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Blondshell - Blondshell

Platte der Woche

KW 14/2023


Blondshell - Blondshell
Partisan/Pias/Rough Trade
Format: LP

"You wouldn't sing about getting saved if you didn't think things could actually get better." Das ist zwar keine Textzeile aus einem Song des Debütalbums der New Yorker Songwriterin Sabrina "Blondshell" Teitelbaum - sondern die Profil-Tagline ihrer Bandcamp-Seite -, aber es fasst ziemlich gut zusammen, was Sabrina auf dem besagten Album ausdrücken möchte. Mit schonungsloser Offenheit seziert Blondshell in den neun pointierten musikalischen Autotherapien die prägenden Momente ihres Erwachsenwerdens. So thematisiert sie in ihren Lyrics toxische Beziehungen, Drogenprobleme, soziale Beziehungen, Mordphantasien, Gender-Identity, Empowerment und alle Formen der Selbstfindung. Dabei gibt sie sich aber ihren Traumata, Neurosen und Ängsten nicht klagend hin, sondern starrt diesen mit analytischem Scharfsinn und einer gehörigen Portion Defaitismus ins Antlitz. Wenn Blondshell in eine toxische Beziehung geht oder im Plauderton über ihre Alkohol-Probleme spricht, dann weiß sie genau, worauf sie sich einlässt - und sie tut das mit der (fast) sicheren Gewissheit, dass am Ende eine kathartische Erkenntnis stehen wird.

Musikalisch hat sich Blondshell dabei für jene Art von Indie-Rock gewählt, die seinerzeit die Basis für alles bildete, was heutzutage unter Post-Punk läuft. Die daraus resultierende kämpferische Note ist dabei bestens geeignet, die zuvor erwähnten Inhalte musikalisch zu transportieren. Dabei scheint Blondshell all die Probleme, die ihre Kolleginnen aus der etablierten und aufstrebenden Indie-Queen-Szene in musikalischer Hinsicht gelegentlich haben, überhaupt nicht zu kennen. Sie weiß, wie ein Song funktioniert, was Melodien und Refrains sind und bewirken können, dass Dynamik besser ist als purer Druck, wann es gilt, auf Power-Chords zusetzen - aber auch wann Zurückhaltung effektiver ist oder nervöse Spannung, Unerbittlichkeit und Monotonie notwendig erscheinen. Sie kann singen und ihre Stimme variieren - und sie schämt sich nicht, sich zu ihren Inspirationen wie etwa Nirvana zu bekennen. Mag sein, dass es damit zusammenhängt, dass Blondshell - damals noch als Sabrina - ihre musikalische Ausbildung in Los Angeles an der USC in Pop-Session-Songwriterkursen oder mit dem Studium von klassischer Musik und Jazz begann und sich somit mit Formaten bestens auskennt: Auf jeden Fall hat es schon lange keine Indie-Rock-Scheibe mehr gegeben, auf der so viele erstklassige Songs versammelt sind wie auf "Blondshell". Kurzum: "Blondshell" ist ein heißer Anwärter für die Indie-Rock-Scheibe des Jahres.


-Ullrich Maurer-


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