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Darlo - Raum

Darlo - Raum
Tapete Records/Indigo
Format: CD

Ein Album, dem man sich auf zwei unterschiedliche Arten nähern kann, ohne deshalb gleich schizophren sein zu müssen. Zunächst einmal "Pro", aus der Sicht eines Musikenthusiasten in den besten Jahren: Endlich! Mit Darlo melden sich zwei ganz große Helden des deutsprachigen Indie-Rock zurück: Daniel Riedl und Tobias Reinbacher waren früher bei Rekord aktiv, haben mit dem Album "Curling" vor einigen Jahren einen absoluten Genre-Klassiker abgeliefert und machen nun reife, aber deshalb noch lange nicht altbackene Rockmusik, die gekonnt mit der deutschen Sprache spielt und da, wo es notwenig erscheint, spielerisch ins Englische abdriftet. Mal scheint ein bisschen 80er-Wave durch (was sowohl früheste musikalische Sozialisation der Musiker als auch ein Tribut an den Zeitgeist sein dürfte), die alte Liebe zum US-College-Rock ist auch noch nicht ganz erloschen, und auch die eigene glorreiche Vergangenheit mit Rekord und Tobacco darf als Referenz herhalten. Damit passt die Band punktgenau in den Kosmos von Tapete Records (deren Cheffe Gunther Buskies hier auch an Gitarre und Tasten beteiligt ist) und wäre in einer gerechten Welt ohne Frage der nächste große Hype!

Und jetzt "Contra", aus der Sicht des mit soliden, letzten Endes wenig spannenden Veröffentlichungen überfluteten Zynikers: Warum werden eigentlich so oft Platten veröffentlicht, die auf jeden Fall floppen werden? Darlo machen zwar wenig falsch, aber auch nicht genug richtig, um auch nur den Hauch einer Chance im Haifischbecken des Musikbiz zu haben. Dass die Band ihre eigenen Ideen verwirklichen will (Stichwort: "Wir haben die Platte in erster Linie für uns gemacht"), ist ihnen hoch anzurechnen. Aber nachdem das letzte Album von Rekord nicht gerade ein gigantischer Erfolg war, die aktuelle Platte und Tournee von Tobacco - obwohl fast durch die Bank von der Kritik geliebt - auch nicht ihren Markt gefunden haben, der 90er-Jahre-Slacker-Rock nur noch als immer blasser werdende Erinnerung einiger Thirtysomethings existiert und der 80er-New-Wave-Jahre-Hype auch schon fast wieder abflaut, ist eine Platte, die genau auf diesen Elementen aufbaut, schon von vorne herein zum Scheitern verurteilt. Das größte Problem: Hier machen Menschen Musik, die nicht mehr wirklich jugendlich-unverbraucht (im Sinne von: etwas naiv und grenzenlos unbekümmert) sind, die allerdings jugendlich-unverbrauchte Menschen als Hörer ansprechen müssen, damit die Band nicht nachher wieder jeden Zuschauer beim Konzert per Handschlag begrüßen kann. Denn soundtechnisch erwachsen genug, auf die Teens und Twens verzichten zu können und Norah Jones und Co. die Hörer abspenstig machen zu können, ist "Raum" auch nicht. Diejenigen, die sich auf dem Papier dafür interessieren müssten, sitzen leider heute in den Werbeagenturen, holen sich ihre Musik schwarz im Netz, anstatt wie früher im Plattenladen in der Vinylabteilung anzustehen, und beantworten die Frage, wann sie das letzte Mal auf einem Konzert waren, mit der Gegenfrage: "Hast du einen Kalender von 1998?". Schade, schade, schade.



-Simon Mahler-



 
 
 

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