolation, Depression und das Fehlen von Sicherheiten aus ihrer Perspektive verinnerlicht. Wie gesagt: Da macht jemand aus den richtigen Gründen Musik und da zählt dann wirklich auch alles.


-Ullrich Maurer-


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