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ME AND MY DRUMMER
 
Berlin, das Theater und alles, was einem sonst noch passiert
Me And My Drummer
Allein schon der Song "Rain Kids" vom aktuellen Langspieler "The Hawk, The Beak, The Prey" schien eine Fragestunde mit Charlotte Brandis and her Drummer Matze Prölloch wert. Außerdem steht da am 07.09.2012 noch die neue Single-EP "Don't Be So Hot" inkl. "Heavy Weight (Edit)" und zwei Remixes von La Boum Fatale und Thomalla ins Haus. Nicht zu vergessen die Headliner-Tour der beiden ab Mitte September...
GL.de: Ihr trefft jemand Nettes in der Kneipe. Bitte beschreibt in ein paar Sätzen, was ihr macht und was an MAMD für euch besonders ist.

Charlotte: "Wir haben ne Popband zusammen. Und du so?
"..."
"Nö, ich finde, das hört sich gar nicht langweilig an. Musikmachen ist auch nicht immer nur spannend."
"...?"
"Wie, was für'n Sound? Na ja, wir spielen Drums, Keyboards und ich singe. Einflüsse sind die Achtziger, Trip-Hop, Bands aus Island, Bands aus Schweden, der eigene Schmerz, Berlin, das Theater und alles, was einem sonst noch passiert."
"...?"
Matze: "Das Besondere an der Band ist, dass wir nur zu zweit sind, aber trotzdem musikalisch eher größenwahnsinnig. Das spornt an, erlaubt viel und macht total Spaß."

GL.de: Meinereiner ist sonst überwiegend in völlig anderen (Metal, Prog) Genres unterwegs und hat euch daher erst beim c/o pop im Juni kennen und lieben gelernt. Wie seid ihr auf ein Billing mit Valkyrien Allstars und Katzenjammer gekommen? Für wen wolltet ihr immer schon mal eröffnen?

Matze: Unsere Bookerin kam im Januar mit dem Angebot an, Katzenjammer zu supporten. Wir wollten das gerne machen, denn so eine Show ist immer eine gute Gelegenheit, vor vielen Leuten zu spielen...

Charlotte: ...und Katzenjammer ist auch ne richtig tolle Band.

Matze: Zugegebenermaßen passt es stilistisch nicht ganz zusammen, aber die Resonanz war trotzdem großartig. Wir würden sehr gern irgendwann die Band Wildbirds & Peacedrums supporten. Die sind fantastisch und ein großer Einfluss für uns.

GL.de: Meine Promo verzeichnet keine Texte. Obwohl des Englischen mächtig, habe ich beim spontanen neuen "Lieblingsstück für die Insel" "Rain Kids" nicht einmal ansatzweise verstanden, wovon es handeln könnte. Hier wie bei anderen Stücken wirken die Worte poetisch, klingen ästhetisch zusammen, evozieren jede Menge Bilder, aber ich täte mich schwer, eine "Story" wiederzugeben. Verratet ihr, worum es hier geht?

Charlotte: In "Rain Kids" geht es um eine gewissen Gruppe von Menschen, die heute Anfang bis Mitte Zwanzig sind und aus verschiedenen Gründen an Depressionen erkranken, mitten in einer Wohlstandsgesellschaft. Im Detail behandelt der Song Narzissmus und ein Gefühl der Leere, quasi Nitro und Glycerin in Sachen Depression.

GL.de: Die körperlich spürbare Steigerung, der Aufbau und teils auch die kontrastierend zur stimmlichen Leidenschaft auffallend kühlen Keyboard-Sounds haben mich teilweise an die UK-Prog-Band Twelfth Night und hier besonders an "First New Day" erinnert (nicht im Sinne eines Gleichklangs, aber eines vergleichbaren Ansatzes). Aber Band, Song oder Genre kennt ihr vermutlich eher nicht?

Matze: Kennen wir nicht, ist aber immer interessant, was Leute für Assoziationen haben. Es war auch spannend wie manche der Songs im Entwicklungs- und Aufnahmeprozess diesen Eighties-mäßigen Anstrich bekommen haben. Wir scheren uns halt nicht so um diesen Begriffs- und Genrekram, sondern geben dem Song einfach, was er braucht. Manchmal kommen da am Ende überraschende Stilmixe bei raus, die aber erstaunlich gut funktionieren.

GL.de: Wer ist bei euch für Musik, wer für Texte verantwortlich und wie verläuft der Schreibprozess? Woher kommen die Eingebungen für Songs?

Matze: Charlotte ist der Kopf, die Chefin. Von ihr kommen Harmonien, Melodien und Texte. Die Song-Gerüste entstehen entweder durch gemeinsames Jammen im Proberaum oder zu Hause bei Charlotte am Laptop. Im Proberaum arrangieren wir dann gemeinsam so lange, bis der Song fertig ist. Die Texte sind meistens inspiriert von Dingen, die Charlotte erlebt und die sie beschäftigen. Das Debüt-Album ist unter anderem so düster, weil unser erster Winter in Berlin sehr hart war.

GL.de: Der Titel des Albums versammelt potenziell mit Gewalt besetzte Worte, das Cover-Motiv sieht mit etwas Phantasie wie mit Blut geschrieben aus und würde auch in der Metal-CD-Ecke nicht auffallen. Was steckt dahinter, soweit das für euch überhaupt nachvollziehbar ist?

