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SPERLING
 
PostHardcoreIndieRap. Mit Cello.
Sperling
Da sage noch mal einer, es gibt keine wirklich neue Musik mehr. Keine Musik, die es noch nicht gab, immer nur das gleiche Zeug. Langweilig. Das Gegenteil davon: Sperling. Eine junge Band, die gerade via Uncle M das Album "Zweifel" veröffentlicht hat und auf diesem einfach mal anders klingt. Indie- und atmosphärischer Posthardcore wird mit Rap, ein wenig Pop und einem Cello kombiniert. Eine schon mal außergewöhnliche, aber auch eine außergewöhnliche tolle Mischung. Denn das Ganze funktioniert ganz ausgezeichnet, das Album ist super. Doch "Zweifel" hier, Live-Pause dort. Sind sie jetzt gerade glücklich oder nicht so glücklich? "Ein bisschen von beidem würde ich sagen", sagt Sperling-Rapper und Texter Jojo im Interview mit Gaesteliste.de. "Wir sind super froh, dass jetzt endlich der Release vor der Tür steht. Wir arbeiten jetzt schon so lange an dem Album, haben viel Mühe, Zeit und Liebe investiert und sind jetzt natürlich sehr gespannt wie das Album aufgenommen wird. Auf der anderen Seite müssen wir natürlich auch auf viel verzichten, das ursprünglich geplant war, vor allem die Albumtour. Auch wenn wir die Tour und auch andere Liveshows auf jeden Fall nachholen wollen, wissen wir natürlich noch nicht genau, wann und wie das Ganze dann stattfinden wird/kann. Uns fehlt das Livespielen natürlich am meisten in dieser Zeit. Abgesehen von der Tour und Liveshows als Promo, fehlt es uns einfach, zusammen auf der Bühne zu stehen, unsere Songs zu performen und mit unseren Fans und dem Publikum eine gute Zeit zu haben. Auch untereinander haben wir uns lange nicht mehr normal treffen können, Skype oder Zoom ist da zwar eine Alternative, ist aber einfach nicht dasselbe, wie wirklich Zeit miteinander zu verbringen."
GL.de: Wann habt ihr gemerkt, dass aus dem Album etwas Besonderes werden könnte und das eure Ideen und Songs wirklich funktionieren können?

Als wir ganz am Anfang herumexperimentiert und ausprobiert haben, haben wir schnell gemerkt, dass dieser ungewöhnliche Mix aus unseren verschiedenen Richtungen und unterschiedlichen Instrumenten wirklich gut funktioniert und uns viele experimentelle Freiheiten gibt. Natürlich braucht man eine gewisse Zeit, um das ganze Potenzial hinter dieser Mischung zu erkennen und auszuschöpfen, und am Anfang tut man sich auch schwer, diese unterschiedlichen Richtungen zu kombinieren. Aber nach einer Zeit zusammen im Proberaum waren wir so gut aufeinander eingespielt, dass wir dabeigeblieben sind.

GL.de: Wie habt ihr das Album geschrieben?

Die Texte für unsere Songs schreibe ich und früher hatte ich in der Regel auch die Texte fertig, bevor das Instrumental dazu geschrieben worden ist. Ich habe aber irgendwann gemerkt, dass ich mich leichter in eine bestimmte Stimmung und einen Vibe versetzen kann, wenn das Instrumental schon fertig, oder zumindest halbfertig, ist. Da Malte sowieso jemand ist, der zu Hause sehr kreativ ist und wahnsinnig viel an Demos und Melodien arbeitet, bringt er oft ein fertiges Arrangement oder auch nur eine Strophe mit in den Proberaum, die wir dann zusammen auseinandernehmen und weiter - bzw. fertigschreiben. Bei dem Song "Bleib" zum Beispiel, waren wir alle von der Demo so begeistert, dass wir, bis auf Kleinigkeiten bei Schlagzeug und Cello, nichts mehr verändern wollten, und dieser Song quasi so nur noch eingespielt werden musste. Es gibt aber auch Ausnahmen: Den Text zu dem Song "Mond" zum Beispiel, der ja von einer Trennung und dem Umgang damit erzählt, hatte ich direkt nach dieser Trennung geschrieben und lange hin und her überlegt ob ich ihn überhaupt veröffentlichen will, da er schon sehr persönlich und emotional ist. In einer Probe hat Max dann, mehr aus Zufall, eine Bassmelodie gespielt, die aber so gut auf diesen Text gepasst hat, dass wir den Song noch in dieser Nacht fertig geschrieben hatten. Es kommt also auch immer auf den jeweiligen Song und die Situation an.

