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COLD
 
Dark. Pop. Punk.
Cold
Cold sind eine großartige Punkrock-Band aus Osnabrück, die sich erst 2018 zusammenfand und die nach einer selbst releasten und zuvor lediglich digital erhältlichen ersten EP jetzt ihr selbstbetiteltes Debüt am Start hat, das auf Kidnap Record erscheint. Ihr Label und die Band selbst - bestehend aus Hannah (Gesang), Sebastian (Gitarre), Simon (Bass) und Markus (Schlagzeug) - nennen den Stil Dark Pop Punk. Was durchaus Sinn macht, spielt der Vierer doch eine poppige, eingängige, schwer melodische Variante des Punk und streut er neben einer herrlichen Schnodderigkeit hier und da auch noch etwas düstere, fast schon wavige Momente ein. Das Resultat ist super, die Platte ist es auch. Hier läuft das Video zu "Could It Be". Wir fragten bei Drummer Markus Korte, der die Platte auch gemixt und gemastert hat, einmal nach.
Gaesteliste.de: Wie kamt ihr zu Kidnap?

Markus: Ich bekam eines Tages von Torben von Düsenjäger eine Nachricht, dass Alex von Kidnap die Düsies angeschrieben hatte, ob wir nicht mal Lust hätten, eine Platte bei ihm zu veröffentlichen. Und wir uns bei Interesse einfach melden sollten. Das haben wir dann auch getan. Wir waren ein wenig überrascht, da es bis dato nur eine 4-Track EP auf Bandcamp von uns gab, wovon ein Track ein Gitarren-Interlude und der andere ein Cover-Song war. Er hat quasi die Katze im Sack gekauft und ich hoffe, er hat es nicht bereut, haha.

Gaesteliste.de: Und wie ist es so auf dem Label?

Markus: Sehr gut. Die arbeiten dort sehr professionell und Absprachen finden immer in direkter Verbindung mit der Band statt, nichts geschieht hintenrum oder in schattigen Ecken. Als Band können wir für uns bestimmen, was wir möchten und was nicht. Das wird bei ganz großen Labels vielleicht irgendwann schon schwieriger. Hätten wir das Gefühl gehabt, dort unsere Seele verkaufen zu müssen, oder uns in unseren Sound reden zu lassen, dann hätten wir wohl auch erst gar nicht mitgemacht.

Gaesteliste.de: Organisation, Promo, Vertrieb, Geld - was ist der größte Vorteil daran, jetzt über ein Label zu veröffentlichen? Und was war ohne vielleicht sogar besser?

Markus: Die größten Vorteile sind eben genau diese Punkte: Organisation, Promo, Vertrieb. Das fiel vorher alles weg, da wir die EP für lau auf Bandcamp angeboten haben und wir uns auch nicht wirklich darum gekümmert haben, diese zu verschicken oder an den Menschen zu bringen. Das Anbieten für lau war so gesehen unsere einzige Promo. Hin und wieder haben mal ein paar Leute zwei oder drei Euro dagelassen. Aber darum ging es uns ja nie wirklich. Wir freuen uns einfach, dass wir nun ein etwas größeres Zugpferd gefunden haben, das uns zu mehreren Gigs und Kontakten verhelfen kann und unsere Musik ein wenig verbreitet. Das Touren und die Live-Auftritte spielen für uns immer noch die größte Rolle. Und mir fällt aus jetziger Sicht nichts ein, was vorher besser gewesen wäre, da ich nicht das Gefühl habe, uns sei etwas weggenommen worden.

Gaesteliste.de: Wieso erscheint eure Platte nicht auf CD?

Markus: Warum erscheint es überhaupt noch auf einem physischen Datenträger? Der Großteil der Menschen hört mittlerweile doch eigentlich nur noch über Spotify. Und selbst ich kann mich nicht davon freisprechen, viel Musik über YouTube und Bandcamp zu hören. An eine CD haben wir gar nicht mehr gedacht, da die meisten Musikliebhaber, die sich noch Sachen ins Regal stellen, eine Schallplatte kaufen. Natürlich kann ich da nur aus meiner eigenen Erfahrung sprechen, die ich aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis ziehe. Vinyl ist langlebiger, fühlt sich schöner an und das Cover-Artwork bekommt in der Größe schon einen Gemälde-Charakter. Das finden wir schön. CDs gehen so schnell verloren und verkratzen so schnell. Selbst Zahnpasta hilft da irgendwann nicht mehr.
Gaesteliste.de: Ihr habt für die Aufnahme nur einen Tag gebraucht. War das geplant oder wart ihr einfach schnell?

