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The KVB - Tremors

Platte der Woche

KW 14/2024


The KVB - Tremors
Invada/Pias/Rough Trade
Format: LP

"Tremors" ist das achte Studio-Album des nach wie vor aus Nicholas Wood und Kat Day bestehenden Cold-Wave-Duos The KVB; dem vermutlich einzigen Projekt, das sich nicht nur konzeptionell, sondern auch musikalisch von der Architektur - insbesondere dem Stil des Brutalismus - inspiriert sieht. Deutlich wird das durch die inzwischen zu einem integralen Bestandteil der Live-Shows gewordenen Visuals, die Kat Day für The KVB kreiert - und auch für die Videos zu den neuen Tracks "Tremors", "Overload" und "Labyrinth", in denen architektonische Elemente eine mehr oder minder prägende Rolle einnehmen. Dass übrigens zwei dieser Videos in sprödem, psychedelisch augmentierten und mit absichtlich zerstörerischen Glitch-Effekten verfremdeten Schwarz-Weiß gedreht wurden, hat einen triftigen Grund. Denn während sich The KVB auf ihrem letzten Album "Unity" noch in Richtung Pop und Rock bewegten und sich weitestgehend motivierenden psychologischen Effekten gegenüber öffneten, so kehren The KVB mit dem neuen Album wieder auf den harten Boden der Tatsachen zurück, greifen in der neuen Songsammlung die oft abrasiven und düsteren Aspekte ihres Tuns besonders aus der Anfangs-Phase des KVB-Projektes auf und machen nun konsequent in Sachen "Dystopischer Pop" (wie Wood sagt). Wie diese Formulierung bereits andeutet, sind die Pop-Elemente - etwa in Tracks wie "Words", "In The Silence" oder "Overload" - damit noch nicht vom Tisch; irgendwie lebensbejahend wirken aber auch diese Songs dann nicht. Das liegt daran, dass The KVB auf diesem Album nicht nur die dystopischen und apokalyptischen Elemente ihrer Musik wieder stärker betonen wollten, sondern das auch noch dezidiert mit einer pessimistischen Grundtendenz und mehr Misstrauen als zuvor.

Auch das sagt Wood selber zu der Scheibe - es ist aber auch deutlich herauszuhören. Wenn überhaupt, dann wurde die positive Energie des letzten Albums in eine kämpferische Richtung umgedeutet und mit einer gewissen Unerbittlichkeit implementiert. Konstruktiv ist dieser Ansatz dennoch irgendwie, denn unter dem Strich kommen The KVB zu dem Schluss, dass es keinen Sinn macht, den drohenden Untergang präemptiv zu bejammern und zu resignieren, sondern dass die persönliche Stärke aus der Akzeptanz und Resilienz erwächst. Merkwürdigerweise ist dabei musikalisch dennoch keine destruktive oder deprimierende Angelegenheit geworden, denn durch den Rückgriff auf klassische New Wave-, Darkwave-, Shoegaze-, und Industrial-Elemente, dem Verzicht auf allzu hedonistische Club-Elemente, dem verstärkten Einsatz von Gitarren, Bässen und unversöhnlichen, treibenden Beats, entstand ein faszinierend/mitreißender und letztlich schlüssiger musikalischer Kommentar und Soundtrack zu unseren wirren, komplexen und beängstigenden Zeiten, dessen Faszination sich der Hörer nur schwerlich entziehen kann. Und wenn sich The KVB 2024 vielleicht sogar mehr nach The Cure, Suicide, New Order oder Depeche Mode anhören als dem weltoffenen "Ich" ihrer letzten Phase, so ist das in kreativer Hinsicht ja sicherlich kein Nachteil.


-Ullrich Maurer-


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