GL.de: Und wie muss man sich die Proben und das finale Songwriting vorstellen? Alle fokussiert und man arbeitet strukturiert Song für Song ab oder ist das mehr Spaß, Ausprobieren und Gucken, was passiert?

Wenn wir neue Songs schreiben oder an Demos von Malte arbeiten, ist es tatsächlich viel Ausprobieren. Die Demo oder eine Melodie wird einfach im Loop abgefeuert und jeder spielt dazu was ihm gerade einfällt und zur Stimmung passt. Es hat also zunächst auch was von einer Jam und ist sehr intuitiv. Oft hört man dann schon ob gerade die Energie stimmt, in welche Richtung sich der Song entwickelt und ob wir in der Stimmung sind diesen Song gerade weiter zu schreiben. Dabei ist natürlich jeder sehr fokussiert und hinterfragt besonders bei seinem Instrument - weil man da ja automatisch der Profi ist - ob die eigene Stimme zum Song passt oder ob man noch was ändern muss. Bei der Arbeit für das Album und bei der Vorproduktion unserer Songs haben wir tatsächlich jedes Lied nochmal auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt. Es ging uns hauptsächlich darum die Songs aufzuräumen und schlanker zu machen. Bei einem kreativen Songwriting-Prozess kommt es immer wieder vor, dass man den Abstand zu einem Song verliert und immer mehr Elemente hineinschreibt die dieser Song gar nicht braucht, da wirklich jeder aus der Band eigene Ideen hat. Da hilft es sehr, jeden Song in seine Einzelteile zu zerlegen und nach und nach "auszumisten". Hier hat uns unser Produzent der Platte, Beray Habip, sehr geholfen und uns unterstützt. Es kam vor, dass ein Song, den wir schon hundertmal gespielt haben, mit ihm als Lotse auf einmal ganz neu und frisch klang.
GL.de: Welche Rolle spielte Beray Habip sonst noch? Welchen Einfluss hatte er?

Beray als unser Produzent war eine riesige Hilfe, schon in der Vorproduktion. Beray ist ein unglaublich cooler und kreativer Mensch, der immer eine gute Idee parat hat, uns aber auch alle Freiheiten gibt und uns alles ausprobieren lässt. Auch außerhalb der Arbeit an dem Album und als unser FOH bei Liveshows, verstehen wir uns richtig gut und haben sehr viel Spaß zusammen. Er hat uns, gerade bei der Vorproduktion, viele Möglichkeiten in die Hand gegeben, um einen Song aufzuräumen und interessanter zu machen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Song "Zweifel", mit dem wir lange gekämpft haben. Noch bevor der Song für das Album geplant war, waren wir nie richtig zufrieden damit. Wir haben alleine, aber auch mit verschiedenen anderen Produzenten an diesem Song über mehrere Jahre gearbeitet. Es gab viele verschiedene Versionen, sogar mit anderem Text und anderem Instrumental. Trotzdem konnten wir alle nie wirklich dahinterstehen und waren sogar schon so weit, den Song einfach aufzugeben. In unserer Vorproduktionswoche haben wir den Song dann Beray gezeigt und innerhalb von einer halben Stunde war dieser Song fertig und von da an einer unserer Lieblingssongs, der es dann eben direkt aufs Album geschafft hat. Auch hier war das Geheimnis den Song aufzuräumen und "auszumisten", anstatt immer neue Dinge dazuzuschreiben. Das hat uns gezeigt, dass Beray genau der Richtige ist, um das Album zu produzieren, da er genau verstanden hat was wir mit dem Album transportieren wollen.

GL.de: Ihr vermischt einige Sounds, es gibt es also auch ein paar Möglichkeiten... ist es da besonders schwer, dass am Ende alle mit einem Song komplett zufrieden sind? Oder tickt ihr eh alle gleich und es gibt da kaum Diskussionen?