Markus: Wir haben im Vorfeld nur diesen einen Tag gebucht, also ja, wir waren schon sehr schnell. Wären die Songs etwas langsamer eingespielt worden, hätten wir wahrscheinlich etwas länger gebraucht, klar.

Gaesteliste.de: War denn alles vorher fertig oder habt ihr auch noch vor Ort geschrieben und angepasst?

Markus: Es war alles schon fertig und wir mussten es nur noch einspielen. Abläufe waren klar, Drum-Fills waren im Kopf gespeichert, es gab keine 'so oder doch lieber so'-Situationen. Und da wir live eingespielt haben und unseren Kram einfach konnten, war das alles halb so wild. Im Proberaum üben hilft also tatsächlich etwas. Natürlich saßen wir aber bis spät abends im Studio.

Gaesteliste.de: Wie schreibt ihr die Songs, wer macht was und wie harmonisch läuft das bei vier Menschen mit wahrscheinlich unterschiedlichen Geschmäckern und Vorstellungen ab?

Markus: Die Songs haben Sebastian und ich innerhalb von ein paar Wochen geschrieben. Wir sind dann zu zwei im Proberaum und basteln an Ideen. Die werden dann weiter hin und her geworfen und irgendwann hat man ein Ergebnis. Ganz klassisch. Wenn wir mal auf dem Schlauch stehen, lassen wir es erstmal liegen und spielen was anderes. Im Grunde genommen alles, wie bei anderen Bands auch. Nur ist es zu zweit oft leichter, zu einem Ende zu kommen. Manchmal gibt es schon Gesangslinien oder Texte, die ich im Kopf habe, die schicke ich dann auch weiter an Hannah. Ansonsten ist es aber sehr ausgeglichen, was das Texten und die Melodien angeht. Auf dem Album ist es sogar 50/50, wenn ich mich nicht irre. Simon schüttelt dann eben noch ein paar Bassläufe aus dem Handgelenk, auf die niemand von uns gekommen wäre und gut ist. Das kann der gut.

Gaesteliste.de: Gibt es musikalische Vorlieben oder Inspirationen, die der Leserschaft vielleicht eure Musik ein bisschen näher bringen?

Markus: Unsere Geschmäcker sind teilweise extrem unterschiedlich und es ist wirklich alles dabei, außer vielleicht nepalesischer Kehlkopfgesang oder NSBM. Eine Vorliebe wäre: es muss gut klingen und im besten Fall Seele und eine Message haben. Die Musikrichtung ist dabei egal. Sich selbst Grenzen zu setzen schränkt einen doch nur ein. Hin und wieder werden wir mit Terrible Feelings verglichen, was ich - obwohl ich sie gerne höre - nicht wirklich unterschreiben kann. Die Inspiration war in diesem Fall eher, eine punkig-angehauchte Band mit schönem, etwas melodischerem Gesang zu gründen, um nicht immer nur auf der Gitarre zu schreddern oder nach dem Auftritt vor Anstrengung zu kotzen. Auch wenn das trotzdem noch vorkommt...

Gaesteliste.de: Martin Schmeing hat die Platte produziert. Wieso er und wie lange kennt ihr euch schon? Und wie findet ihr seine Band Die angefahrenen Schulkinder?

Markus: Wir kennen uns noch gar nicht so lange, vielleicht drei Jahre?! In diesem Fall ist es aber eher das Studio, was uns in seinen Bann gezogen hat. Das ist eine alte Mühle, die nun ein Tonstudio ist und alles steht voll mit altem Kram. Alles ist aus Holz, altes Gebälk, ein kleiner Bach direkt vor der Tür... sehr idyllisch, obwohl es mitten in einer Siedlung steht. Davon merkt man in dem Moment aber nichts. Und Martin ist einfach ein entspannter Typ, der die Musik so aufnimmt, wie sie aus den Instrumenten kommt. Das ist ein guter Ansatz. Die angefahrenen Schulkinder habe ich nur einmal gesehen. Simon war auch dabei und ein Kumpel hat dort Licht-Technik gemacht. Das war vor ein paar Jahren, auf ihrer alljährlichen Weihnachtsfeier. Ein bestuhltes Konzert mit Theater-Einlagen. Es war super chaotisch und nihilistisch. Alles und jeder wurde beleidigt. Inklusive der Band. Teilweise war es etwas drüber, aber in dem Moment dachte ich, das ist so, als wenn man zu G.G. Allin geht und sich wundert, dass man mit Scheiße beworfen wird. Zum Glück gab es keine Schlägerei. Mehr kann ich zu denen gar nicht sagen.

