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The Last Dinner Party - Prelude To Ecstasy

The Last Dinner Party - Prelude To Ecstasy
Island/Universal
Format: LP

Erst 2020 fanden sich die drei Studien-Kolleginnen Abigail Morris, Emily Roberts und Lizzie Mayland in London zusammen, um eine Rockband zu gründen - die sie noch vor dem ersten Auftritt mit der Bassistin Georgia Davies und der Keyboarderin Aurora Nishevci ergänzten. Gerade letzteres scheint im Rückblick ein kluger Schachzug gewesen zu sein, denn im Bemühen, die Szene mal so richtig aufzumischen, haben sich die fünf Damen mit Glam-, Art- und Drama-Rock Genres ausgesucht, die Dramatik, Theatralik - und Keyboards - gut vertragen können; vor allem aber fast vollständig männlich geprägt sind. Und gerade hier liegt der Witz: The Last Dinner Party spielen mit viel Humor, Zwischentönen und charmanten Aphorismen mit Rollen- und Gender-Klischees und schaffen es so - in dem wie gesagt von gewissen Erwartungshaltungen geprägten Umfeld - immer wieder zu überraschen, zu erstaunen und sich als emanzipatorische Rollenbilder für ihre Fans zu empfehlen.

Nicht zuletzt ist das nun vorliegende Debütalbum "Prelude To Extasy" so auch ein starkes, feministisches Empowerment-Manifest geworden. Mit Zeilen wie "The power of my hips is useless in the dark - what good are red lips when you're faced with something sharp. I want to be a beautiful boy." oder "And you can hold me like he held her And I will fuck you like nothing matters" haben sich The Last Dinner Party schon jetzt unsterblich gemacht. Der Erfolg gibt den Mädels aber auch recht: Bereits die ersten Single-Titel (die allesamt auch auf dem Album vorhanden sind) ließen aufhorchen und sorgten dafür, dass The Last Dinner Party schon früh den Next Big Thing-Sticker verpasst bekamen. Ganz zu schweigen von einem lukrativen Major Deal, der es den Damen im Studio ermöglichte, alle Register zu ziehen, um ihren teils bombastischen, musikalischen Welteroberungsträumen Vortrieb zu leisten. Das fängt dann mit dem Einsatz von enorm effektiven (und selbstredend dramatischen) Orchester-Arrangements an und hört bei einem bemerkenswert authentischen 70s-Sound noch lange nicht auf. Da hat der Produzent James Ellis Ford ganze Arbeit geleistet.

Freilich wäre das ja alles nix, wenn die Substanz das nicht hergäbe - und da trumpfen The Last Dinner Party mit brillanten Kompositionen geradezu auf, mit denen sie auf der musikalischen Seite so ziemlich alle Facetten des Operetten-Rock streifen - natürlich nicht auf spröde/hakelige männliche Manier, sondern auf heißblütig/selbstbewusste feminine Art. Mit dem zwar leicht größenwahnsinng angelegten Schlusstrack "Mirror" gelingt ihnen dann auch noch ein monumental/dystopischer Kontrapunkt zu dem ganzen zuvor gezeigten Tableau, der die zuvor demonstrierte Selbstsicherheit wieder menschelnd in Frage stellt. Kurzum: Da stimmt dann wirklich alles. Kein Wunder, dass die anstehenden Showcase-Konzerte bereits vor der LP-Veröffentlichung ausverkauft waren.


-Ullrich Maurer-



 
 
 

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