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JEFF RICHMAN
 
Wassermusik
Jeff Richman
Was haben John McLaughlin, Jeff Beck, Miles Davis und John Coltrane gemeinsam? Dass Jeff Richman je ein Tribute-Album für sie arrangiert und produziert hat. Und was eint Eric Johnson, Steve Lukather, John Abercrombie, Frank Gambale, Al DiMeola, Mike Stern, John Scofield, Warren Haynes, Seve Morse, Jimmy Herring, Bill Frissell? Dass sie alle dafür die Klampfen ausgepackt haben. Gaesteliste.de ließ sich anlässlich von Jeffs aktuellem Soloalbum "Aqua" auch die Geschichte dieser speziellen Tributes erzählen.
Zunächst aber darf sich der Gitarrenhexer mit Wohnsitz Los Angeles Glückwünsche zum Erscheinen seines ersten ganz eigenen Materials seit 2004 anhören. "Aqua" scheint dabei einen Rückzug von den deutlich heftigeren, eckigeren Fusion-Stilistiken und auch vom etwas schneidenderen Sound zu sein, wie sie seine Tribute-Alben "A Guitar Supreme - Giant Steps In Fusion Guitar" (John Coltrane), "Fusion For Miles - A Tribute On Guitar" (Miles Davis) oder "Visions Of An Inner Mounting Apocalypse - Mahavishnu Tribute" (John Mclaughlin) kennzeichnen. Wie ist es eigentlich gelungen, einige der angesehensten Gitarristen fast sämtlicher Stil-Lager zum Mitmachen zu bewegen? "Vielen Dank erstmal für den Glückwunsch, denn ich bin wirklich glücklich mit 'Aqua'. Auch die Aufnahmen haben einfach einen Heidenspaß gemacht. Nachdem ich die Tributes gemacht hatte - übrigens insgesamt sechs Stück -, war ich wirklich reif für ein Soloalbum ohne irgendwelchen Gitarristen außer mir [lacht]. Ein paar der auf den Tributes vertretenen Gitarristen wie Frank Gambale, Steve Lukather, Mike Stern, John Abercrombie, John Scofied, Al DiMeola und Bill Frissell sind wirkliche Freunde von mir und es war insofern denkbar einfach, sie zu fragen und zu überzeugen. Allerdings ist das Jonglieren mit Terminen in dieser Liga eine echte Herausforderung. Bei Leuten wie Steve Morse, Jimmy Herring, Larry Coryell, Robben Ford gibt es gemeinsame Freunde und Verbindungen, über die ich Kontakt herstellen konnte. Nur Warren Haynes, Pat Martino und Eric Johnson habe ich auf 'klassischem' Wege über Website und ihr Management angefragt."

Und wie hatte Richman seine interessante Rolle als sowohl Arrangeur, Produzent (teils in Koproduktion mit Mike Varney) wie auch Gitarrist auf diesen Tribute-Alben definiert? "Diese Mehrfachrolle war sehr intensiv und auch rückblickend eine gewaltige Herausforderung. Mike hat mich allerdings sehr unterstützt. Einige der den Alben unterliegenden Konzepte gingen auf Ideen von ihm zurück und er schlug mir nun einzelne Gastgitarristen, aber teils auch Leute für die Rhythm Sections vor. Er vertrat das Label [Tone Center, vertrieben vom niederländischen Label Mascot, d. Red.] und finanzierte die Projekte. Für die Arrangements war ich allein verantwortlich. Das war bei 62 Arrangements keine Kleinigkeit, was den Einsatz an Zeit und Kreativität angeht. Aber ich habe das sehr genossen und, denke ich, enorm viel dadurch gelernt. Nachdem die Arrangements standen, gehörte zu meinen nächsten Aufgaben die Planung der konkreten Sessions, das Zeitpläne abstimmen, Studios und Soundingenieure auswählen, Mixen..."

Jeff Richman
Die Legenden Jeff Beck und Allan Holdsworth glänzen durch Abwesenheit sowohl als Beiträger wie auch als Thema der mir bekannten Tribute-Alben. Wie kommt's? [Lacht] "Das kommt daher, dass dir eines offensichtlich einfach durch die Lappen gegangen ist. Der Beck-Tribute 'To Beck And Back' erschien im Juli 2007. Jeff ist mein Lieblingsgitarrist. Daher war fühlte ich mich geehrt und besonders herausgefordert, als Mike Varney meine Idee, dieses Album zu machen, aufgriff. Simon Phillips und Vinnie Colaiuta spielen Schlagzeug, zu den Gast-Soloisten gehören Steve Morse, Eric Johnson und Mike Stern. Allan Holdsworth hatte zugesagt, sowohl bei der Coltrane- wie auch bei der Miles-Scheibe mitzumachen. Tatsächlich hatte er mich sogar ausdrücklich gebeten, für 'Giant Steps' das Stück 'Resolution' übernehmen zu dürfen. Aber in allerletzter Minute machte er ohne Angabe von Gründen einen Rückzug. Was total schade ist, denn ich halte ihn für einen der erstaunlichsten Gitarristen aller Zeiten."

