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PHOENIX
 
"Unsere Musik hat einen doppelten Boden"
Phoenix
"Wolfgang Amadeus Phoenix" - ein Titel, der Aufmerksamkeit auf sich zieht, irritiert und vor allem mit seiner geschichtsträchtigen Bedeutsamkeit ein wahrlicher Hingucker ist. Ganz schamlos und kokett spielen die vier Franzosen mit ihm und werfen auf ihrem mittlerweile vierten Album in ebenso federleichter Manier mit Popsongs um sich, deren Charakter hingegen absolut nicht nachahmend, sondern innovativ und geistreich ist. Seit Jahren erklingen aus dem Hause Phoenix äußerst ansprechende und fröhlich stimmende Melodien und diese Eigenschaft haben sie sich auch dieses Mal wieder bewahrt. Gaesteliste.de traf Christian Mazzalai und Deck D'Arcy zum Gespräch und entlockte ihnen allerlei Wissenswertes rund um das neue Album.
Gaesteliste.de: Welche Intention liegt der Namensgebung eures neuen Albums "Wolfgang Amadeus Phoenix" zugrunde? Ein Titel, der sofort Assoziationen zu musikalischer Brillianz weckt.

Phoenix: Der Titel fiel uns ungefähr nach Fertigstellung der ersten Hälfte des Albums ein. Normalerweise passiert das erst am letzten Tag der Aufnahmen, aber Thomas kam plötzlich auf diese Idee. Wir konnten diesen Vorschlag nicht ablehnen. Der Name ist so gewichtig, dass wir ihn einfach behalten mussten. Die Idee dahinter war einfach einen ikonischen Namen zu wählen, um ihn dann wieder zu zerstören und unseren Bandnamen einzufügen.

Gaesteliste.de: Die Mozart-Referenz ist nicht die einzige auf der Platte, die in Richtung Klassik geht. Mit dem Opener "Lisztomania" fällt ein weitere Names eines berühmten Komponisten. Hat das Genre der klassischen Musik während der Aufnahmen in irgendeiner Weise eine Rolle gespielt?

Phoenix: Wir mögen klassische Musik einfach. Eigentlich mögen wir alle möglichen Genres. Als Kinder haben wir zum Beispiel Hip Hop und Punk gehört. Auch auf unserem ersten Album kann man heraushören, dass wir viele unterschiedliche Stile verarbeitet haben. Klassische Musik ist ein Teil von uns, aber wenn wir uns auf "Wolfgang Amadeus Phoenix" auf Namen von Komponisten beziehen, dann geht es in erster Linie nicht wirklich um die klassische Musik, die dahinter steckt. Vielmehr geht es um das Bild an sich, das diese Art von Musik vermittelt. In "Lisztomania" geht es zum Beispiel nicht um die Person Franz Liszt an sich, sondern eher darum, was für Reaktionen er durch seine Musik hervorgerufen hat.

Gaesteliste.de: Im Gegensatz zu den historischen Referenzen, die ihr zum Teil anschneidet, erscheint das Album Artwork sehr modern. Die bunten Bomben sind präzise arrangiert, farbenfroh und deutlich im Ausdruck und auch ein wenig provokant. Ist es eine Zusammenfassung der Klanglandschaft, die ihr erschaffen habt?

Phoenix: Ja, das ist gar kein abwegiger Gedanke. Branco hat das Cover-Artwork gestaltet, wie schon beim letzten Album. Insgesamt gesehen kann man das Cover wohl als Zusammenfassung der Musik betrachten. Es ist ebenso wie die Songs stark und sanft zugleich. Pinke Bomben! Es ist wichtig für uns, dass am Ende alles stimmig ist und zusammenpasst. Das gelingt am Besten, wenn wir es selbst in die Hand nehmen und unsere Ideen realisieren.

Gaesteliste.de: Ihr habt bei den Aufnahmen zur neuen Platte zwar nicht das erste Mal mit Philippe Zdar gearbeitet, dennoch hat er als erster die Rolle des Co-Produzenten übernommen. Warum habt ihr euch dieses Mal entschlossen bei der Produktion Unterstützung einzuholen?

