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Gidon Carmel - The Story Of Goabi

Gidon Carmel - The Story Of Goabi
recordJet
Format: Digital

Die Karriere des israelischen Musikers Gidon Carmel kam erst so richtig in Schwung, als er nach Berlin zog und dort ein interessantes musikalisches Netzwerk aufbaute. So machte er als Haus-Schlagzeuger beim Berliner Hyatt Hotel, als Session- und Tour-Musiker, als Drummer bei verschiedenen Film-Soundtracks und Studios von sich reden und schrieb Drumloops für die Software Ableton 11. Das reichte ihm aber offensichtlich nicht, und so entwickelte er während der Pandemie - während der ja auch nicht so viel getrommelt wurde - das Konzept für ein eigenes Projekt. Mit Hilfe zahlreicher Gäste aus der Berliner Szene (wie Amistat, Coby Grant, Alberta Cross, Ben Wuyts, Children oder Lene Minder) erschuf er dabei eine Art moderner Rock-Oper. Das Prinzip ist dabei der Idee des Nicolas Roeg-Filmes "The Man Who Fell To Earth" entnommen, in dem David Bowie einen desorientierten, androgynen Außerirdischen spielt, der versucht, einen Sinn in unserem irdischen Dasein zu erkennen. Die Rolle des Außerirdischen spielt bei Carmel dabei die nicht binäre Figur Goabi - die in den Songs von den verschiedenen Gastmusikern verkörpert wird. Der Zuhörer betrachtet also die Welt durch die Augen (und Ohren) von Goabi und bekommt dabei vorgeführt, wie liederlich die Menschheit mit dem Planeten Erde umgeht. Gut ausgehen tut die Geschichte nicht: Goabi wird von Fischern eingefangen und an ein Forschungslabor verkauft.

Nun ja. Zusammen mit seinem Co-Produzenten Tim Hook legte Carmel den Rahmen innerhalb eines klanglich und stilistischen Artpop-Settings fest - überließ es dann aber den beteiligten Musikern, ihren eigenen Zugang zu Goabi zu finden und sich entsprechend interpretatorisch auszuleben. Das führte letztlich dazu, dass jeder Song mit einem eigenen musikalischen Mäntelchen und verschiedensten klanglichen Farbtönen daher kommt. Das wiederum hat zur Folge, dass der Rahmen alleine durch die Geschichte Goabis eingehalten wird - nicht jedoch in musikalischer Hinsicht; was dazu führt, dass die Scheibe mit einem gewissen Mixtape-Anschein daherkommt. Das liegt aber in der Absicht Carmels, der so ein facettenreiches Bild seiner Geschichte präsentiert und sich als graue Eminenz dann entsprechend zurück nimmt. Rein vom Unterhaltungswert her funktioniert dieses Projekt indes durchaus, da hier so viel passiert, dass man sich als Zuhörer lange Zeit mit diesem Album beschäftigen kann.


-Ullrich Maurer-



 
 
 

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