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THRESHOLD
 
"Wir waren schrecklich schlecht"
Threshold
Threshold sind eine, ja sind DIE britische Institution des Progressive Rock. Anlässlich der am 02.09. erschienenen, neuerlichen Vollbedienung "Critical Mass" und eingedenk des Umstandes, dass die Briten Headliner des von Gaesteliste.de präsentierten Festivals ProgPower Europe sind, baten wir Keyboarder Richard West zur Tea Time.
Die Hauptfrage, die Fans und Medien bezüglich "Critical Mass" beschäftigt hat, war offensichtlich "Kann das Ding beim besten Willen denn noch besser sein, als der direkte Vorläufer 'Hypothetical'?" Hypothese nach fünfmaligem Selbsttest des 2002er Opus: Kann locker. Richard lacht, freut sich und meint, dass er gewöhnlich kein Anhänger der "Unser letztes Album ist der Killer"-Fraktion sei (so bewertete er beispielsweise jahrelang den zweiten Threshold-Leckerbissen "Psychedelicatessen" als seinen Favoriten). Er empfand es als das Wichtigste, das Rezept des bisher erfolgreichsten Albums "Hypothetical" nicht zu klonen, sondern gewissermassen zu vergessen, um nur ja nicht künstlerisch auf der Stelle zu treten. Das scheint absolut gelungen. Der aktuelle Output klingt aggressiver als je zuvor in der Post-Glynn Morgan-Phase. Als "progressiver" empfindet der Richard selbst das Material und macht dies unter anderen an "mehr verschachtelten Instrumentalparts" fest. Bei mehreren Gigs in den Niederlanden, der Schweiz und beim "Bloodstock" Festival in Derby, England, hat die Band in diesen Tagen schon Live-Erfahrungen mit einigen neuen Songs, vor allem mit "Falling Away" und "Fragmentation" machen können, die freundlich bis enthusiastisch aufgenommen wurden, was der sympathische Tastenzauberer sehr zu schätzen weiß: "Ich kenn' das doch bei mir selbst von Konzerten. Die Stücke, die ich noch nicht von Platte kenne, werden im Rückblick immer als nicht ganz so toll empfunden". Darauf angesprochen, dass sich bisweilen eher Parallelen des Neuwerks zum Debüt "Wounded Land" statt zu "Hypothetical" aufdrängen, kann Richard dies allerdings weniger nachvollziehen. "Vielleicht entsteht der Eindruck dadurch, dass beide Scheiben stark durchkonzeptioniert sind." Das gelungene Artwork (übrigens wieder von Thomas Eberhard) scheint sowohl mit dem Molekularmodell wie mit Feuer zu spielen? Der Tastenmagier erklärt, dass wie bei allen Threshold-Alben auch hier wieder Titel und Artwork vielschichtige Interpretationen zulassen. Ohne, dass "Critical Mass" ein Konzeptalbum wäre, bezieht der Titel bezieht sich auf drei verschiedene Ebenen: Zum einen auf den Teil der Texte (von unserem Gesprächspartner Richard und Jon Jeary stammend), der sich mit der Größe, also der Kopfzahl eines Volkes und den Konsequenzen beschäftigt, die sich daraus ergeben; zum Zweiten auf die kleine Stimme im Kopf, die uns häufig sagt, "Was du da den ganzen Tag tust, ist nicht, wofür du bestimmt bist", solange, bis auch der Druck dieser Stimme einmal einen kritischen Grenzwert (Threshold) überschreitet. Und schließlich beziehen sich Titel und Lyrics natürlich auch auf die Bedrohung durch nukleare Technologie. Umweltthemen beschäftigen Threshold ja bereits seit dem Erstling "Wounded Land" erkennbar stark.
Über die Jahre hat Threshold mit einigen der besten Progressive Rock-Bands der Welt getourt, darunter Dream Theater, Psychotic Waltz, Pain Of Salvation, Enchant, Eldritch - welche hat die bleibendsten Eindrücke hinterlassen? Richard muss sich nicht lange besinnen: "Die letzte Tournee zusammen mit Ark war einfach wundervoll. Die Jungs um Jorn Lande sind definitiv die besten Musiker, mit denen wir je zusammen gespielt haben! Aber auch ganz generell wird die Zusammenarbeit mit anderen Bands auf der Zeitachse immer angenehmer, vielleicht weil wir gereifter sind. Die Zeiten der ewigen Konkurrenz und eines 'Krieges' zwischen den Bands ist wohl vorbei." Quer durch die europäische Presse hat "Critical Mass" fast ausschließlich positive Resonanz eingefahren, in der einzigen Bemeckerung, die auffindbar war, hieß es, die Stimme von Sänger Andrew "Mac" McDermott" sei "eindimensional". "Das habe ich auch gelesen", meint Richard, "kann es aber wirklich nicht nachvollziehen. Von unseren Sängern hatte Damian sicher am meisten Reinheit, Glynn die rohe Power des Metal und Mac die größte Bandbreite. Für mich ist seine Stimme mindestens fünfdimensional" (lacht). Und macht dieses Dimensionswunder immer noch seine berühmten Handstände auf der Bühne? "Kann man nie wissen, das hat er jetzt seit zwei Jahren nicht mehr gemacht. Worauf man sich aber verlassen kann, ist, dass er sich immer etwas Neues ausdenkt, um in Kontakt mit dem Publikum zu kommen und es zu fesseln."
Threshold
Wie beurteilt Richard das Line-Up des 2002er ProgPower Festival in Baarlo, Niederlanden, bei denen Threshold Headliner für den Samstag sind? "Ich kenne ehrlich gesagt weniger der Bands, als 1999, wo wir das erste Mal beim ProgPower waren. Aber das ist ja auch überhaupt nicht schlimm, im Gegenteil. Und ich freue mich definitiv darauf, Buddy Lackey, den Sänger von Dead Soul Tribe, wiederzusehen und zu hören, was er heute macht. Den hab' ich seit der '95er Tour mit Psychotic Waltz nicht mehr gesehen." Der Kontakt zu René Janssen, dem ProgPower-Organisator, ist übrigens schon etliche Jahre alt und rührt noch von der Zeit, als der sich bei den Dutch Progressive Rock Pages engagierte. Gibt es noch etwas Besonderes, worauf ihr euch bezüglich ProgPower freut? "Und wie - wir haben nämlich noch eine ziemliche Schwarte auszuwetzen. Als wir '99 das erste Mal da waren, ist etwas passiert, was wir - obwohl es natürlich ein Rock N Roll-Klischee ist - vorher und nachher nie mehr in der Form gebracht haben: Wir mussten stundenlang Backstage abhängen, es gab absolut nichts zu tun, außer zu essen und zu trinken. Und wir haben wohl ersteres fast nicht und letzteres viel zu sehr getan, mit dem Ergebnis, dass es der schlechteste Gig unserer Karriere wurde. Wir waren schrecklich schlecht. Darum bin ich sehr froh, dass wir im Oktober noch mal zeigen können, was wir drauf haben." Darauf noch einen Tee...

ProgPower 2002 Infos
ProgPower 2001 Review

Weitere Infos:
www.thresh.net
www.insideout.de/index.php?arg=AgcEGgRLQVJUKgwB
Interview: -Klaus Reckert-
Fotos: -Pressefreigaben-
Threshold
Aktueller Tonträger:
Critical Mass
(InsideOut)

 
 

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