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Tonträger-Review
 
Alizée - Mes Courants Electriques...

Alizée - Mes Courants Electriques...
Polydor/Universal
Format: CD

So macht man in Frankreich erfolgreich moderne Popmusik. Anstatt eine Art französischen Dieter Bohlen zu bemühen, alle Hits der aktuellen Top 10 zu produzieren und zu verfassen, setzt man dort lieber auf ein anderes Konzept: Die besten ihres Fachs greifen sich formbare Debütantinnen und schneidern ihnen ein elegantes und formschönes Korsett zurecht, in dem diese dann entsprechend aufblühen können. Früher ging so was mit Serge Gainsbourg und Vanessa Paradis, nach dessen Tod zum Beispiel, wie in diesem Falle, mit dem Erfolgsteam Mylène Farmer und Laurence Boutonnant. Ihre Debütantin - Alizée - darf auf dem zweiten Album nun ein wenig erwachsen werden. Musikalisch setzt Boutonnant in etwa dort auf, wo er mit dem "Lolita"-Thema begann - baut dieses jedoch in alle Richtungen aus. Selten wohl hat es in letzter Zeit eine Pop-Scheibe mit dermaßen vielen Hits, Hooklines, Melodien, cleveren musikalischen Einfällen und einer eigenen - in dem Falle natürlich frankophilen - Identität gegeben. Boutonnant ist ein Meister seines Fachs, lässt nichts anbrennen und hat vom flockigen Sommerpop über trübselige Weichzeichner-Sentimentalität bis hin zum rockigen New-Wave Flair einfach alles drauf. Den besonderen Kick erhalten einige Tracks zudem durch geschickt arrangierte Streicher. Die Kanadierin Mylène Farmer, deren '91er Hymne einer desillusionierten Generation - "Desenchantée" - gerade als Disko-Pop-Remake der Belgierin Kate Ryan durch die Charts schluckauft, gilt nicht zu unrecht als die düsterste aller französichsprachigen Songschmiedinnen. In ihren Texten wimmelt es von geheimnisvollen Anspielungen, Wortspielereien, schlüpfrigen Anzüglichkeiten, offenen Fragen und zuweilen regelrecht desolaten Bildern und Metaphern. Insofern haben die Texte - auch auf diesem gewiss schon sonnigeren und abgeschwächten Album - immer deutlich mehr Tiefgang, als das die zuweilen recht plakativen Titel vermuten lassen. Das ist spannend, gerade weil man sich nie sicher sein kann, was eigentlich gemeint ist (weil sie kaum Interviews gibt): Ist "Tempête" nun ein Song über die heilige Helena? Handelt "Hey! Amigo!" tatsächlich von einem barcelonischen Freudenmädchen? Lediglich die Notwendigkeit, vier der Tracks auch in englischen Versionen auf das Album zu nehmen, kann man nicht nachvollziehen. Denn die 1:1 Übersetzungen gerieten z.T. sinnentfremdend blödsinnig ("I'm foamely exstatic") - auch, wenn sie mit einem charmanten Akzent vorgetragen werden. Ansonsten macht die eigentliche Protagonistin ihre Sache recht gut - singt recht ordentlich die z.T. ganz schön vertrackten Vocals und sieht noch nett dabei aus. Alles in allem ist dieses Produkt sicherlich mit das Cleverste, was man poptechnisch heutzutage so anstellen kann.


-Ullrich Maurer-



 
 
 

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