Gaesteliste.de Internet-Musikmagazin
Mehr Infos...



SUCHE:

 
 
Gaesteliste.de Facebook Gaesteliste.de Instagram RSS-Feeds
 
Interview-Archiv

Stichwort:



 
MIA MORGAN
 
Superstar, bitte.
Mia Morgan
Mit "Fleisch" hat Mia Morgan vor wenigen Tagen ein wirklich außergewöhnlich gutes Album veröffentlicht, auf dem sie ihre ganz eigene Version von synthetischer Popmusik spielt. Angereichert mit Einflüssen aus HipHop, 80er Atmosphären und Rock N Roll kreiert die Sängerin intelligente bis spannende Songs für Club und Couch, Songs über die Liebe in sämtlichen Facetten, über die Menschen und über Mia Morgan. "Ich hab während der Entstehung von 'Fleisch' viel Lady Gaga, Tove Lo und Marina gehört, aber auch Nine Inch Nails und Rammstein, meine problematic favs. Das Album, das mich schlussendlich von meinen Zweifeln bezüglich der vermeintlichen Seltsamkeit mancher Elemente auf 'Fleisch' befreite, war 'Sawayama' von Rina Sawayama. Die Platte hat mir nochmal Mut gemacht, am Mikro was Neues zu probieren und Max Rieger zu bitten, DOCH die verzerrte Gitarre einzuspielen."
Gaesteliste.de: In welcher Situation sollte man deine - neue Platte hören? Musikalisch ist sie euphorisch, aber mit viel zu viel Text, um einfach plump zu ihr zu feiern, oder?

Mia Morgan: Erstmal am Stück über eine Anlage oder Kopfhörer, bestenfalls scheint die Sonne und der Himmel ist blau. Dann nochmal und nochmal. Und wenn sich das Gesamtwerk über die Zeit zu zerstreuen beginnt, in zu den jeweiligen Songs passenden Situationen. "Vage Ahnung" auf einer Bahnfahrt an einem Sommerabend, "Von außen" im Auto Richtung Meer, "Blond" an einem Sonntagvormittag im Zimmer und vor den Fenstern regnet es in Strömen.

Gaesteliste.de: Text oder Musik - was ist dir wichtiger?

Mia Morgan: Mir selbst ist beides im selben Maße wichtig, es muss ineinander greifen. Allerdings erhoffe ich mir eher Komplimente bezüglich meiner Texte als zur bloßen Musik, da ich ja eher vom Schreiben komme als vom Instrumente spielen und mir ersteres eher liegt. Oder zur schlussendlichen Produktion, das war ja aber hauptsächlich Max Rieger. Was nicht heißen soll, dass ich mich nicht freue, wenn jemand die Melodie von einem meiner Songs so toll findet wie ich die von meinen Lieblingssongs.

Gaesteliste.de: Text oder Musik - was kommt dir beim Songwriting zu erst in den Kopf und was fällt dir leichter?

Mia Morgan: Mal so, mal so! Manchmal fällt mir ein Satz ein oder ich entscheide, einen Song zu einem Thema zu schreiben, das mich gerade umtreibt. Ein andermal habe ich unter der Dusche plötzlich eine Melodie im Kopf, springe raus und singe sie schnell als Sprachmemo ins Handy. Mir passiert es auch nicht selten, dass fertige Hooks einfach so in meinen Kopf kommen, also eine Melodie, als auch ein grober Text.

Gaesteliste.de: Wie schreibst du eigentlich? Am Instrument, am Computer, mit dem Handy?

Mia Morgan: Texte als Notiz im Handy, und wenn sie fertig sind, übertrage ich sie handschriftlich in ein hellgrünes Notizbuch. Die Demos für "Fleisch" habe ich fast ausschließlich auf Garage Band am Handy gebastelt. Mittlerweile bin ich aber auf die MacBook-Version von Garage Band umgestiegen und werde da auch immer besser. Trotzdem ist das alles sehr dürftig und autodidaktisch. Ich hoffe, ich hab die Zeit und das Durchhaltevermögen, dann zeitnah von Garage Band auf ein "richtiges" Programm umzusteigen und vielleicht selbst auch ein bisschen grundlegend zu produzieren.

Gaesteliste.de: Hast du die Songs geschrieben und am Ende wurde ein Album daraus oder wolltest du ein Album machen und hast die Songs bewusst mit diesem Ziel geschrieben?

