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CATT
 
CATT - und sonst gar nichts
CATT
"Why, Why", der Titel ihres LP-Debüts, legt es bereits nahe: Catharina Schorling alias CATT hat viele Fragen. Doch auch wenn die Suche nach Sinn in unsicheren Zeiten und das grüblerische Hinterfragen des vermeintlich unbeschwerten Jungseins wiederkehrende Motive in den Liedern der 25-jährigen Singer/Songwriterin aus Berlin sind, in denen sie elegant und poetisch philosophische Fragen und persönliche Empfindungen vereint, zeigt das beeindruckende Album doch vor allem eines: Wie schön es klingen kann, wenn man der eigenen Intuition mehr Beachtung schenkt als den Gesetzen des musikalischen Zeitgeistes. Als "Seelentröster mit Ambitionen".ist das Album an anderer Stelle bereits beschrieben worden - und das passt ganz ausgezeichnet. Mit beachtlicher spielerischer Leichtigkeit entzieht sich CATT auf "Why, Why" gängigen Genreschubladen und findet im Dunstkreis von Pop, Jazz und Soul originell und facettenreich ihren eigenen Weg, ohne dass dabei die Freigeistigkeit zu Lasten der Eingängigkeit der oft getragenen, von sanfter Melancholie umspielten Piano-Songs voller Emotionen geht. Ihrem erklärten Ziel, eine eigene musikalische Sprache zu entwickeln, kommt sie so einen großen Schritt näher.
Überraschend kommt das nicht. Bereits letztes Jahr hatte CATT mit ihrer komplett im Alleingang eingespielten und produzierten EP "Moon" ein erstes großes Ausrufezeichen gesetzt und anschließend auch auf der Konzertbühne als One-Woman-Band ihre Einzigartigkeit unter Beweis gestellt, als sie sich vor den Augen des ungläubigen Publikums mit Keyboard, Posaune, Trompete und im wahrsten Sinne des Wortes handgemachten Beats eine komplette Band zusammengeloopt hatte, als gäbe es nichts Leichteres und Selbstverständlicheres auf der Welt.

Aufgewachsen in einem Drei-Häuser-Dorf im Wendland und geprägt durch klassische Musikausbildung und die Erfahrungen im Posaunenchor der Kirchengemeinde, zieht es CATT vor sechs Jahren nach Berlin. Dort eröffnet ihr der Studiengang Musikproduktion an der Hochschule der populären Künste genauso neue Horizonte wie Kollaborationen mit Judith Holofernes, Sarah Connor, Niels Frevert, Kat Frankie, dem Filmorchester Babelsberg und vielen anderen, bevor sie sich vollends auf ihre eigene Musik und das "CATT-Sein", konzentriert. Dabei hilft ihr nicht zuletzt auch ein Stipendium der Roger-Willemsen-Stiftung. Im Mare-Künstlerhaus, der alten Villa des verstorbenen Journalisten vor den Toren von Hamburg, kann sie sich im Februar und März dieses Jahres erstmals ganz bewusst und ohne Ablenkung ihrer eigenen Musik zuwenden und den Grundstein für "Why, Why" legen.

Umringt von der Natur, die sie bereits als Kind liebte, richtet sie sich im Gartenhaus des Anwesens ein kleines Studio ein, um auf Tournee entstandene Textfragmente in Songs zu gießen, im DIY-Modus mit Stimme, Handmade-Beats und einem analogen Synthesizer zu experimentieren und die Magie und Inspirationskraft des Ortes einzufangen. Zurück in Berlin lädt sie dann eine Reihe Mitstreiter ein, um die Lieder farbenfroh auszustaffieren und so ihr klangliches wie stilistisches Spektrum behutsam, aber doch spürbar zu erweitern und sich ganz der Essenz der Songs zu widmen, die clever und geschmackvoll zugleich sind. Vielleicht auch deshalb klingt "Why, Why" noch verspielter als die EP und zeigt CATT eher als Bandleaderin denn als Multi-Tasking-Solistin, ohne dass deshalb die überbordende Freude am eigenen Tun und die liebenswerte, ungezwungene Natürlichkeit, die sie seit jeher auszeichnen, in den Hintergrund rücken.

