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Ghost Of Tom Joad - Matterhorn

Platte der Woche

KW 09/2009


Ghost Of Tom Joad - Matterhorn
Richard-Mohlmann-Records/Indigo
Format: CD

Da ist dieser junge Mann, Christopher McCandless, 22 Jahre alt, aus gutem Hause und gerade fertig mit seinem Studium. Er kappt den Kontakt zu seiner Familie, zu seinen Freunden, legt sich eine neue Identität zu und macht sich auf in die Wildnis. Ruhelos, getrieben und voller Tatendrang macht er sich auf die Suche nach einem besseren Leben, nach einer reineren Form des Seins ohne jegliche materielle Werte, die er in der Natur Alaskas abgeschiedenen von jeglicher Zivilisation zu finden glaubt. Dieser romantische Plan scheitert. Nach 112 Tagen in der Wildnis stirbt Christopher McCandless mangelernährt, nur 20 Meilen vom nächsten Highway entfernt.

Ghost Of Tom Joad haben sich mit diesem Schicksal, das Jon Krakauer in dem Buch "Into the Wild" festgehalten hat, ebenso beschäftigt wie mit dem auf dem Matterhorn verunglückten und nie gefundenen Bergsteiger Lord Francis Douglas. Beide haben sie eine Sache gemeinsam: Sie waren jung und taten etwas, was weniger mit Verstand zu tun hatte, als mit dem Willen etwas zu wagen, aufzubrechen und auf eine radikale Weise ihre eigene Welt zu entdecken. Auf ihren jungen Rücken wurde der Kampf Mensch vs. Natur ausgetragen, den sie beide verloren.

Christopher McCandless und Francis Douglas sind sicher nicht die einzigen beiden jungen Männern, deren kurzes Leben auf diese Weise ein Ende nehmen musste, aber sie gelten als radikale Paradebeispiele und Vertreter von Sehnsüchten, die viele junge Menschen mit ihnen teilen. Aufbrechen, Altes hinter sich lassen, etwas Neues entdecken und überleben. Nicht aus Vernunft, sondern weil das Verlangen danach groß ist und irgendetwas in dieser ungewissen Zukunft ihnen permanent zuruft.

Ghost Of Tom Joad haben mit “Matterhorn” diesem Verlangen ein ganzes Album gewidmet. Dabei geht es weniger um die lyrische Nacherzählung der oben genannten Geschichten, als um die Botschaft: Das könntet ihr sein. Das könnten wir sein. Und man nimmt es ihnen ab. Durch das gesamte Album zieht sich wie ein roter Leitfaden das Gefühl von Aufbruch, von Getriebensein. Nicht weil es gerade günstig erscheint, sondern weil es einfach nicht anders geht. "Please understand me, my heart is a traveller", singt Henrik Roger in "The Waves Call Your Name" und wer "No Sleep Until Ostkreuz", das Debütalbum der Band gehört hat, versteht, dass der Eskapismus ein großes Thema in dieser Band spielt. Das spiegelt auch die erste Single-Auskopplung "Into The Wild" wider. Ein Lied, das wie ein Orkan wütet, angetrieben durch einen tobenden Bass und ein Schlagzeug, das mit ein wenig Fantasie an die Räder einer alten Lokomotive erinnert. Und auf einmal bricht der Song aus seinen eigenen Schienen aus, um bei der Eisenbahn-Assoziation zu bleiben, verlässt die englische Sprache für ein paar Sekunden und lässt die deutschen Sätze unglaublich kraftvoll und ausdrucksstar im Raum stehen, so dass man unbedingt zurückspulen muss. Doch auch wenn mit "Into The Wild" das Herzstück dieser Platte preisgegeben wurde, sind die restlichen Lieder keine Enttäuschung. Die Erwartung ist hoch und wird in den gesamten 40 Minuten des Albums kein einziges Mal enttäuscht.

Musikalisch ist Ghost Of Tom Joad das gelungen, was nur wenige in so kurzer Zeit schaffen - den Sprung in neue musikalische Dimensionen. Ohne ihren eigenen Stil zu verlieren, haben sie sich in eine andere musikalische Liga gespielt, sozusagen an die Spitze des Matterhorns.



-Andrea Berger-



 
 
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