Matze: Oder anders: Der Titel des Albums versammelt Begriffe aus der Ornithologie; der Falke, der Schnabel, die Beute. Für uns liegt da der Fokus nicht auf dem Thema Gewalt, sondern beschreibt viel mehr einen Prozess, beginnend mit einem Individuum (Hawk), das mit einem Werkzeug (Beak) zu einem bestimmten Ziel kommt (Prey). Der Titel bietet Raum für Interpretation, darum geht es. Auch das ist wieder ein Beispiel dafür, dass die Musik und das Visuelle bei uns sehr unterschiedliche Assoziationen bei den Leuten hervorrufen, die sich damit beschäftigen. Das mögen wir sehr.

GL.de: Euer letztlich kaum vergleichbarer Stilmix auf "The Hawk" scheint neben lupenreimen Pop ("Runner", "Heavy Weight") auch Ambient ("Phobia"), fast symphonische Klänge, die auch No-Man-Fans gefallen müssten ("Mother Shell") oder Swing in SloMo ("Hot"). Gab es Stimmen, etwa bei eurem Label Sinnbus, die euch zu mehr Einheitlichkeit geraten haben? Hattet ihr völlig freie Hand?

Matze: Sinnbus sind ein Segen was dieses Thema angeht. Die haben einfach einen sehr guten Geschmack und haben uns nie reingeredet, sondern uns stattdessen immer ernsthaft mit fundierten Meinungen beraten. Wir selbst hatten in den Anfängen des Aufnehmens im Studio manchmal die Sorge, dass wir den roten Faden nicht in diese zehn Songs geflochten kriegen. Unser Produzent Tobias Siebert hat aber von Anfang an gesagt, dass diese Angst unnötig ist und er hatte zum Glück Recht. Uns gefällt, dass das Album ein bisschen mehr Dinge vereint als gewöhnlich. Das hat aber auch zur Folge, dass wir in einem Interview immer recht lang brauchen, unseren Sound in Worte zu fassen. (lacht)

Me And My Drummer
GL.de: Die Labelinfo verrät, dass ihr euch "in Theatern" kennengelernt habt. Wie hat man sich das vorzustellen?

Matze: Wir haben anderthalb Jahre lang am Landestheater Tübingen Theaterstücke live begleitet. Das waren musikalische Theaterproduktionen, bei denen die Schauspieler sangen, ähnlich einem Musical. Dort haben wir uns kennen gelernt und die Band gegründet.

GL.de: Charlotte, welche Keyboards verwendest du? Hast du auch für analoge Geräte etwas über? Könntest du dir auch mal einen Abend nur am Flügel vorstellen? Welche Tastenkünstler inspirieren dich oder sind Vorbilder?

Matze: Charlotte benutzt Yamaha- und Roland-Tastaturen, größtenteils auf der Bühne per Midi von einem Laptop mit Sounds gespeist. Nachdem wir auf dem Album sehr viel mit akustischen Sounds gearbeitet haben, die wir übereinander geschichtet haben, war schnell klar, dass man für die Live-Shows die gleichen Sounds benötigt. Das klappt auf diese Weise ganz gut. Im Studio haben wir sehr viel mit analogen Geräten und akustischen Instrumenten gearbeitet. Wichtiger Bestandteil der meisten Songs - der aber bewusst oft kaum wahrgenommen wird - ist ein Harmonium. Das gibt den Keyboards eine schöne Wärme. Da Charlotte ja ursprünglich Pianistin ist, freuen wir uns immer sehr, wenn ein Klavier oder Flügel auf der Bühne steht. Und ja, sie kann sehr gut einen ganzen Abend nur am Klavier bestreiten!

Charlotte: Nina Simone hat irgendwie frech gespielt, weil sie streng genommen handwerklich nicht obergut war, aber mit Stil und Attitüde das Jazzpiano revolutioniert hat. Dann gibt es natürlich noch jede Menge Angeber, allen voran der großartige, weil dabei lustige Chico Marx z.B. Überhaupt steh ich neuerdings sehr auf Ragtime Piano. Matze ist großer Fan von Questlove, Drummer der Roots und großartiger Produzent. Ansonsten steht er vor allem auf geschmackvolle, melodiöse Schalgzeuger. Jarle Vespestad von Tord Gustavsen Trio zum Beispiel, oder Jason McGerr von Death Cab For Cutie.

GL.de: Könnt ihr als Profimusiker leben oder gibt es noch "Brotjobs"? Wie lassen sich die mit solchen Touren vereinbaren?

Matze: Wir können so langsam davon leben und sind darüber sehr froh. Natürlich ist überhaupt keine Zeit für einen Nebenjob. Wir haben das lange gemacht, bevor das Album veröffentlicht wurde, aber inzwischen ist alles auf einem ganz guten Weg und wir können uns leisten, uns ganz auf die Band zu konzentrieren.

GL.de: Soweit ich weiß, gibt es außer der Maxi-CD, einer "Split"-Veröffentlichung und "The Hawk" noch keine weiteren Veröffentlichungen von euch. Mit welcher Setlist werdet ihr die Headliner-Tour bestreiten?

Matze: Neben den Songs vom Album haben wir natürlich noch mehr Material, das wir immer wieder im Set hin und her schieben. Damit halten wir die Konzerte gleichzeitig frisch, jeder Abend ist anders und einmalig!

Weitere Infos:
www.meandmydrummer.com
www.facebook.com/meandmydrummer
www.youtube.com/watch? &v=qKXU2Nzayy0
www.inkmusic.de
www.c-o-pop.de
de.wikipedia.org/wiki/Harmonium
de.wikipedia.org/wiki/Questlove
wildbirdsandpeacedrums.com
Interview: -Klaus Reckert-
Fotos: -Pressefreigaben-
Me And My Drummer
Aktueller Tonträger:
The Hawk, The Beak, The Prey
(Sinnbus/Rough Trade)

 
 

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