Jetzt richtet CATT ihre gesamte Aufmerksamkeit auf die "Why, Why"-Tournee, um die neuen Lieder im kommenden Frühjahr (oder sobald die COVID19-Pandemie dies zulässt) bei vielen, vielen Konzerten solo und mit Band auf die Bühne zu bringen. Zuvor jedoch stand sie uns Rede und Antwort.
GL.de: Catharina, wo bist du gerade, während du diese Fragen beantwortest, und wie ist die Stimmung?

CATT: In meiner Berliner WG, die Stimmung ist heute herbstlich-gemütlich. Auch wenn die Unsicherheit merkwürdig ist, genieße ich den einen oder anderen Tag, an dem man selbstbestimmt von zu Hause aus arbeiten kann.

GL.de: Um die unausweichliche Frage gleich zu Beginn aus dem Weg zu räumen: Wie bist du durch die letzten Monate gekommen?

CATT: Die letzten Monate waren herausfordernd. Ich bin generell schnell darin, mich auf neue Umstände einzulassen, aber nach dem siebten Mal Umplanen wird man schon irgendwann ungeduldig oder resigniert. Vor allem der Album-Release-Monat November, in dem wir unter strengen Bedingungen einige Record-Release-Konzerte geplant hatten, wurde ja nun komplett eingestampft. Da war ich das erste Mal so richtig traurig. Aber jetzt geht's schon wieder weiter, ich möchte trotz allem, oder GERADE deswegen, unbedingt jetzt meine Musik rausbringen. Mich begleitet in dieser Zeit so viel Musik und ich möchte meine Songs ebenfalls Menschen an die Hand geben, die sie gerade brauchen können. Ich fand das Jahr trotz aller Umstände aber auch sehr spannend. Man wurde auf sich selbst zurückgeworfen, da äußere Infrastrukturen und Sicherheiten größtenteils wegfielen. Das gab und gibt natürlich Raum, sich Zeit für schon lange anstehende Dinge zu nehmen, sich vielleicht auch mit sich selbst zu beschäftigen und zu erforschen, wer man sein möchte und wie man sich (s)eine Zukunft vorstellen kann.

GL.de: Bei unserem letzten Gespräch hast du erzählt, dass dir bewusst geworden ist, dass dein eigenes Projekt jetzt das Wichtigste für dich ist. War das eine schleichende Erkenntnis, oder erinnerst du dich an einen bestimmten Auslöser, einen Wendepunkt, an dem dir das klargeworden ist?

CATT: Das wurde mir seit meinem ersten Song "Moon" Anfang 2018 in einem anhaltenden Prozess immer klarer. Ein klarer Wendepunkt war dann dieses Jahr. Ich habe mein Album geschrieben und es fand parallel kaum was anderes statt - deswegen musste ich mich zwangsläufig auf mich fokussieren und habe mittlerweile eine ziemliche Sicherheit, dass meine Musik jetzt erst mal mein Weg ist. Abgesehen davon reicht die Zeit mittlerweile gar nicht mehr für weitere Projekte...

GL.de: In der Regel reflektiert ein Debütalbum den bisherigen Weg eines Künstlers/einer Künstlerin, also Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte, während für jede weitere Platte dann jeweils nur noch ein, zwei Jahre "Anlaufzeit" bleiben. Du dagegen hast dich mit "Why, Why" ausschließlich auf Songs konzentriert, die in diesem Frühjahr Form angenommen haben.

CATT: Für mich war das, was du beschreibst, eher die "Moon" EP. Das war mein Weg bis dahin, eine Sammlung von bis dahin entstandenen Songs. "Why, Why" ist eine eigenständige Welt geworden, in der ich die Fragen und die persönlichen und auch übergeordneten Prozesse der zwei Monate verarbeitet und eingefangen habe.

GL.de: Sowohl dein Aufenthalt in der Villa Willemsen als auch COVID-19 haben Spuren auf "Why, Why" hinterlassen - beides keine planbaren Ereignisse. Oft haben Künstler/innen gerade bei der ersten LP sehr konkrete Vorstellungen davon, was sie wie transportieren wollen. Du dagegen scheinst - stattdessen oder darüber hinaus? - darauf zu vertrauen, dass dich die Umstände zum richtigen Ziel leiten. Woher nimmst du in deinen jungen Jahren die Gelassenheit dafür?

CATT: Ich glaube, das ist einfach ein Teil meiner Persönlichkeit. Natürlich liegen aber auch ein paar Jahre hinter mir, in denen ich Hindernisse bewusst überwunden und mich vielen Dingen gestellt habe - mir also die Gelassenheit auch aktiv erarbeitet habe.