Phoenix: Das ist wahr. Philippe hat bereits unser erstes Album gemixt. Da wir in seinem Studio in Paris aufgenommen haben, kam er öfters vorbei, hat sich unsere Ideen angeguckt und hilfreiche Tipps gegeben. Also haben wir uns gedacht, dass es nur natürlich wäre, auch ganz offiziell mit ihm zusammenzuarbeiten. Es war nicht die typische Produzentenrolle, wie es so oft der Fall ist. Er kam ungefähr alle zwei Tage vorbei und ziemlich oft zu spät. Dafür schenkte er uns viel Vertrauen und war in vielen Dingen sehr hilfreich, was das schrittweise Erreichen der nächsten Stufe anging. Das Arbeiten war eher ein freundschaftliches Miteinander, obwohl wir teilweise so unterschiedlich sind. Vielleicht ist es genau das, was die Zusammenarbeit so gut und interessant gemacht hat. Natürlich kam es trotzdem zu Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Songs. Entweder haben wir Champagnerflaschen geköpft oder wir sind fast in Tränen ausgebrochen während der Aufnahmen. Es war eine sehr extreme und emotional aufgeladene Zeit. Dieses Ungleichgewicht wiederum ist gut für die allgemeine Spannung und treibt uns voran. Wir brauchen das, um produktiv zu sein. Dazu gehört auch, dass wir uns nicht wiederholen wollen und versuchen die Aufnahmebedingungen bei jedem Album abwechslungsreich zu gestalten.

Gaesteliste.de: Die Songs auf "Wolfgang Amadeus Phoenix" sind von komplexer und ausgefeilter Natur, viel mehr noch als auf euren bisherigen Alben. Ist diese Tatsache auf eure größere Erfahrung beim Songwriting zurückzuführen oder Teil eines Plans, den ihr im Vorfeld der Aufnahmen im Kopf hattet?

Phoenix: Wir wollen mit jedem Album einen immer höher werdenden künstlerischen Anspruch erfüllen, den wir uns selbst auferlegen. Da gibt es keinen wirklichen Plan bei der Vorgehensweise. In diesem Fall ist es vielleicht einfach eine Reaktion auf das, was wir davor gemacht haben. Das vorletzte Album "It's Never Been Like That" ist so schnell entstanden und war für uns eine Art Befreiung nach den ersten beiden Produktionen. Nach dieser Erfahrung waren wir dann wieder bereit und offen für eine etwas studioversiertere Herangehensweise, die mehr Tricks und Kniffe in sich hatte. Ein wirkliches Gesamtbild wird erst am Ende eines solchen Prozesses sichtbar.

Gaesteliste.de: Euer viertes Studioalbum ist im Kasten und ihr habt unzählige Songs im Laufe eurer Bandgeschichte geschrieben. Gibt es trotzdem Ideen oder bestimmte Konzepte, die ihr nach all der Zeit noch nicht beendet bzw. umgesetzt habt, aber auf keinen Fall verwerfen wollt?

Phoenix: Oh ja, da gibt es so einiges an Ideen, die noch unvollkommen sind. Gerade während des Entstehungsprozesses des neuen Albums hatten wir unglaublich viele Gedanken, die nicht zu Ende geführt wurden, an denen wir aber sehr gerne noch weiterarbeiten würden. Wir haben das erste Mal überhaupt eine Art Katalog für solche Dinge angelegt, wo alles verzeichnet und organisiert ist.

Gaesteliste.de: Es gibt die umstrittene Theorie des "Mozart Effekts", die besagt, dass dessen Musik einen positiven Einfluss auf die kognitiven Fähigkeiten von Menschen hat. Seht ihr eine Art von "Phoenix Effekt", wenn ihr auf eure eigene Musik blickt?

Phoenix: Wenn sie einen Effekt hat, dann ist dieser ganz allgemein gesehen sehr optimistisch, aber er verbirgt trotzdem eine Art doppelten Boden. Das gilt besonders für die Texte. Auf alle Fälle hat die Musik eine vielschichtige Wirkung auf den Hörer. Natürlich kommt es auch auf die Wahrnehmung jedes Einzelnen an.

