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WOLF & MOON
 
Wie ein Schwamm
Wolf & Moon
Also, wenn es ein Projekt gibt, das auf Bewegungsfreiheit angewiesen ist, um sich musikalisch ausdrücken zu können, dann ist das mit Sicherheit Wolf & Moon. Nicht nur dass sich das Stefanie und Dennis als "Traveling Duo" bezeichnen und sich in Berlin niedergelassen haben, um dort internationale Kontakte zu knüpfen: Praktisch das gesamte Material des Debüt-Albums "Before It Gets Dark" entstand auf oder wurde inspiriert von den rastlosen Reisen des Songwriter-Paares. Will meinen: Wolf & Moon sind von der Corona-Krise in besonderem Maße betroffen. Da half es auch nicht wirklich, dass die Songs den nun tatsächlich vorliegenden zweiten Albums "Follow The Signs" schon alle fertig waren, als die Sache mit unserem Virus #1 so richtig los ging. Denn bis zuletzt hatten Stefanie und Dennis darauf gehofft, das Album - wie geplant - im Rahmen einer Tour präsentieren zu können. Daraus wurde bekanntlich nichts. Zumindest aber liegt nun das Album vor. Wie es scheint, setzten Wolf & Moon auf "Follow The Signs" das fort, was 2017 mit der EP "Frames" noch als Dream-Folk begann, sich auf "Before It Gets Dark" allerdings bereits als eigenständiger Genre-Hybrid manifestierte. Und inhaltlich geht es um eine Vertiefung des "Reisen"-Themas, oder?
"Ja, aber das erste Album handelte sogar noch mehr vom Reisen", führt Dennis aus, "eigentlich ist das zweite aber schon eine Vertiefung dieses Themas - der nächste Schritt." "Dabei geht es mehr so um die Lebensreise", ergänzt Stefanie. Also eher ein Resümee als eine Beschreibung? "Ja, das stimmt", pflichtet Stefanie bei. Hing das damit zusammen, dass die neuen Songs entstanden, als Stefanie und Dennis gerade von einer Reise zurück kamen? "Nein - das lustige ist, dass das wir das zweite Album schon angefangen haben zu schreiben, noch bevor das erste Album heraus kam", gesteht Stefanie, "das war also noch, bevor viele überhaupt wussten, dass es Wolf & Moon gibt." Das heißt, es handelt sich sozusagen um "alte" Songs - was dann auch erklärte, dass man den einen oder anderen Track schon bei den Konzerten des Duos gehört haben könnte. "Ja, das hing damit zusammen, dass wir diesen Produzenten - John Andersson - in Schweden gefunden hatten, mit dem wir die erste Platte in einem Rutsch aufgenommen hatten. Da war dann die Platte fertig und wir dachten uns: Na toll - und was machen wir jetzt? Denn wir hatten zum einen noch so viele Ideen und wollten so viel ausprobieren - und andererseits dauert es ja sehr lange, bis eine fertige Scheibe veröffentlicht werden kann. Und deswegen haben wir uns schon ein halbes Jahr später gesagt, dass wir einfach noch eine Scheibe schreiben sollten. Zwischenzeitlich hatten wir eine Pause nach diesem ganzen Nomaden-Leben - mal in Südamerika, mal in Holland, mal in Schweden, den USA oder Australien - in der wir dann nach Berlin gezogen und auf Labelsuche gegangen sind. Das hat dann natürlich auch einige Zeit gedauert. Und jetzt sind wir schon wieder dabei, neue Songs für das dritte Album zu schreiben. Die sind aber noch nicht fertig, weil wir inzwischen so viel auf Tour waren."

Wovon lassen sich Wolf & Moon denn musikalisch inspirieren? "Ich habe einen sehr breiten Geschmack", wirft Stefanie ein, "und es gibt auch Acts wie Big Thief, Feist oder Kurt Vile, die wir beide mögen. Wir hören auch super-viel im Auto, wenn wir auf Tour sind. Ich fühle mich dann wie ein Schwamm, der alles aufsaugt. Aber es ist dann nicht so, dass wir uns hinsetzen und sagen, dass wir einen Song machen wollen, der klingt wie dies und das." Wobei Wolf & Moon ja sowieso gewiss nicht angetreten sind, andere Musiker zu emulieren. "Nein", schmunzelt Dennis, "was wir aber festgestellt haben, ist, dass es zwischen uns Unterschiede gibt - und die bringen wir dann zusammen, um unser Ding zu machen. Und dann gibt es ja noch den Produzenten, John Andersson. Der ist zehn Jahre älter als wir und der hat so eine Vorliebe für 80er Sounds und der hat auch diese alten Synths in seinem Studio." John ist somit also auch in den kreativen Prozess eingebunden.

