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James Last - They Call Me Hansi

James Last - They Call Me Hansi
Polydor/Universal
Format: CD

75 Jahre, dreieinhalb Dekaden, ein dreiviertel Jahrhundert - James Last hat Geburtstag und veröffentlicht ein Jubiläumsalbum. Und weil er die Gelegenheit nutzen will, sein angegrautes Image aufzupolieren, nennt er es "They Call Me Hansi", schlüpft in eine neue, andere Rolle. Der Bremer Jazzbassist und Arrangeur, der in seiner Karriere mit seiner Bigband um die 80 Millionen Alben mit leichtverdaulichen Coverversionen und Eigenkompositionen verkauft hat, lässt hier seine Werke von einer Reihe etablierter Mainstream-Popper aufpeppen. RZA, Jan Delay, Herbert Grönemeyer, Tom Jones, Pavarotti, Xavier Naidoo, Nina Hagen und Till Brönner stehen auf dem Beipackzettel. Ein bisschen elektronisches Beiwerk, jede Menge Bläser und Streichersätze, voila! Risiken und Nebenwirkungen sind überschaubar, wir bewegen uns auf dem Mittelstreifen einer zehnspurigen Avenue.

Auf dem Cover hat sich James Last von Anton Corbijn in körnigen Grautönen als "Man in black" mit Stetson und weitem Horizont inszenieren lassen und der Betrachter muss unwillkürlich an den letztlich verstorbenen Johnny Cash und sein bejubeltes Alterswerk denken, das kann einfach kein Zufall sein. Hier sollte wohl ebenso Außergewöhnliches geschaffen werden, wie es dem echte "Man in black" mit seinen letzten Alben gelungen ist. Da hat Johnny Cash Nashville und dem Country-Mainstream den Rücken gekehrt und breite Sympathie bei der jüngeren Musikergeneration gewonnen, die es als Ritterschlag empfinden konnte, wenn der echte "Man in black" einen ihrer Songs coverte und in den Country-Diskurs überführte. Bei Hansi liegt die Sache allerdings etwas anders, denn der wendet sich nicht vom musikalischen Establishment ab, er umarmt es. Das interessante daran ist, dass das, was Cash zu allgemeiner Verblüffung gelang, offenbar ein zentrales Ziel dieses Albums ist, man will sich neue, jüngere Käuferschichten erschließen.

Und warum nicht? Die Festung, in der James Last einst als widerwärtiger Vertreter des verflachten und weltfremden Amüsements für Alte eingeschlossen war, ist längst gefallen, die Gräben sind weitgehend zugeschüttet und das Tor steht seit einiger Zeit weit offen. Schon in den 90er Jahren gab es eine Kooperation mit Fettes Brot, weitere folgten und so ist dieses Album auch ein Symptom, das die Bedeutung gesellschaftlicher Befindlichkeit für den kreativen Prozess illustriert. Der Generationenkonflikt, einst Motor und Gegenstand der Jugend- und Musikkultur, ist für den Musikbetrieb bedeutungslos geworden und in einer seit Jahren andauernden, als A&R-Krise gegeißelten Situation der Orientierungslosigkeit besinnt man sich auf Sekundärtugenden wie handwerkliches Geschick. James Last ist, was konsensfähige Komposition und leichtfüßiges Arrangement angeht, mit allen Wassern gewaschen. Die illustren Gäste machen sich gerne zu seinen "Superstars".



-Dirk Ducar-



 
 
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