Mia Morgan: Der erste Song für "Fleisch", nämlich "In Wien", ist fast vier Jahre alt. In der Zwischenzeit sind auch viele Songs entstanden, die es nicht aufs Album geschafft haben. Ich habe ganz lange gesammelt, Max Rieger und ich haben auch fast doppelt so viele Songs aufgenommen, und am Ende haben wir aussortiert. Ich musste einige Favoriten gehen lassen, aber für gut. Bei anderen Songs war sofort klar, die MÜSSEN aufs Album, weil sie das Album SIND.
Gaesteliste.de: Gibt es den einen Moment oder die eine Idee oder das eine Etwas, der/das dir auf dem Album ganz besonders wichtig ist?

Mia Morgan: Ich würde, ganz wertfrei, und ohne mich dabei über andere stellen zu wollen, sagen, dass es so etwas wie "Fleisch" noch nicht gab in Deutschland, oder zumindest sehr lang nicht mehr. Also kantige, aufgeblasene Popmusik, die sich nicht am hiesigen Radio-Konsens orientiert, die über Genres hinaus mit Klischees spielt und trotzdem keinem Stereotyp erliegt. Das kann gefallen oder auch nicht. Mir gefällt es sehr gut, und am Ende ist mir das auch das wichtigste. Dass ich das Album liebe und für gut befinde. Trotzdem, je mehr anderen es gefällt, umso schöner natürlich für mich, und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, die Meinung anderer Leute sei mir egal.

Gaesteliste.de: Max Rieger hat produziert, aber ich hatte jetzt mit mindestens Drangsal, Casper und Search Yiu als Feature-Gäste gerechnet. Wo sind die alle?

Mia Morgan: Sowohl Max Gruber als auch Search Yiu waren mehrere Male mit mir im Studio, um an eben solchen angedachten Features zu arbeiten. Wir haben viel probiert. Am Ende haben wir alle gemeinsam entschieden, dass wir die Platte ganz bewusst ohne Feature-Gäste herausbringen. So war Max Gruber lediglich am Songwriting für "Von außen" beteiligt. In unserem Fall ist es ja auch so, dass es da sicher einige Leute gibt, die darauf warten, also, auf DEN großen Drangsal x Mia Morgan-Song. Da hat man dann selbst auch automatisch sehr hohe Erwartungen an das potenzielle Werk, denen man als Fire-Signs, wie Max und ich es sind, vielleicht nicht gerecht wird. Soll heißen, wenn schon, denn schon. So ein Song muss dann nämlich auch das krasseste sein, was man je von uns gehört hat. Das schreibt sich nicht unter Druck.

Gaesteliste.de: Zumindest im "Jennifer Check"-Video taucht Drangsal ja auf. Haben er oder auch Search Yiu einen Einfluss auf "Fleisch" gehabt?

Mia Morgan: Ohne "Will ich nur dich" von Drangsal hätte ich nie angefangen, deutsche Texte zu schreiben. Als ich den zum ersten Mal gehört hab, ist in mir was aufgegangen, ich hab gedacht, okay, so gehen deutsche Texte auch. Demnach hat Max Gruber nicht nur "Fleisch", sondern mein gesamtes Dasein als Künstlerin beeinflusst. Mit Search Yiu stand ich während der Entstehung der Platte auch im engen Austausch. Ich hab ihm alle Songs zum Vorhören geschickt. Er ist ein sehr lieber Freund, der das meiste, was ich mache, gut findet, selten kritisiert. Das war und ist ein angenehmer Kontrast zu schärferen Meinungen anderer
Vorhörer:innen.

Gaesteliste.de: An welchem Punkt der Produktion fiel die Entscheidung, das Album "Fleisch" zu nennen?

Mia Morgan: Als der gleichnamige Song fertig war. Es hat sofort Sinn gemacht.

Gaesteliste.de: Wie wichtig sind dir die Sachen neben der Musik: Cover, Album-Titel, Videos, Presse-Fotos etc.?

Mia Morgan: Ich würde mich niemals nur als Musikerin bezeichnen. Ich sage immer wieder, Musik ist für mich das natürlichste Ventil, mich selbst auszudrücken, aber ich bin auch Performerin, ich schreibe für mein Leben gern, mache selbst Fotos und liebe es, fotografiert zu werden. Mir ist die Visualisierung von "Fleisch" genau so wichtig wie der Klang. Alle Bildwelten sollen widerspiegeln, was auf dem Album erzählt wird. Die Drehbücher zu meinen Musikvideos schreibe ich bis zum kleinsten Detail selbst. Die Fotos machen enge Freund:innen, weil die wissen, wie ich gesehen werden will. Die Outfits, die ich auf den Fotos, als auch auf der Bühne und bei Veranstaltungen trage, plane ich lang vorneweg mit Moodboards auf Pinterest. Ich könnte mich niemals nur aufs bloße Musikmachen beschränken. Ich kann viel mehr und hab auf viel mehr Lust.

Gaesteliste.de: Was sind deine Erwartungen an die Platte? Was soll passieren, was erhoffst du dir, wie wichtig ist dir kommerzieller Erfolg?

