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U2 - No Line On The Horizon

U2 - No Line On The Horizon
Island/Universal
Format: CD

Die Situation, in der sich U2 befanden, als sie die Aufnahmen zu ihrem nun erscheinenden neuen Album "No Line On the Horizon" in Angriff nahmen, war für die irischen Superstars nicht neu. Vor ziemlich genau 20 Jahren befand sich das Quartett in einer ganz ähnlichen Lage. "The Joshua Tree" war von Fans und Kritikern begeistert aufgenommen worden, die konsequente musikalische Fortsetzung "Rattle And Hum" dagegen weit weniger gut weggekommen. Also sagte Bono den inzwischen berühmten Satz "We have to go away and dream it all up again", die Band verzog sich nach Berlin und nahm ihr Meisterwerk "Achtung Baby" auf.

Ganz ähnlich verhielt es sich zuletzt mit den beiden Alben "All That You Can't Leave Behind" und "How To Dismantle An Atomic Bomb". Ersteres wurde überschwänglich als Rückkehr zu alter Form gefeiert, letzteres von vielen - wenn auch nicht von uns bei Gaesteliste.de - nur als fader Aufguss des Vorgängers empfunden. Also machten U2 etwas Ähnliches wie vor zwei Jahrzehnten. Sie suchten sich einen neuen Ort (statt Berlin dieses Mal Fès in Marokko), eine neue Arbeitsweise (die langjährigen Produzenten Eno / Lanois fungieren erstmals bei einem Großteil der Stücke als Co-Autoren) und nahmen (auch das eine Parallele) viele, viele Songs auf, um beim letztendlichen Tracklisting aus dem Vollen schöpfen zu können. Doch selbst damit noch nicht genug: Ähnlich wie damals, als "Zooropa" der Großtat "Achtung Baby" sehr schnell nachfolgte, soll Ende 2009 auch ein "Schwesteralbum" zu "No Line On The Horizon" erscheinen. "Songs Of Ascent" soll es heißen.

Das einzige Problem: Leider ist "No Line On The Horizon" nicht so gut wie "Achtung Baby". Natürlich, bei der Vorabsingle "Get On Your Boots" kann man das Bemühen erkennen, den zuletzt eher rootsorientierten Sound so modern wie möglich erscheinen zu lassen, die melancholische Ballade "Breathe", die gesanglich fast ein wenig an die Everly Brothers erinnert, wächst mit jedem Hören, und das rund siebeneinhalbminütige, deutlich Eno-geprägte "Moment Of Surrender" ist einfach wundervoll - zweifelsohne einer der besten Songs, die U2 in den letzten 15 Jahren fabriziert haben. Doch dafür, dass die Band explizit neue Wege gehen wollte, finden sich trotz der Beteiligung von Eno und Lanois am Songwriting mit "Magnificent" oder "Unknown Caller" gleich mehrere geradezu archetypische U2-Songs auf dem Album, die fraglos sehr eingängig sind, vom Gesamtklangbild her aber eher einen Schritt zurück als nach vorne darstellen. Die größte Enttäuschung allerdings sind die Texte. Nie lag mehr Zeit zwischen zwei U2-Veröffentlichungen, folglich hatte auch Bono nie mehr Zeit, seine Gedanken zu Papier zu bringen. Doch wenn er versucht, neue Wege zu gehen und andere Perspektiven einzunehmen, tut er dies zu häufig ohne erzählerischen Mut, und wenn er versucht, komisch zu sein - zumindest darf man hoffen, dass die Computer-Metaphern bei "Unknown Caller" augenzwinkernd gemeint sind -, fehlt den Texten dennoch der anarchische Witz, den die besten Nummern von "Achtung Baby" besaßen. Was bleibt, sind oft nur Wortspielchen wie "I'll Go Crazy If I Don't Go Crazy Tonight".

Trotzdem ist "No Line On The Horizon" kein völliger Fehlschlag, dafür sind U2 als Band einfach viel zu gut. Vermutlich ist es sogar die beste Platte, die vier Multimillionäre machen konnten, die auf die 50 zugehen und deren Musik durch ihren immensen Erfolg trotz all ihrer Veränderungen zu einer festen Marke geworden ist. Das, was man sich nach den ersten Berichten im Vorfeld erwarten oder zumindest doch erhoffen durfte, die große Neudefinition dessen, was U2 sind, liefert dieses Album allerdings nicht.



-Simon Mahler-



 
 
 

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