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DREW SYCAMORE
 
Let It Flow
Drew Sycamore
Mit einer fast schon prophetisch anmutenden Entscheidung hatten die Macher des Reeperbahn Festivals bereits 2019 festgelegt, dass der Länderpartner der diesjährig realisierten Ausgabe des Festivals Dänemark sein sollte. Prophetisch war dies dann insofern, als dass Dänemark tatsächlich nun fast das einzige europäische Ausland war, aus dem unter Corona-Bedingungen überhaupt Musiker nach Hamburg reisen konnten, um dort ihr Land musikalisch zu vertreten. Zu diesen Acts gehörte unter anderem auch Drew Sycamore, die in Dänemark bereits den Durchbruch geschafft hat und mit ihrer Single "Take It Back" einen soliden Charttopper hingelegt hat. Im Herbst letzten Jahres veröffentlichte Drew ihre Debüt-LP "Brutal" in Dänemark, im Mai folgte eine Vinyl-Auflage und zur Zeit arbeitet Drew bereits an ihrer zweiten Scheibe und hat vorab soeben bereits die zweite Single "I Wanna Be Dancing" veröffentlicht. Ihre drei Gigs auf dem Reeperbahn Festival stellten ihr Live-Debüt in unseren Breiten dar. Was dem geneigten Musikfreund dann auffällt, ist der Umstand, dass Drew sich stilistisch zwar offenbar von den Größen der internationalen Pop-Musik beeinflusst sieht, sich aber inhaltlich, was die Ausformulierung ihrer Lyrics und auch die Live-Darbietung betrifft, eher an den ganz großen Songwritern unserer Zeit orientiert. Außerdem spricht sie mit einem ganz eindeutig britischen Akzent. Gründe genug also, ein mal nachzufragen, was es mit Drew Sycamore denn so auf sich hat.
"Also ich veröffentliche solo erst seit zwei Jahren Musik", gesteht Drew, "das Album kam im letzten Jahr raus und ich habe auch ein paar Singles veröffentlicht - darunter einen Nummer-1-Hit. Ich wusste schon als Kind, dass ich in Sachen Musik machen wollte - wobei ich gar nicht weiß, warum. Als ich 19 war, zog ich nach Southampton (denn ich habe walisische Wurzeln) an die Universität, wo ich dann komplett der elektronischen Musik verfiel. Ich gründete mit einem deutschen Typen namens Philip Hill ein Duo namens Drew Hill und wir haben ein paar EPs herausgebracht. Aber ich hatte das Gefühl, Songs schreiben zu müssen - und das ist ja nichts, wofür die elektronische Musik sich anbietet." Okay - und dafür war es notwendig, das Genre zu wechseln. Was interessiert Drew denn heutzutage? "Nun mit Drew Hill kamen wir irgendwann an eine Wand, an der es nicht mehr weiter ging", berichtet Drew, "ich begann dann, Songs zu schreiben und begann selber zu singen; denn vorher waren wir ja eher DJs. Nachdem das mit Drew Hill endete, ging ich nach Dänemark, wo ich aufwuchs. Zunächst mal kannte ich niemanden. Ein Freund gab mir eine Liste mit Industrie-Kontakten und ich habe mir die angeschaut. Darauf waren die ganzen großen Label und Manager u.s.w. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt vier Songs und sendete diese dann wirklich an alle. Einen Monat später spielte ich auf Anraten eines A&R-Managers eine Support-Show für Alex Vargas in einer ausverkauften Halle vor 1.600 Leuten. Das war mein erster Solo-Auftritt und das war dann meine Eintrittskarte." Und dann erschien die Scheibe? "Nein - das passierte alles 2016 und ich musste ja erst mal Songs schreiben und ein wenig Selbstvertrauen gewinnen. Denn ich hatte dieses Betrüger-Syndrom." Betrüger-Syndrom? "Ja, ich dachte, ich sei nicht besonders gut", führt Drew aus, "es waren zwar alle positiv begeistert - aber ich hatte immer das Gefühl, dass sie herausfinden könnten, dass ich gar nicht wirklich gut sei, sondern das, was ich tat, nur vorspielte. Ich hatte die Befürchtung, dass ich nicht wirklich auf die Bühne gehören könnte - und es dauerte ein wenig, bis ich mir den Gedanken erlaubte, dass ich vielleicht doch etwas tauge." Und wie ging es dann weiter? "Anfang 2018 veröffentlichte ich zwei Singles - nahm mir dann allerdings ein Jahr Zeit, mich daran zu gewöhnen Songs zu schreiben, die auch für andere als mich selbst etwas bedeuten könnten und die Konsequenzen dessen, was ich tat, in Betracht zu ziehen. Das war eine Art von Soul Searching. Und dann kam das Album heraus." Wieso heißt das Album eigentlich "Brutal"? In den Songs geht es doch eher um Beziehungsgeflechte. "Wegen meines T-Shirts", lacht Drew, "und weil es in gewisser Weise brutal war, zu diesem Punkt zu gelangen. Die Songs handeln zwar gelegentlich von brutalen Emotionen - darum ging es mir aber nicht. Mir ging es um die Erkenntnis, dass es brutal für mich war, meine erste Scheibe zu veröffentlichen. Es war, als ginge man mit einem Schwert durch den Dschungel, um sich gegen Unsicherheiten zu wehren." Gibt es eine ähnliche Story zu Drews Künstlernamen "Sycamore"? "Ja, ich dachte mir, dass das einfach cool und frech klänge", erläutert sie, "wie Berrymore - nur eben krank."
Drew Sycamore
Wovon lässt sich Drew Sycamore als Songwriterin beeinflussen? Beispielsweise singt Drew ja von Beziehungen - ist aber jetzt glücklich verheiratet. Wovon also will sie als nächstes singen? "Es ist vielleicht ein Missverständnis wenn man annimmt, dass man nur über seine aktuelle Situation singen könne", überlegt Drew, "ich finde, dass ich eher eine Geschichtenerzählerin bin. Sicher sind einige meiner Songs persönlich - aber ich würde mir eine gute Geschichte niemals von der Wahrheit verderben lassen. Ich sammele einfach Geschichten und Details und Emotionen. Ich streite mich zum Beispiel niemals mit meinem Mann - aber ich kenne viele Leute, die das tun. Ich versuche mich auch in den Hörer hineinzuversetzen und zu vermitteln, dass ich dessen Gefühle verstehe und kenne. Das Schreiben von Songs ist also auch irgendwie eine brutale Sache." Ist das immer noch so? "Sagen wir mal so", zögert Drew, "ich versuche auf meiner neuen Scheibe immer die Dinge im Fluss zu halten - durch mich hindurch fließen zu lassen - ohne sie zu bewerten - nichts soll als schlechte Idee verworfen werden. Und ich versuche, Sachen zu machen, vor denen ich früher zurückgeschreckt wäre. Es ist gut, wenn man sich selbst nicht limitiert. Und wenn man mit anderen zusammenarbeitet. Das ist überhaupt das Beste, wenn man zusammen etwas erreicht, was man ansonsten nur alleine zustande brächte."