Natürlich kommt es mal zu heftigen Diskussionen und es ist auch schon vorgekommen, dass wir eine Songwriting-Session abbrechen mussten, weil es einfach nicht funktioniert hat oder die Kreativität nicht so richtig sprudeln wollte. Im Großen und Ganzen sind wir musikalisch aber ziemlich auf einer Wellenlänge und auch wenn wir aus verschiedenen Richtungen kommen, haben wir alle ein ähnliches Gespür dafür, was wir cool finden und was nicht. Es kommt schon mal vor, dass es Parts oder Teile in Songs gibt, die dem einen besser gefallen als dem anderen. Hier muss man eben auch zu Kompromissen bereit sein und sich "von seinen Babys trennen". Am Ende des Tages zählt für uns aber nur, ob wir alle hinter dem Endprodukt stehen können und das Ergebnis einer Probe gut finden. Es ist uns wichtig, dass jeder von uns mit dem fertigen Song zufrieden ist, sonst funktioniert es für uns nicht.

GL.de: Ist die Vielfalt ein Vorteil, weil einfach mehr möglich ist? Oder wird es auch schnell ein Druck draus, weil so viel möglich so nach dem Motto "Der Song ist super, aber da ist zu wenig Cello"?

Ich denke jeder von uns hat eine gewisse Vorstellung davon wie der fertige Sound sich anfühlen und klingen soll. So ist auch jeder ein bisschen Fachmann in seinem eigenen Element. Erstmal hat jeder für sich, zusammen mit Beray, an seinen eigenen Sounds gebastelt, da jeder eine bestimmte Vorstellung davon hat wie man am Ende klingen möchte. Am Ende haben wir uns das Ergebnis dann jeweils angehört und interveniert, wenn uns etwas nicht gefallen hat. Es würde einfach schnell für Chaos sorgen, wenn jeder seinen liebsten Gitarrensound unterbringen möchte. Deshalb hat jeder erstmal die Freiheit alles auszuprobieren, was er für sein Instrument interessant findet, und danach reduziert man dann einfach wieder. Man muss dazu sagen, dass es niemanden in der Band gibt, der sich in den Vordergrund drängen will. Wir entscheiden am Ende eher kollektiv, was wir gerne lauter, leiser, höher oder tiefer haben möchten.

GL.de: Wie fühlt ihr euch auf Uncle M und warum ist Uncle M gerade das genau richtige Label für euch?

Wir fühlen uns bei Uncle M super wohl und willkommen. Natürlich ist Uncle M ein Name, den man in der Szene kennt, und die schon viele fantastische Bands gemanagt haben - weshalb uns der Name alles andere als unbekannt war. Wir hätten jedoch nicht damit gerechnet, uns direkt so gut aufgehoben und als Teil einer Familie zu fühlen. Bei Uncle M haben wir das Gefühl, einen Partner zu haben der unsere Musik nicht nur gut findet, sondern wirklich an unsere Sache glaubt und hinter uns steht. Sie sind für uns immer ansprechbar und mit gutem Rat und coolen Aktionen an unserer Seite.

GL.de: Mit wem arbeitet ihr noch zusammen und was macht ihr selbst?

Abgesehen von Beray Habip als Produzent und Uncle M als Label, haben wir seit letztem Jahr auch die Booking-Agentur Kingstar Music an unserer Seite und könnten mit dieser Entwicklung nicht zufriedener sein. Der Kontakt zu Kingstar entstand auch durch Uncle M, speziell durch Nova Günther, die wahnsinnig viel für uns macht und organisiert. Sie arbeitet mit Nanouk de Meijere bei Kingstar und hat uns zusammengebracht. Auch wenn es gerade mit Liveshows natürlich eher schwierig ist, haben wir jetzt schon viel von der Arbeit von Kingstar mitbekommen und davon profitiert. Außerdem würde ich gerne noch Simon von der Gathen nennen, der unsere Musikvideos zu "Baumhaus" und "Laut" gedreht hat. Auch mit ihm haben wir uns auf Anhieb gut verstanden und waren kreativ so auf einer Wellenlänge, dass die Arbeit einfach nur Spaß gemacht hat. Das Musikvideo zu "Mond" hat Sven Int-Veen für uns animiert und auch tolle Arbeit abgeliefert. Wir haben also ein ganzes Team an Profis, die hinter uns und unserer Musik stehen und wir sind mit jedem glücklich und super dankbar.
GL.de: Was macht ihr eigentlich neben der Band?