Mit dem Bassisten Abe Laboriel (u.a. Koinonia) und Drum-Gott Simon Phillips konnte Richman auch für "Aqua" zwei echte Stars gewinnen. In den Liner Notes schreibt er: "Jeder Musiker auf diesem Album war meine erste und einzige Wahl...". Nachdem er mit Menschen wie beispielsweise Vinnie Colaiuta und Jerry Goodman zusammengearbeitet hatte - warum standen die nicht auf seiner Wunschliste? "Ich hatte noch kurz vor den Aufnahmen zum aktuellen Album mit Simon und William [Will Kennedy, d. Red.] gearbeitet. Ihre Beiträge zu meiner Musik waren ungemein inspiriert und inspirierend. Ich bin wirklich glücklich über jeden, der auf 'Aqua' gespielt hat und auf die Beiträge dieser wunderbaren Musiker. Was speziell Jerry Goodman angeht: Bei 'Aqua' hatte ich wirklich zu keinem Zeitpunkt an Geige gedacht." Wen sieht der Künstler als wichtigsten Einfluss auf sich als Komponisten und Gitarristen? "Über Jeff Beck haben wir schon gesprochen. Außerdem sicher John Scofield, Bill Frisell, Albert King, Larry Carlton, Pat Metheny, Mike Stern, Joe Zawinul, Whether Report, Miles Davis, Wayne Shorter, Milton Nascimento, John Coltrane, Monk und viele, viele mehr!" Die Steel Drums von Chris Wabich ergänzen sich wirklich wunderschön mit Richmans eleganten Phrasierungen auf "Everything About You". Wie ist er auf diesen Musiker und auf dieses Instrument verfallen? Steckte vielleicht zufällig Andy Narrell dahinter? "Dean Taba, der neben Abe auf 'Aqua' Bass spielt, hatte mir Chris empfohlen. Bei einigen der Kompositionen 'hörte' ich irgendwie diesen speziellen Sound und habe ihn daher mit Chris gesucht und gefunden. Andy Narrell kenne ich dem Namen nach, habe mir aber nie viel von ihm tatsächlich angehört." Vermutlich ein ganz persönliches Problem, aber ehrlich gesagt gehen dem Rezensenten einige der Keyboard-Sounds von Mitchel Forman auf beispielsweise "Kahuku" nur schwer ins Ohr... [Jeff prustet] "Mitch ist ein phantastischer Kerl und außerdem wahrscheinlich auch mein Lieblingskeyboarder! Im Studio hab ich mich hundertprozentig auf seinen phantastische kreative Intuition verlassen: Mich hat u.a. schon mit John Scofield, Metheny, Gary Burton oder John McLaughlin gespielt: Er ist ein echtes Ass und schon bei zwei der Tributes mit dabei." Jeff Beals Trompete verleiht Priceless eine ganz eigene Atmosphäre. Von wem stammen seine Parts? "Die stammen komplett von Jeff. Ich bin einfach zu ihm nach Hause gefahren und in wenigen Stunden standen die Aufnahmen!" Wieder Richmans eigene Worte zu "Aqua": "Ich wollte mit dem Sound des Albums die friedlichen, beruhigenden Gefühle einfangen, die mir das Meer eingibt, an dessen Küste ich aufgewachsen bin." Welcher war das? "Der Pazifik bei Hawai. Heute lebe ich in Kalifornien, wo das Meer auch nicht ohne ist." [grinst] "Tatsächlich liebe ich einfach das Meer, egal wo. Flüsse und Seen auch. Die Farben und Geräusche des Wassers haben mich dazu bewogen, speziell die Stücke 'Aqua', 'Kahuku', 'Everything About You' und 'Storm Before The Calm' zu schreiben."

Jeff Richman
Es gibt ja einige legendäre Vorläufer von Musik, die sich mit Wasser beschäftigt, beispielsweise Händels "Wassermusik". Hat Richman sich auch von Vorläufern inspirieren lassen? Wieviel von der Musik war fix und fertig, als man ins Studio ging und wie hoch war der Eigenanteil der Gäste? "Vorläufer hab ich mir keine angehört. Die Kompositionen waren alle fertig, bevor wir ins Studio gingen. Die Stücke waren auch alle ausnotiert und ich hatte zumindest eine Vorstellung im Kopf, wie jeder Track funktionieren solle, wie lang die Soli sein sollten etc. Was die Gastbeiträge angeht, so wusste ich ja, wen ich mir eingeladen hatte. Ich habe mich bis auf ein, zwei Kommentare also völlig zurückgehalten, denn ich wollte, dass die Musiker ihre eigenen Entscheidungen treffen und die Musik zu ihrer eigenen machen. Meine eigenen Soli haben wir fast vollständig 'live' mit der Band aufgenommen." Auf beispielsweise "Where I Belong" weist Richmans Gitarrensound eine gewisse Nähe zu dem von Pat Metheny der "First Circle"-Ära auf. Nachvollziehbar oder Unfug? "Auf acht von zehn Stücken auf dem Album spiele ich eine halbakustische Jazz-Gitarre [Sadowsky, Jimmy Hall-Modell, d. Red.], die per se den Klang von Pat Metheny, aber auch von vielen anderen Jazzern wie eben auch Jim Hall transportiert. Ich habe vor über 30 Jahren mal mit Pat zusammen studiert. Er war damals schon wahnsinnig gut. Vermutlich kann man wirklich einen gewissen Einfluss von ihm auf 'Where I Belong' hören."
Weitere Infos:
www.jeffrichman.net
www.shrapnelrecords.com
Interview: -Klaus Reckert-
Fotos: -Pressefreigaben-
Jeff Richman
Aktueller Tonträger:
Aqua
(Mascot/Rough Trade)

 
 

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