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Pearl Jam - Riot Act

Platte der Woche

KW 47/2002


Pearl Jam - Riot Act
Epic/Sony Music
Format: CD

Es ist jetzt über zehn Jahre her, seit sich Bands wie Nirvana, Alice In Chains und Soundgarden auf den Weg machten, die Rockmusik so zu revolutionieren, wie es zuletzt 1977 passierte, als der Punk kam. Nun, keine der Bands gibt es mehr. Lediglich Pearl Jam bieten Nachahmern wie Creed und Nickelback fleißig Paroli, quasi als Asterix von Seattle gegen den Rest der Welt. Und wie der kleine Gallier, gehen auch Eddie Vedder und Kollegen stets als Sieger hervor. Natürlich gelingt ihnen auch mit "Riot Act" ein Kantersieg, sie lassen keine Zweifel daran, wem denn das Feld gehört. Ohne Zaubertrank!

Dabei lässt das Vergnügen anfangs auf sich warten. Der Opener "Can't Keep" wird auch nach mehrmaligen Hören nicht besser, bleibt Durchschnitt und lässt nichts Gutes erahnen. Doch schon mit Song Nummer zwei, dem kräftigen, schon fast rotzigen "Save You", wird alles wieder gut. Eine kleine Hymne, die sofort ins Ohr geht und irgendwo zwischen den "Ten"- und "No Code"-Songs liegt. Überhaupt wirkt die ganze Platte wie eine Mischung aus diesen beiden Platten. Atmosphärisch und traurig wie "Code", zugänglich und geradezu massenkompatibel wie "Ten". Auch wenn ihnen kein zweites "Alive" gelungen ist.

Der Grundtenor ist, wie schon bei den letzten Platten, eher ruhig. Als Paradebeispiel sei mal die Monster-Ballade "I Am Mine" genannt. Neben einer wundertraurigen Melodie, singt Vedder sehr ergreifend, aber niemals kitschig über seine Gedanken zum Roskilde-Festival 2000, als neun Besucher beim PJ-Auftritt zu Tode kamen. Auch "Crop Duster" und "Love Boat Captain" ("First Comes Love, Then Comes Pain") handeln von der Katastrophe. Man sollte sich wirklich die Zeit nehmen, die wundervollen Lyrics in Ruhe durchzulesen. Es lohnt sich.

Doch nicht nur textlich ist "Riot Act" überaus spannend, auch musikalisch wird der Hörer immer wieder überrascht. Bei dem von Drummer Matt Cameron geschriebenen "You Are" zum Beispiel wird mit dezenten Elektroklängen experimentiert. Es gelingt überraschend gut. "1/2 Full" ist ein klassischer Blues-Song, "Arc" Vedders A-Capella-Tribut an die tibetanischen Mönche und bei anderen Stücken haben Organist Boom Gaspar und Klaviermann Adam Kasper ihren Einsatz.

"Riot Act" ist keine einfache, aber auch keine schwierige Pearl Jam-Platte. Doch sie benötigt einige Durchläufe, um ihre wahre, zum Teil verborgene Schönheit zu entfalten. Und diese Zeit hat sie ohne Zweifel verdient.



-Mathias Frank-



 
 
 

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