Josh und Max studieren noch - Josh Schlagzeug an der Popakademie in Mannheim, Max studiert Biogeowissenschaften. Luca ist gerade dabei sein Studium in Musikwissenschaft und Archäologie zu beenden und arbeitet nebenbei in einer Apotheke. Malte arbeitet im Marketingbereich und ich als Altenpfleger. Das kann manchmal natürlich auch schwierig sein, gerade was zeitliche Organisation betrifft, da ich zum Beispiel in unterschiedlichen Schichten arbeite. Auch durch unsere Verteilung in verschiedene Städte rund um unsere "Homebase", den Hunsrück, kann es manchmal schwierig seine Termine zu finden an denen wirklich alle können. Da im Moment aber sowieso vieles online ablaufen kann ist zumindest dieses Problem gerade kein sehr präsentes.

GL.de: Wo wir gerade dabei sind: Wie habt ihr euch kennengelernt und wie wurdet ihr zur Band?

Jojo: Kennengelernt haben Josh, Luca und ich uns 2013 durch ein Musikprojekt für den SWR. Damals haben wir uns gut angefreundet und uns war schnell klar, dass wir auch nach diesem Projekt zusammen Musik machen wollen und haben daraufhin eine Band gegründet. Damals hatten wir noch einen anderen Gitarristen im Boot und waren damit zu viert. Zwischenzeitlich war dann auch noch ein anderer Freund bei uns, der Bass gespielt hat. Aus zeitlichen Gründen konnten die beiden allerdings irgendwann nicht mehr mitmachen und wir waren wieder zu dritt. Aus Joshs alter Band haben wir uns dann Max und Malte als Bassisten und Gitarristen "geklaut" und in unsere Gruppe geholt. Auch hier hat die Chemie zwischen uns direkt so gestimmt, dass wir an der Besetzung nichts mehr ändern wollten. Seit 2015 sind wir jetzt in dieser Konstellation unterwegs.

GL.de: Wird ein zweites Album leichter oder schwerer als das Debüt?

Jojo: Ich denke, dass der organisatorische Prozess etwas einfacher wird. Man weiß welche Anforderungen man an sich selbst und das Album an, man weiß wie viel Arbeit und Zeit man investieren muss und kann deshalb vielleicht leichter vorausplanen als beim ersten Albumrelease, wo man die meisten Dinge zum ersten Mal macht. Der kreative Prozess für ein zweites Album kann natürlich eine Herausforderung sein. Man möchte ja auch das Niveau der ersten Platte halten, wenn nicht sogar übertreffen. Da wir uns aber musikalisch so natürlich weiterentwickeln und uns selbst immer wieder einen Schritt weiterbringen möchten, kommt das ein Stück weit auch von alleine. Ich denke, wenn man sich selbst zu viel Druck macht behindert das den kreativen Prozess an sich und sorgt eher dafür, dass man auf der Stelle tritt als die nächste Stufe zu erreichen. Wir blicken also ziemlich gelassen in die Zukunft und sind selbst gespannt, wo uns unsere Musik hinbringt und was wir alles ausprobieren können. Ein paar weitere Songs und Ideen haben wir auch jetzt schon auf Lager.

GL.de: Wie geht es denn jetzt überhaupt weiter? Wie sind eure Pläne?

Wir haben auf jeden Fall vor, eine Tour und einige Liveshows nachzuholen, sobald es wieder möglich ist. Ansonsten sind wir um den Release herum bei zahlreichen coolen Podcasts zu Gast. Außerdem planen wir noch einige Aktionen mit anderen Bands wie Livesessions und Covers und wir veröffentlichen nach dem Release eine Studiodokumentation von unserer Produktion und Arbeit mit Beray. Hier gibt es einen coolen Blick hinter die Kulissen und die Entstehung des Albums. Also Augen und Ohren offenhalten, wir melden uns!
Weitere Infos:
www.sperling.band
www.facebook.com/sperlingband
www.instagram.com/wirsindsperling
www.youtube.com/c/sperlingband
Interview: -Mathias Frank-
Foto: -Pressefreigabe-
Sperling
Aktueller Tonträger:
Zweifel
(Uncle M)

 
 

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