Mia Morgan: Ich will und soll ein Superstar werden! Klingt delusional, aber ich meine das ernst. Allerdings haben mich sowohl die Pandemie, als auch die Anerkennung nackter Fakten in den letzten Monaten ein wenig geerdet. Gegen meinen Willen, denn ich will mich absolut nicht erden lassen. Aber es ist so: Während international auch unkonventionellere Popmusik einschlägt und Flinta richtige Weltstars werden können, sind wir hier in Deutschland verrückt nach Bodenständigkeit, Akustikgitarren und Abschlussfahrt-nach-Sylt-Melancholie. Zumindest im Pop. Rap ist da noch was anderes, und vielleicht sogar progressiver. Die großen weiblichen Stars, die wir hier haben, kommen alle aus dem Rap. Aber bei Pop und Rock ist es so: Wenn du ein hübscher, nahbarer Typ um die zwanzig bist, Vintage-Klamotten trägst, dich mit einer Gitarre auf die Bühne stellst und von Herzschmerz und Kneipen-Abenden singst, stehen backstage schon die Chefs der Major-Label und wedeln mit Verträgen. Und du kannst vom bloßen Verkauf deiner Shirts leben. Das ist alles gut für die und soll absolut nicht verbittert klingen. Ich habe gute Freunde, die genau das tun, und ich gönne es ihnen von Herzen. Die schreiben gute Songs, sind lieb, und sorgen selbst noch eher dafür, dass ich und andere Flinta gebucht werden, weil sie sich selber auch mehr Diversität und Vielfalt in der Musikwelt wünschen. Aber es ist die Hörerschaft, es sind die Radio-Sender und Live-Formate, die auf Nummer Sicher gehen wollen und dem zehnten, zwanzigsten Act dieser Art Platz freiräumen, statt etwas anderem Raum zu geben. Ich fühle mich deshalb manchmal nicht ernst genommen in dem, was ich mache. Ich, und ich wage zu behaupten, keine andere weiblich gelesene Person im deutschen Pop, Rock und Indie, will als Token auf ein Festival gebucht werden. Ich wünsche mir, dass "Fleisch" als Pop-Album gehört und ernst genommen wird. Ich wünsche mir, dass mein Name auf Festival-Plakaten weiter nach oben rutscht, und dass neben ihm die Namen vieler anderer Künstler:innen stehen, die sich nicht dem Konsens fügen. Darüber hinaus wäre es schön, wenn ich irgendwann bald dann mal meine zwei Nebenjobs kündigen könnte. Ich will touren, spielen, spielen, spielen, und mir das alles so romantisieren, dass es sich anfühlt, wie ein Film aus den 2000ern.
Gaesteliste.de: Könnest du dir vorstellen, einmal als Teil einer Band Musik zu machen und zu veröffentlichen?

Mia Morgan: Super gern! Ich habe große Lust auf andere Projekte. In Kollaboration mit anderen bin ich nämlich viel freier und unvoreingenommener, als wenn ich alleine an meiner Musik arbeite. Ich will auch unbedingt für andere schreiben. Bloß müsste ich in jeder Band die Sängerin sein.

Gaesteliste.de: Was erwartet uns, wenn wir uns Mia Morgan live anschauen? Und was erwartest du von den Zuschauern? Feiern oder zuhören? Womit wir wieder am Anfang wären...

Mia Morgan: Mia Morgan auf Platte ist poppig und rockig, Mia Morgan live ist ein Rockkonzert. Ich habe eine super tolle Band, die aus meinen mittlerweile besten Freund:innen besteht, und ich glaube, man merkt direkt, dass wir Spaß haben, und hat dann selbst auch Spaß. Auf einem Konzert nur dastehen und zuhören, ist nichts für mich und ich schimpfe auch, wenn ich sehe, dass das jemand auf meinem Konzert macht. Die Leute im Publikum sollen tanzen und sich von mir aus auch im Pit kloppen. Meine Band und ich haben die meisten Songs für Live nochmal so umgeschrieben, dass man sich dazu definitiv im Pit kloppen WILL. Ich freue mich unendlich auf die Tour und den Festival-Sommer.
Weitere Infos:
www.instagram.com/mialisamarie
twitter.com/ekelhaftemia
www.facebook.com/miamorgangruftpop
www.miamorgan.de
Interview: -Mathias Frank-
Foto: -Max Sand-
Mia Morgan
Aktueller Tonträger:
Fleisch
(Eklat)
jpc-Logo, hier bestellen

 
 

Copyright © 1999 - 2022 Gaesteliste.de

 powered by
Expeedo Ecommerce Dienstleister

Expeedo Ecommerce Dienstleister