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Tonträger-Review
 
Benjamin Biolay - A L'Origine

Benjamin Biolay - A L'Origine
Labels/EMI
Format: CD

Redaktionsintern war diese Scheibe als "Franzpop" angekündigt. Und auf subversive Weise trifft das den Kern der Sache auch ganz gut. Denn mit dieser dritten Solo-Scheibe entfernt sich Benjamin Biolay am weitesten vom Idealbild des sensiblen Chansonniers. Erstmals verzichtet er fast ganz auf sein Markenzeichen, den Samba und arbeitet sowohl mit Rock-Elementen wie auch - vorsichtig tastend zwar - mit Versatzstückchen aus anderen Stilrichtungen; z.B. Ska oder Hip Hop. Dazu kommt dann gelegentlich ein Orchester, dem sich etwa auch ein Serge Gainsbourg (nachdem er zuweilen klingt) nicht verweigert hätte und - was das Ganze auf die Spitze treibt - ein Kinderchor. Dass dies alles nicht aus dem Ruder läuft oder über die Stränge schlägt, ist Benjamins eigentlicher Verdienst. Auf geschickte Weise verbindet er nämlich die experimentelle Arrangierwut etwa von "Negatif" mit dem straighteren Songwriting des "Home"-Projektes und der neu entflammten Lust am Schrammelrock, den er wohl anlässlich der Arbeiten an Coralie Cléments letztem Album lieb gewann. Obendrein entdeckte der ansonsten eher grüblerische Meister auf einmal den Humor. Auf geradezu haarsträubende Weise setzt er hier schwermütige Melancholie auf der musikalischen Seite gegen intelligent formulierte Boshaftigkeiten ("Dans Mon Dos") oder kombiniert, wie in dem ironischen Abrechnungsdsrama "Mon Amour M'a Baisé" (wo besagte Liebe dauernd zischt, alles vorbei ist) tiefsinnige psychologische Betrachtungen mit leichtfüßigen Arrangements und memorablen Melodien; die überhaupt eine größere Rolle spielen als bisher. Dabei agiert er zunehmend selbstironischer und findet obendrein gar noch einen Reim auf "Rolex" (in dem Fall "Solex"). Zusätzlich erlaubt Benjamin sich noch zwei musikalische Experimente von jeweils über sechs Minuten, darunter der Titeltrack, die mit ihren gewagten, aber kontrollierten Ausschweifungen durchaus neue Möglichkeiten für die Zukunft aufzeigen. Und ein Duett mit Francoise Hardy gibt's auch noch. Der Titel des Albums - "Am Anfang" - ist dabei sicherlich auch als "Neuanfang" zu verstehen, obwohl es in der Summe eher so etwas wie die logische Fortentwicklung des Visionärs Biolay darstellt, der der französischen Szene hiermit wieder einmal einen entscheidenden Impuls verleiht.


-Ullrich Maurer-




Hinweis:
Tonträger mit Kopierschutz, läuft evtl. nicht bzw. nur eingeschränkt in CD-ROM/DVD-Laufwerken.


 
 
 

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