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Goat Girl - Below The Waste

Platte der Woche

KW 23/2024


Goat Girl - Below The Waste
Rough Trade Records/Beggars Group/Indigo
Format: LP

Nachdem das Londoner Ensemble Goat Girl sich inzwischen zum Trio mit Lottie Pendlebury, Rosy Jones und Holly Mullineaux gesundgeschrumpft hat, ist wohl ein wenig mehr Ruhe in das ansonsten stets irgendwie hektische Geschehen eingekehrt, das sich bei den ersten beiden Alben im Studio abgespielt hat. So viel Ruhe sogar, dass einige der Songs, die während einer zehntägigen Session in den irischen Hellfire-Studios eingespielt wurden, im Nachhinein mit Streichern, Bläsern und Chören augmentiert werden konnten. So etwas bedingt einen klaren Plan und eine ausgeklügelte Struktur - und die schienen Goat Girl dieses Mal gehabt zu haben, als es ins Studio ging. Wie Lottie uns bereits beim Interview zur ersten Goat Girl-Scheibe erklärte, geht es den Damen ja bekanntlich darum, es dem Zuhörer nicht zu einfach zu machen - und demzufolge niemals etwas zu produzieren, das leicht zu verdauen ist. Noise und Sounds spielen demzufolge immer noch eine große Rolle in der Welt von Goat Girl - werden aber nicht mehr dem Chaos oder Zufall überlassen, sondern als tragende Elemente strukturell in das Songmaterial eingebunden. Der Effekt ist dabei ähnlich wie jener, den Brian Wilson erzielte, als er so viele Instrumente miteinander kombinierte, dass am Ende nicht mehr auszumachen war, welche davon welche Klänge hervorbrachten - nur dass in Tracks wie "tcnc", "Where's Ur <3" oder "Jump Sludge" nicht Instrumente, sondern Effektgeräte, Generatoren oder Oszillatoren zum Einsatz kamen. Erstmals arbeiteten Goat Girl dabei nicht mit Produzent Dan Carey zusammen, sondern engagierten John "Spud" Murphy, um ihnen bei den technischen Aspekten der Produktion in dieser Hinsicht unter die Arme zu greifen. Auch die Idee, die einzelnen Songs mit Instrumental-Vignetten zu verbinden, haben Goat Girl noch nicht ganz aufgegeben - wenngleich auch diese heutzutage besser strukturiert sind.

Es sind dann aber vor allen Dingen die erstaunlich songorientiert und melodisch ausgerichteten Tracks, die das musikalische Rückgrat dieser neuen Scheibe bilden. Stilistisch wählerisch oder berechenbar sind Goat Girl dabei immer noch nicht: "Play It Down" ist etwas ein vielschichtiges New Wave Pop-Epos mit dramatischer Spannungskurve, "Tonight" überrascht mit Folk-Elementen in einem Nightmare-Szenario, "Motorway" ist ziemlich geradliniger Dreampop, "Pretty Faces" spielt mit David Lynch-Stimmungen, "Perhaps" hingegen mit Indie-Pop-Dystopia. "Sleep Talk" kommt mit Stereolab-Flair daher und der abschließende Kaputnik-Blues-Drone "Wasting" steigert sich zum Ende hin mit kakophonischer Tendenz zu einem großen Finale. Da ist also für jeden etwas dabei und sicherlich ist "Below The Waste" das bislang vielschichtigste - aber auch sortierteste - Goat Girl-Album geworden; auch, wenn der Zuhörer da immer noch investieren muss, um sich die Songs in ihrer Vielfalt, Komplexität und letztlich auch Schönheit zu erschließen. Der nach wie vor oft düstere Unterton des Materials ist dabei auch bedingt durch die inhaltliche Thematik, die sich mit der Suche nach einer möglichen Alternative zu unserer eher destruktiv eingestellten Lebenssituation in einer sich ständig verändernden Umwelt beschäftigt - aber auch mit dem Kampf von Drummerin Rosy Jones mit ihren Suchtproblemen. Ein regelrechtes Fazit gibt es dabei nicht - aber es ist anzunehmen, dass die Botschaft dieses Albums dann die ist, nicht zu verzagen, sondern sich möglichst am eigenen Schopf aus dem Abfall herauszuziehen, in dem man sich gerade befindet.


-Ullrich Maurer-


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