Was ist denn das Wichtigste beim Song-Schreiben? "Das ist eine gute Frage", überlegt Drew, "ich denke, ein guter Song muss dieses 'je ne sais quoi'-Gefühl haben, das man einfach erkennt und das einen bewegt. Man darf das nicht allzusehr durchdenken. Man muss eher mit dem Gefühl und nicht so sehr mit dem Kopf arbeiten. Wenn ich mit meinem Bauchgefühl arbeite als mit der Technik, wird das alles sehr viel besser - und ich weiß gar nicht warum. Das ist die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird: 'Wie schreibst du deine Songs?' Und diese Frage kann ich nicht beantworten, weil das für mich selbst ein mystischer, magischer Prozess ist. Erst danach kommt die Technik. Man braucht dann auch ein wenig Elfenstaub, den man auf die Songs streuen kann. Ich kann nur so viel dazu sagen: Ich bin eine Text-Person. Die Texte sind für mich das Allerwichtigste. Da werden mir viele widersprechen - aber ich zucke immer zusammen, wenn ich schlechte Texte höre. Nimm zum Beispiel Bob Dylan: er hat seltsame Melodien und ist kein guter Sänger - aber er hat unglaubliche Texte."
Okay: Was inspiriert Drew musikalisch? "Hm - Prince und Michael Jackson, Freddie Mercury, David Bowie, Amy Winehouse, Whitney Houston - jede Menge verschiedene Sachen. Ich habe Phasen, wo ich einzelne Sachen - wie zum Beispiel Kylie Minogue oder Justin Beaver - monatelang höre. Ich diskriminiere da niemanden - aber ich höre auch auf die Produktion, weil ich heraushören kann, wenn die Leute diesbezüglich nicht ihr Bestes gegeben haben. Ich habe auch nostalgische Gefühle für ältere Musik. Elton John ist Gott und David Bowie ist der Größte. Hast du meinen Song '28' angehört? Da gibt es die Zeile 'Border Control To Major Who'." Dem ist ja nichts hinzuzufügen. Das nächste Album - das dann Anfang nächsten Jahres erscheinen soll - ist bereits im Kasten und wird dann "Sycamore" heißten - so wie "Berrymore", nur eben "krank".
Weitere Infos:
www.facebook.com/drewmusicsite
linktr.ee/drewsycamore
www.instagram.com/drewsycamore
www.arte.tv/de/videos/099345-006-A/drew-sycamore-reeperbahn-festival-2020/
www.youtube.com/watch?v=MjJ5qFa-M0M
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-
Drew Sycamore
Aktueller Tonträger:
Brutal
(Warner Music)

 
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