Gaesteliste.de: Ihr scheint euch generell recht wohl in der Studioatmosphäre zu fühlen, aber steht gleichzeitig mit viel Enthusiasmus auf der Bühne und spielt live. Gibt es bestimmte Dinge, die bei diesem Wechsel vom Studio auf die Bühne bei den Songs selbst verlorengehen bzw. an Bedeutung gewinnen, wenn ihr sie aus der gewohnten Umgebung herausreisst und unter anderen Umständen interpretiert?

Phoenix: In den Anfangszeiten der Band tourten wir nicht so gerne und haben eher die Zeit im Studio genossen. Jetzt wo wir so oft touren, wird dieser Aspekt immer interessanter für uns, da die Songs sich auf der Bühne ständig verändern. Sogar am Anfang und am Ende der Tour gibt es manchmal erhebliche Veränderungen, was die Interpretation betrifft. Das ist für uns ganz natürlich, um die Songs lebendig zu halten. Wir wollen uns ebenso wenig langweilen, wie das Publikum, für das wir spielen. Das Touren allgemein ist aber eine gefährliche Sache, weil man kaum Kontrolle hat, was während des Abends passieren kann. Wenn es zu chaotisch wird, dann müssen wir wieder einen Schritt zurückgehen und uns auf das Wesentliche konzentrieren, d.h. mit viel Disziplin an neue Aufnahmen gehen. Das ist wichtig, um den Sinn für die Realität nicht zu verlieren. Während der Aufnahmen machen wir uns wenig Gedanken, um die Live Umsetzung der Songs. Sobald es aber auf Tour geht, sieht das anders aus. Gerade die neuen Stücke eignen sich sehr gut für Shows und wir werden viel Freude haben, sie auf die Bühne zu bringen.

Gaesteliste.de: Der zweigeteilte Song "Love Like A Sunset" ist fast ausnahmslos instrumental. Denkt ihr, dass ihr euch auf dieselbe Art und Weise ausdrücken könnt, ohne konkret Sprache zu benutzen und stattdessen die Musik selbst sprechen lasst?

Phoenix: Ja, absolut. Wir haben den Song auch nicht ohne Grund ins Zentrum des Albums gerückt. Wir denken, wir können sehr wohl Dinge nur mit Hilfe von Musik vermitteln. Die Anfangsidee war einfach ein langes Instrumentalstück aufzunehmen, das sich wie eine Art Gedicht liest und an dem man eine grundlegende Entwicklung festmachen kann. Die Zweiteilung des Songs hatte dabei rein strukturelle Gründe.

Gaesteliste.de: Was stellt für euch die größte Herausforderung dar, wenn ihr euch ins Studio begebt, um neues Material aufzunehmen?

Phoenix: Die größte Herausforderung ist es, uns jedes Mal auf's Neue zu überraschen und neue Möglichkeiten zu entdecken, die man innerhalb dieses Prozesses für sich nutzen kann. Unser Anspruch ist es, Neues zu erschaffen und trotzdem unsere typische Eigenheit zu bewahren, die Leute mit unserem Sound verbinden. Es ist wichtig die eigene Identität nicht zu verlieren. Dabei gibt es auch Momente, in denen wir nichts zustande bringen und längere Zeit zu keinem Ergebnis kommen. Man darf den täglichen Kampf aber nicht aufgeben und wir haben das Glück, uns untereinander beizustehen. Es ist ganz sicher eine psychologische Herausforderung, die den Aufnahmeprozess begleitet. Du wirst ständig mit dir selbst als eine Art Spiegelbild konfrontiert. Das ist das Schwierigste von allem, aber wir haben zumindest mit diesem Album eine gute Lösung gefunden und den Kampf gegen uns selbst gewonnen.

Weitere Infos:
www.myspace.com/wearephoenix
www.wearephoenix.com
Interview: -Annett Bonkowski-
Foto: -Pressefreigabe-
Phoenix
Aktueller Tonträger:
Wolfgang Amadeus Phoenix
(V2/Cooperative Music/Universal)

 
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