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Cat Power - The Greatest

Platte der Woche

KW 04/2006


Cat Power - The Greatest
Matador/Beggars Group/Indigo
Format: CD

Auch wenn es seltsam klingt: Das einzig so richtig Erstaunliche an der neuen Cat Power-CD ist die ungewohnt poppige Aufmachung des Hologramm-behandelten Spiegel-Covers. Alles andere (und wahrscheinlich auch das) ist - bis auf Chan Marshalls nach wie vor eher kryptische Texte - erklärbar. Die Scheibe wurde in Memphis eingespielt und zwar mit der sogenannten Memphis Rhythmn Section, mit der zusammen Chan demnächst auch einige Konzerte spielen wird. Das ist im wesentlichen die Band der Soul-Legende Al Green um die beiden Brüder Mabon und Leroy Hodges und dem Booker T. Drummer Steve Potts. Wer das nicht so recht einordnen kann: Die Hodges haben immerhin "Take Me To The River" mit geschrieben. Dass auf der CD dann neben einem warmen, sanften Memphis Groove auch Bläser und Streicher zu hören sind, und dass Chan ihre Songs dieses Mal lieber am Piano als auf der Gitarre begleitet, rundet das Bild ab. Dennoch: Obwohl dies einen gewissen Kontrast zu Chans bisherigen Scheiben darstellt, ist es aber doch eher eine logische Weiterentwicklung als ein Stilbruch.

Die Kontinuität wird z.B. schon alleine dadurch gewahrt, dass mit Stuart Sikes derselbe Mann an den Reglern saß, der vor zehn Jahren an gleicher Stelle auch Chans "Community" Album betreute. Gerade in den letzten Jahren hatte Chan darüber hinaus das Piano stets als festen Bestandteil ihrer Live-Shows eingebunden. Und dass sie traditionelle Musik-Stile bevorzugt, zeigt die Auswahl ihrer Cover-Versionen ja ziemlich eindrucksvoll. Die Hinwendung zu eher jazzigen, souligen Tönen war also eigentlich nur eine Frage der Zeit. Und tatsächlich ist Chans Stimme im Prinzip dafür auch besser geeignet, als für den Schrammel-Rock, der im Rückblick betrachtet dann wohl eher ein Mittel zum Zweck war. Obwohl: Es gibt ihn immer noch. "Love & Communication" ist eine dieser typischen Marshall-Nummern, die sich an einem prägnanten Riff entlang hangeln und ihre Spannung alleine aus dem Vortrag beziehen. Und dieser groovt dieses Mal eben mehr als sonst. Im Übrigen ist dieses Werk aber dennoch eine typische Cat Power-Scheibe, und eben kein Memphis Soul. Hier sind dann jetzt Soul und Groove Mittel zum Zweck.

Im Zentrum steht aber nach wie vor die Ritterin von der traurigen Gestalt mit ihren in rätselhafte Worte gekleideten Beziehungs-Psychosen. Und diese wurde hier von der Memphis-Gang behutsam und zurückhaltend, aber immens effektiv in transparente, originell akzentuierte Klanglandschaften gestellt, in denen sie sich offensichtlich wohl fühlt. Der Versuch, ein Cat Power-Album als selbstbewusst zu klassifizieren, sollte nach wie vor vermieden werden. (Die Protagonistin jedenfalls würde dies mit Vehemenz bestreiten.) Aber "The Greatest" ist ziemlich nahe dran an diesem subjektiven Eindruck. Ach ja: Natürlich ist es kein Greatest Hits-Album. Die Boxhandschuhe auf dem Cover geben dabei einen Hinweis auf den Hintergrund des Titels.



-Ullrich Maurer-



 
 
 

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