Was zeichnet einen guten Song für Stefanie und Dennis aus? "Die Melodie ist super wichtig", meint Stefanie, "und dieses gewisse Etwas." "Genau", ergänzt Dennis, "für mich ist es die Magie. Jeder hat natürlich seinen eigenen Geschmack, aber für mich ist das so: Wenn ich glaube, dass das, was ich höre, aus dem Inneren dieser Person kommt, die den Song spielt, dann ist es authentisch. Das ist für mich das Wichtigste. Wir schreiben zum Beispiel mehr Songs, als nachher auf die Platten kommen. Manchmal ist das so, dass man in einen Produktionsrausch gerät und dann fliegt dann vieles wieder raus. Und das sind dann die Sachen, die ich mir selber nicht mehr glaube, wenn ich sie nachher anhöre. Denn dann kann ich von anderen auch nicht verlangen, dass sie mir das abnehmen." Dabei hilft es sicher, dass Wolf & Moon sich auf das Wesentliche beschränken, oder? "Ja - denn ich liebe es sowieso, wenn ein Song auch mit null Begleitung, nur mit einer Gitarre funktioniert", überlegt Dennis, "das ist für uns auch ein guter Test für uns. Wir fragen uns: Wenn wir alles weglassen - steht dann dahinter immer noch ein Song, den man nur mit der Gitarre spielen kann? Wenn das so ist, dann ist das für uns schön, weil wir dann wissen, dass wir das zu den Leuten bringen können."
Wolf & Moon
Das ist ja alles ehrenwert - aber mit einer solchen Philosophie kann man dann nicht in die Charts kommen, oder? "Nö", haucht Stefanie - und ergänzt dann noch: "die Musik, die in den Charts ist, finde ich aber auch sowas von langweilig, da möchte ich überhaupt nicht dabei sein." "Das ist aber auch okay", zögert Dennis, "und vielleicht ist es ja doch möglich, in die Charts zu kommen - als Überraschungs-Ei. Ich will mich jetzt nicht damit vergleichen, aber es gibt ja Songs wie Gotjes 'Somebody That You Used To Know', die überhaupt nicht als Hit konzipiert sind und dann Zufallstreffer werden." Dabei handelt es sich dabei ja auch um einen richtigen Song. Songs spielen aber heutzutage ja kaum noch eine Rolle im Pop-Business. "Ich glaube das liegt daran, dass sich die Fans stattdessen mega-krass mit den Künstlern identifizieren - egal, was die machen", gibt Stefanie zu bedenken, "Social Media spielt da auch eine große Rolle." Stefanie und Dennis singen ja zum Teil abwechselnd und zum Teil zusammen (was interessant ist, denn ihre Stimmen sind ja schon sehr unterschiedlich). Wie entscheidet sich da eigentlich, wer was macht? "Vieles ergibt sich schon intuitiv", berichtet Stefanie, "manchmal probieren wir auch aus, was besser zu wem passt und manchmal schauen wir, wie viel Songs wir schon haben und schauen, wer was singt, und was wir da noch ändern müssten. Wir achten dann aber schon darauf, dass am Ende alles gleichmäßig verteilt ist." "Es ist oft so, dass wir überlegen, was der Song verlangt und worum es darin geht", ergänzt Dennis, "dann nehmen wir erst mal beide Stimmen auf und schauen, was sich besser anfühlt. Es ist aber nicht leicht für mich, denn Stefanie ist eine sehr gute Sängerin und ich bin so ein Autodidakt. Ich sage dann oft: 'Sing du mal - du bist so gut'." "Ja, aber darum geht es ja nicht", wirft Stefanie ein, "es geht ja nicht um's 'gut sein'."

Wenn man es ganz genau nimmt, dann lässt sich ja eigentlich sogar feststellen, dass Stefanies und Dennis’ Stimmen gar nicht so gut zueinander passen - obwohl es am Ende immer sehr schön harmoniert. Wie haben sie denn eigentlich festgestellt, dass sie gut miteinander können? "Wir haben ganz normal gedated", meint Stefanie, "wir haben uns zufällig in einer Bar kennengelernt und waren zuerst ein Paar, bevor wir zusammen Musik gemacht haben." "Am Anfang wollten wir das auch gar nicht", erinnert sich Dennis. "Ja, ich hatte eine erfolgreiche Band in den Niederlanden und wir dachten uns, dass wir unsere schöne Beziehung nicht dadurch ruinieren sollten, dass wir wegen der Musik ständig aufeinander rumhocken müssen und uns dann vielleicht einander satt sein könnten - oder sogar feststellen müssten, dass wir zusammen gar nicht clicken könnten. Irgendwann ging es dann um eine Tour, auf der mein Gitarrist krank war und Dennis einspringen konnte. Und da haben wir dann festgestellt, dass sich das eigentlich ganz cool anfühlte." Es ist ja auch so, dass - wenn man eine neue Person kennen lernt - man erst mal zueinander finden muss, was die Musik betrifft, richtig? "Genau, wir haben uns dann auch erst mal die Sachen vorgespielt, die wir selber mochten und es war dann cool uns dann so zu entdecken", ergänzt Dennis.
Wie es für Stefanie und Dennis weitergehen könnte, steht natürlich noch in den Sternen. Zwar arbeitet das Duo ja zur Zeit schon an neuen Stücken und macht sich auch mit Live-Stream-Konzerten und Videos aus der heimischen Berliner Wohnung bemerkbar. Die für den Herbst angedachte Tour wurde aber zunächst mal auf den kommenden Frühling verschoben. Wir werden sehen, wie sich die Sache entwickelt - aber auf ihr Lebenselexir - das Reisen - müssen Stefanie und Dennis (wie wir alle) wohl noch ein wenig verzichten.
Weitere Infos:
wolfandmoonmusic.com
www.facebook.com/WolfAndMoonMusic
www.youtube.com/watch?v=ZcH6VIyquc4
www.youtube.com/watch?v=wXX1xOuo-5s
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-
Wolf & Moon
Aktueller Tonträger:
Follow The Signs
(AdP/Alive)

 
 

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