GL.de: Gibt es für dich einen textlichen roten Faden, der die Lieder auf der LP vereint?

CATT: Ich glaube, ich stelle oft Fragen, suche Wege aus scheinbar ausweglosen Situationen. Um Konflikte darzustellen, fliegen mir oft etwas abstraktere Bilder aus der Natur zu - ich glaube, das macht es möglich, die Themen zugänglich für jeden in seiner individuellen Situation zu machen. Ich suche immer nach der Hoffnung, dem Neuanfang, dem konstruktiven "Und jetzt"?-Gedanken, der Wege und Weiterentwicklung aufzeigt.

GL.de: Gab es konkrete Dinge, die du aufgrund der Erfahrungen mit "Moon" und den folgenden Konzerten dieses Mal anders machen wolltest?

CATT: Eigentlich nicht. Aber eins fällt mir ein: Ich war letztes Jahr bei "Moon" im Aufnahme- und Produktionszeitraum ziemlich erkältet und hatte extreme Allergie-Probleme. Deswegen habe ich dieses Mal darauf geachtet, dass es mir gut geht und keine unverarbeiteten Dinge herumschwirren, ich habe ziemlich viel aufgearbeitet. Für mich hängen Körper und mentale Unausgeglichenheit unmittelbar zusammen.

GL.de: Auch wenn du erneut sehr viel allein aufgenommen hast: Dieses Mal gibt es viel mehr Schichten, mehr kleine Schlenker in den Songs. Wie kam es dazu?

CATT: Ich hatte einfach mehr Zeit und Lust, auf Basis der Erfahrungen der "Moon"-EP mehr zu experimentieren. Das ist wahrscheinlich einfach eine logische Weiterentwicklung gewesen. Und ich habe mir eine größere Bandbreite an Feelings gewünscht, "Willow Tree" zum Beispiel zeigt die Seite von mir, die groovende, tanzbare Musik mag.

GL.de: In der Vergangenheit hast du uns auf der Bühne mit der Gabe, eine ganze Band zu imitieren, schwer begeistert, nun hast du dir Unterstützung für die Aufnahmen geholt. Was konnten die Gäste, die dich dieses Mal unterstützt haben, den Songs hinzufügen, das du nicht selbst hättest machen können?

CATT: Michèl Martins Almeida, mein Schlagzeuger und auch engster Vertrauter (er hört meist als Erster meine Demos, macht alle Musikvideos mit mir, spielt in meiner Liveband…) hat mich kreativ immer mal wieder beraten oder mir Mut gemacht. Er hat meinen Beats noch das eine oder andere Percussion-Element hinzugefügt. Er hat einfach rhythmische Ideen, die meine noch bereichern! Er hat auch beim einen oder anderen Chor mitgesungen, um noch neue Stimmfarben zu ergänzen in den großen Chören. Luisa Babarro hat Cello, Paul Rundel (spielt bei mir normalerweise Bass in der Band) hat Geige eingespielt für die Stücke, bei denen ich mir noch Streicher gewünscht habe, die ich ja selbst noch nicht spiele. Die Ideen habe ich dann in meinem Songwritingprozess in Hamburg schon skizziert und Paul und Luisa dann in Berlin eingeladen, sie einzuspielen. Nicht zu vergessen natürlich "Shades", bei dem es ja eigentlich ein vollwertiges Feature ist: Felix Remm, mein Lieblingsgitarrist in magischen Soundangelegenheiten, hat wunderschöne Gitarren beigetragen!

GL.de: Eine weitere unausweichliche Frage am Ende: "Why, Why" erscheint in drei Wochen - und dann? Erwartungen, Wünsche, Hoffnungen und - trotz allem - Pläne?

CATT: Ich wünsche mir sehr, dass die Lieder in dieser Zeit Menschen berühren, dass sie Begleitung in diesen verwirrenden Zeiten sein können, und, dass ich Wege finde, sie irgendwie "in echt" zu spielen und in die Welt zu bringen. Und dann in etwas entfernter Zukunft, im nächsten Jahr, hoffe ich natürlich, meine "Why, Why"-Tour zu spielen und mit Menschen zusammenzukommen!
Weitere Infos:
www.catt-music.com
www.facebook.com/musicbycatt
www.instagram.com/catt
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Ullrich Maurer-
CATT
Aktueller Tonträger:
Why, Why
(Listenrecords/Broken Silence)
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