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Tonträger-Review
 
Air & Baricco - City Reading

Air & Baricco - City Reading
Source/Labels/Virgin
Format: CD

Das ist doch mal ein Hörbuch der anderen Art. Alessandro Baricco ist Italiens Kultautor numero uno: "Novecento" (Die Legende vom Ozeanpianisten) oder "Seide" zählen zu den Büchern, die ihn bekannt gemacht haben. "City" ist eigentlich ein Roman, dessen zentraler Charakter, ein Wunderkind namens Gould, sich einen Spaß daraus macht, in einer Traumwelt angesiedelte Western zu erfinden. Und drei dieser Western-Stories - die dann aber doch wieder miteinander verwoben sind - liest Baricco auf dieser CD vor. Es geht um die tragische Geschichte des Pistoleros Pat Cobahn - genannt Dark - und dem Freudenmädchen Fanny aus der Stadt Closing Town. Die Geschichte einer an Dramatik kaum zu überbietende Hassliebe, die über den Tod hinausgeht. Was hat das aber alles mit Gaesteliste.de zu tun? Ach ja: Die Musik zu dieser Lesung stammt von Air. Das Projekt begann als Experiment vor Publikum: Eine Lesung, von Live-Musik untermalt. Da das gut ankam, folgte nun diese Scheibe (man erwägt sogar - nicht ganz ernsthaft, indes - auch ein Computer-Spiel nachzuschießen). Das Ergebnis ist zumindest mal interessant. Baricco ist eher Poet als Prosa-Freund und so leben seine Geschichten denn von Dialogen, Metaphern (besonders Pferden - was das Cover erklärt) und lyrischen Überhöhungen mit vielen Wiederholungen. Das hat aber zur Folge, dass das Wort hier zuweilen die Musik deutlich zu überwältigen scheint. Anfangs, beim ersten, längeren Track "Bird" gibt es noch so etwas wie ein Gleichgewicht: Air fabrizieren eine dräuende, epochale Hommage an den Spaghetti-Western, unterlegt mit Flamenco Rhythmik und getragen von einem sich langsam steigernden Drone-Riff, das in einer fulminanten Eklipse kollabiert. Mit der Zeit - besonders nachdem die Geschichte sich von der Hitze des Tages in die Schatten der Dunkelheit verzieht, nachdem es Amore und Tote gegeben hat, artet der Beitrag von Dunckel und Godin in jene Lautmalerei aus, die man von Anfang an befürchtete. Auch - oder gerade weil - immer wieder jene Momente auftreten, deretwegen man Air so lieben muss: Wunderschöne Melodieschlenker, ungewöhnliche Arrangements-Ideen (Querflöte) und schräge Sounds setzen Akzente - aber eben nur diese. Hinzu kommt, dass - wenn man des italienischen nun gar nicht mächtig ist - die Scheibe doch nur in Maßen zu genießen ist. Man könnte also diese mutige Veröffentlichung ein an den Umständen gescheitertes, aber interessantes Experiment bezeichnen - und gleichzeitig hoffen, dass Air die gelungenen Momente ihres Soundtracks auch einmal pur verfügbar machen möchten.


-Ullrich Maurer-




Hinweis:
Tonträger mit Kopierschutz, läuft evtl. nicht bzw. nur eingeschränkt in CD-ROM/DVD-Laufwerken.


 
 
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