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Tonträger-Review
 
Madeleine Peyroux - Let's Walk

Madeleine Peyroux - Let's Walk
Just One Recording/Thirty Tigers/Membran
Format: LP

Bislang bewegte sich die Songwriterin Madeleine Peyroux in einer künstlerisch "sicheren" Alternativ-Welt, in der es vor allen Dingen um die künstlerische Integrität und die Perfektion ihrer technischen Fähigkeiten ging. Eine klassische Storytellerin war Peyroux dabei nie - und erst mit ihren beiden Alben "Secular Hymns" und "Anthem" (benannt nach einem Leonard Cohen-Cover) schien sie sich der Spiritualität zuzuwenden. Die letzten sechs Jahre zwischen diesem Album von 2018 und dem nun vorliegenden neunten Werk scheinen aber so einen tiefen Eindruck bei Madeleine Peyroux hinterlassen zu haben, dass sie ihr bisheriges Konzept auf den Kopf stellte und nun mit ihrem kreativen Partner Jon Herington ein dezidiert politisches Album auflegte, auf dem sie die Krisen und Unbilden unserer Tage mehr oder minder unverblümt zum Thema macht: "How I Wish" spricht die Morde an George Floyd, Breonna Taylor und Ahmaud Arbery an, "Let's Walk" ist ein klassischer Protestsong, der sich an diejenigen wendet, die auf der Straße für ihre Bürgerrechte einstehen während sich "Nothing Personal" auf sexuelle Übergriffigkeiten bezieht. Damit es nicht ganz so schwermütig wird und bleibt finden sich eine Reihe leichtfüßiger, selbstironischer Stücke wie das auf französisch vorgetragene "Et pius", "Me And The Mosquito", "Showman Dan" (einer Hommage an ihr verstorbenes Idol Dan William Fitzgerald) und das Rezitativ "Take Care" (mit dem sich Madeleine für gesunde Ernährung stark macht) auf dem Album.

So viele verschiedene Themen bedurften offensichtlich einer entsprechend vielseitigen musikalischen Umsetzung. Jazz und Blues - die Genres mit denen sich Madeleine Peyroux bislang am ehesten identifizierte, gibt es zwar auch noch, daneben gibt es aber auch Rückgriffe auf andere Stilistiken - die oft genug von den Lyrics bestimmt scheinen, wie z.B. beim Folk-Opener "Find True Love", dem melancholischen Walzer "How I Wish", dem kämpferischen Soul-March "Let's Walk", den Gospel-Swagger "Please Come On Inside", dem selbstironischen Spiritual "Blues For Heaven", dem an Madeleines Pariser Zeit erinnernde Chanson "Et puis" oder dem parodistischen Tex Mex Ditty "Me And Mosquito". In jederlei Hinsicht ist "Let's Walk" Madeleine Peyroux facettenreichstes Album geworden - und das erste, auf dem keine Coverversionen enthalten sind.


-Ullrich Maurer-



 
 
 

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