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Madder Rose - No One Gets Hurt Ever

Madder Rose - No One Gets Hurt Ever
Trome Records
Format: LP

Madder Rose sind zurück! Zugegeben, eigentlich hatte sich die kleine, große Indierock-Band aus New York City ja schon vor drei Jahren aus ihrer 20-jährigen Pause zurückgemeldet, doch auf dem im Tumult der COVID-Pandemie leider etwas verloren gegangenen Vorgänger "To Be Beautiful" war spürbar der Wunsch stärker, neue Ausdrucksformen zu finden, als nostalgischen Gefühlen nachzugeben. Mit herrlich reduzierten Akustiknummern, sanftem Elektronik-Einsatz und dezent-atmosphärischen Ambient-Elementen hatten Gitarrist/Songwriter Billy Coté, Sängerin Mary Lorson, Drummer Rick Kubic (alias Johnny Kick) und Bassist Chris Giammalvo damals den Sound, mit dem sie in den 90ern bei allen geschmackssicheren Indierockern und Indierockettes offene Türen eingerannt hatten, ein Stück weit außen vor gelassen.

Auf dem neuen Album, das genau 30 Jahre nach dem famosen Debüt "Bring It Down" erscheint, knüpfen Madder Rose dagegen klanglich an ihre Frühwerke an, ohne dabei das Gefühl zu vermitteln, mit diesen zehn in sanfte Melancholie getauchten Liedern ihrer eigenen Jugend nachjagen zu wollen. Denn auch wenn in vielen dieser Songs der gitarrenlastige Sound von "Bring It Down" und dessen Nachfolger "Panic On" aus dem Jahre 1994 widerhallt, unterstreichen die in den Texten verhandelten Emotionen, dass hier eine Band am Werk ist, die ihre Gedanken zu den verschlungenen Pfaden der Liebe und dem fast zwangsläufig folgenden Herzschmerz aus dem Blickwinkel von Menschen schildert, für die sich die Welt seit der zwischenzeitlichen Auflösung der Band 1999 weitergedreht hat. Vielleicht auch deshalb zieht sich ein Hauch von Wehmut durch Lieder wie "I Drift Away", während bei "What Do You Know About My Lover?” ein leicht windschiefer Violinen-Loop von Laura Cannell die gespenstisch anmutende Atmosphäre des Songs vorantreibt. Das gilt auch für den einzige Songwriting-Beitrag Lorsons, das zerbrechliche Instrumental "MLMR", mit dem die Frontfrau unter dem Eindruck der Pandemie und des Todes ihrer Mutter ihre Sprachlosigkeit in der emotionalsten Nummer der LP kanalisiert.

Trotz einer Laufzeit von nur 36 Minuten ist "No One Gets Hurt Ever" erfreulich facettenreich und dabei in Perfektion unperfekt, wenn die Band unter der Führung von Coté einmal mehr mit schlafwandlerischer Sicherheit den Sweetspot zwischen Dissonanz und Wohlklang findet. Schon in den 90ern war es ein heimliches Markenzeichen der Band, sich grafisch und musikalisch offen zu ihren Idolen zu bekennen, ganz egal, ob man das Artwork ihrer frühen Platten als Hommage an Pop-Art-Legende Robert Rauschenberg versteht oder im Riff von "Beautiful John" die Genialität von Wire widerhallte. Auf dem neuen Album wird diese Tradition mit "Lou Mystery" aufgegriffen, bei dem der ehemalige Bassist Matt Verta-Ray als Lorsons Duettpartner zurückkehrt und Coté eine Chance gibt, sein altbekanntes Faible für The Velvet Underground ungeniert auszuleben. An anderen Stellen dagegen scheinen sich Madder Rose von ihrer eigenen Vergangenheit inspirieren zu lassen. "City Rain" greift die Stimmung des "Panic On"-Highlights "What Holly Sees" auf, und der dezente Motown-Vibe des Schlussstücks "I Want A New Me" ruft Erinnerungen wach an die brillant entschleunigte Coverversion von Jackson 5s "The Love You Save", mit dem die Band 1995 geglänzt hatte.

Nachdem sowohl "Hello June Fool", das letzte Album vor der zwischenzeitlichen Trennung Ende der 90er, und auch "To Be Beautiful" Platten waren, die mehr Fragen aufwarfen als sie zu beantworten, vermittelt "No One Gets Hurt Ever" nun das Gefühl, dass sich hier ein Kreis schließt. Falls dies die letzte Madder-Rose-Platte sein sollte: Einen stimmigeren, befriedigenderen, besseren Schlussakkord könnte man sich kaum vorstellen.


-Carsten Wohlfeld-



 
 
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