Gaesteliste.de: Wenn der eigene Drummer mixt und mastert - gucken einem die anderen dann auf die Finger und sagen "Mach mal lieber so" oder hast du da die Hoheit drüber und ziehst es alleine durch?

Markus: Ich würde es ein wenig umformulieren. "Mach mal lieber fertig allmählich" trifft es vielleicht besser. Da ich immer noch irgendwas im Mix finde, was "verbessert" werden kann, ist es manchmal schwer, einen Abschluss zu finden. Trotzdem haben natürlich alle ein Mitspracherecht und können sagen "Vielleicht hier noch ein wenig mehr, vielleicht da noch etwas weniger". Das ist wahrscheinlich in jeder Band so. Und irgendwann muss ich es dann auch einfach gut sein lassen und mir die eigene Unfähigkeit eingestehen. Durch dieses "Unperfekte" bekommt der Sound dann allerdings auch eine eigene Note und ein eigenes Feeling, was mir bei modernen, größeren Produktionen oft fehlt. Heute klingt vieles ähnlich. Möglichst fett.

Gaesteliste.de: Wie ist es so als Band in Osnabrück und was könnt ihr uns über die Szene der Stadt erzählen?

Markus: Hier ist die Szene relativ breit gefächert. Es gibt sehr viele Bands, aber von vielen bekommt man auch gar nichts mit, wenn man sich nicht im passenden Genre bewegt. Ab und zu geht was Cooles, manchmal sehr sehr viel, manchmal aber auch überhaupt gar nicht. Osnabrück ist ja nicht sonderlich groß. Und die dickeren Bands fahren meistens die anderen Wege über Münster oder Bielefeld. Aber das Gute ist, dort kommt man von hier aus auch gut und schnell hin.

Gaesteliste.de: Was macht ihr abseits der Band?

Markus: Wir spielen alle noch in anderen Bands und gehen leider auch arbeiten. Früh aufstehen ist nicht so schön. Es wäre schön, wenn das mal irgendwann aufhört. Ansonsten trinken wir hin und wieder mal was in der Küche.
Gaesteliste.de: Wie wurdet ihr eigentlich zur Band?

Markus: Gegründet haben Sebastian und ich die Band damals. Wir wohnen auch zusammen in der WG. Wir sind dann einfach öfters in den Proberaum gefahren. Herzschmerz hat damals auch noch eine große Rolle gespielt, wie man vielleicht in manchen Songs hören kann. Musik machen hilft ja immer ganz gut bei sowas. Hannah und Simon kamen etwas später dazu und dann haben wir viel zu viert im Proberaum abgehangen. Das ging zu der Zeit ja noch.

Gaesteliste.de: Facebook, Google, Internet - wie kann man sich in Zeiten wie diesen Cold nennen? Zumal es ja auch schon eine Ami-Band gleichen Namens gibt...

Markus: Ja, das hatten wir gar nicht auf dem Schirm. Wir hatten uns sogar erst The Cold genannt, weil ich immer schon mal eine "The" Band haben wollte, aber dann gab es zeitgleich eine andere Band aus Hannover, die uns den Namen weggeschnappt haben, die Schweine. Da haben wir das The einfach weggelassen. The Cold gibt es irgendwo auf der Welt bestimmt auch nochmal, also scheiß drauf. Verwechslungen mit der Ami-Band sollte es wahrscheinlich nicht geben, da die ja ganz anders klingen und eher eine andere Hörerschaft anziehen. Ich habe mir die letztens mal angehört. Ich mag das nicht so.
Weitere Infos:
cold666.bandcamp.com
www.facebook.com/cold666
www.instagram.com/666cold666
Interview: -Mathias Frank-
Foto: -Pressefreigabe-
Cold
Aktueller Tonträger:
Cold
(Kidnapmusic)

 
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