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Bum Khun Cha Youth - Alarm! Hanns-Martin ist verschwunden

Bum Khun Cha Youth - Alarm! Hanns-Martin ist verschwunden
Tumbleweed Records/Broken Silence
Format: CD

"Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen", haben But Alive mal getextet, bevor sie zu Kettcar wurden. Mancher Musikjournalist zieht daraus den gewagten Schluss, es doch selbst mal mit Musikmachen zu versuchen. Das kann gutgehen, etwa wenn Oliver Minck mit seiner Band Wolke klugen Indie-Pop produziert. Häufiger aber geht es daneben, so auch im Falle von Mincks Intro-Kollegen Linus Volkmann, dessen Debütalbum doch eine schalen Nachgeschmack hat. Dabei mangelt es eigentlich nicht an musikalischer Erfahrung, schließlich hat Volkmann schon in den frühen Neunzigern mit seiner Punkband Die Schwiegersöhne (Gestern noch schlechter Punk, heute schon Legende) südhessische Jugendzentren unsicher gemacht. Zusammmen mit Uli Nachtigall nennt er sich nun Bum Khun Cha Youth (benannt nach einem legendären Eintracht Frankfurt-Stürmer) und legt nach locker zehn Jahren Bandgeschichte ein Debütalbum voller Electro-Trash-Nummern vor. Namensgeber des Albums ist Hanns-Martin Schleyer, the artist formerly known as Arbeitgeberpräsident und SS-Untersturmführer. Der Waschzettel und das Booklet sprechen von der Notwendigkeit, in der aktuellen RAF-Gnadendebatte Stellung zu beziehen. Konsequenterweise gehen 50 Cent pro Album an die Rote Hilfe. So weit, so löblich. Weniger löblich freilich ist die musikalische Umsetzung des Unterfangens. Ohnehin stellt sich die Frage, ob Popmusik der Ort sein kann, um politische Diskurse zu führen? Leider selten. Auch Volkmann und Nachtigall verharren in Plattitüden und leisten einer Ästhetisierung Vorschub, die man ohnehin inzwischen im bundesdeutschen Mainstream vorfindet. Wenn es etwa im Song "Landshut" heißt "Du trägst den Bart wie Jan Carl Raspe", hat das wenig mit politischer Analyse, aber viel mit Prada Meinhof zu tun. Natürlich kann man sich unter dem Stichwort Ironisierung aus allem herausreden, aber das wäre bei diesem Thema zu billig. Höhepunkt der Platte ist übrigens das schwer bei Andreas Dorau (Blaumeise Yvonne) geklaute "Eichhörnchen im Erdnussfieber". Das ist so niedlich, das mag sogar mein zwölf Monate alter Sohn, der sich in ersten Tanzschritten übt. Fazit: Natürlich muss Christian raus, aber nicht so. Ich werde übrigens weiterhin beim Anblick schöner Architektur in tanzende Verzückung geraten oder Texte schreiben. Eine Gitarre rühre ich nicht an - versprochen!


-Carsten Wilhelm-



 
 
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