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CHAMBERLAIN
 
Weiter. Immer weiter. Wirklich!
Chamberlain
Auch wenn die Hoffnung natürlich zuletzt stirbt - mit manchen Platten rechnete man einfach nicht mehr. Zum Beispiel mit "Red Weather" von Chamberlain. Zwar gibt es die durchaus als legendär zu bezeichnende Band schon seit einigen Jahren wieder und zwar spielte sie auch erst 2019 noch in Europa, unter anderem das Booze Cruise Festival in Hamburg. Doch ihre letzten Veröffentlichungen waren bis vor kurzem die "Raise It High"-EP aus dem Jahre 2010 und eine 7-Inch zur 2019er-Tour. Das letzte Album "The Moon, My Saddle" erschien sogar bereits 1998. Neunzehnhundertachtundneunzig! Bis jetzt. Denn jetzt gibt es ja "Red Weather", ein wirklich wunderbares Indie mit Rock-Album mit etwas Emo und etwas Alternative Country, das man natürlich in die Springsteen-Ecke stellen kann... es aber auch nicht muss. Es sind Chamberlain. Und Chamberlain sind Sänger David Moore, die Gitarristen Adam Rubenstein und Clay Snyder, Bassist Curtis Mead und Drummer Charlie Walker. Wir fragten bei ihnen nach, Adam Rubenstein gab Antworten.
GL.de: Wie fühlt es sich an, nach so vielen Jahren eine eigene neue Platte in den Händen zu halten?

Es fühlt sich großartig an. Und ich kann es immer noch nicht wirklich glauben, dass wir es überhaupt geschafft haben, neue Musik zu veröffentlichen. Wir hatten schon vor zehn Jahren darüber nachgedacht, eine neue Platte zu machen. Nach einer Reunion und der Veröffentlichung von "Raise It High" - aber wir haben es nicht geschafft, denn wir haben alle Familien, berufliche Verpflichtungen und leben in verschiedenen Ecken des Landes. Und so ist jetzt ein kleines Wunder, dass wir dann in Zeiten wie diesen in der Lage waren, ein Album aus der Asche des Jahres 2020 entstehen zu lassen.

GL.de: Wie muss man sich das dann vorstellen? Plötzlich sagt jemand: "Lasst uns ein Album machen" und die Band sagt dann "Ok"?

Ich habe David in den vergangenen Jahren immer mal wieder einige instrumentale Demos geschickt. Und als ich dann mal seine Familie in Indiana besuchte, fingen wir an, ohne wirkliche Erwartungen ein wenig zu schreiben. Als es dann an der Zeit war, für die "The Moon, My Saddle" 20th Anniversary Tour zu proben, haben wir ein paar neue Ideen in Los Angeles einstudiert und überlegten, vielleicht eine Single in Nashville aufzunehmen. Wir fragten unseren langjährigen Freund Carl Broemel, ob wir sein Studio nutzen könnten. Zu unserer Überraschung bot er an, uns zu produzieren.

GL.de: Wie wichtig war Carl Broemel, Gitarrist bei My Morning Jacket, und wie war sein Einfluss?

Ich bin mir nicht sicher, ob es einen anderen Produzenten gibt, der besser geeignet gewesen wäre, diese Platte zu machen. Wir kennen Carl, seit wir Teenager waren und hatten schon immer enormen Respekt vor Carl als Musiker, also musste er sich unser Vertrauen nicht erst verdienen. Er versteht einfach unsere Chemie und weiß, wie all unsere einzelnen Stücke zusammenpassen. Er war sehr gut darin, jedem Song eine einzigartige Note, aber auch eine gewisse Modernität zu geben. Die Songs fühlen sich polished an, aber dennoch lebendig und organisch. Carl war überragend. Ich bin mir nicht sicher, ob wir in der Lage gewesen wären, irgendetwas davon ohne seine Geduld und Führung zu machen.
GL.de: Kannst du etwas über die Entstehung des Albums erzählen? Wie und von wem wurden die Songs geschrieben und wie war es im Studio?

David und ich hatten die meisten Ideen, bevor wir in Nashville ankamen. Aber es waren keine fertigen Songs. Wir waren erbärmlich untervorbereitet, aber ich denke, das ist es, was dieser Platte ein gewisses Maß an Charme verleiht. David schrieb sogar noch in seinem Auto auf dem Weg von Indiana nach Nashville. Früher haben wir die Songs zu Tode geprobt, bevor wir ins Studio gingen, dieses Mal nicht. Songs wie "Every Trick In The Book" wurden fast vollständig vor Ort geschrieben. Es gab kein Label, das wir beschwichtigen mussten, keine Erwartungen, keine wirklichen Regeln, als wir das Studio betraten. Und diese Freiheit, die wir uns gönnten, sorgte für eine totale Lockerheit, als wir die Songs arrangierten und spielten - sowohl in der Art, wie wir spielten, als auch in der Art, wie wir miteinander umgingen.

GL.de: Habt ihr viel über die Musik diskutiert und für eure Ideen "kämpfen" müssen oder haben sich alle schnell darüber geeinigt, wie das Album klingen sollte?

Sicher, es gab kleinere Meinungsverschiedenheiten, aber was dieses Mal anders war, war einfach die Bereitschaft, alles zu versuchen. Wenn eine Idee für einige von uns nicht funktionierte, dann gingen wir zur nächsten über. Selbst als wir die Platte abgemischt haben, haben wir das gleiche Motto beibehalten: "Die Mehrheit regiert". Der Gesamtsound des Albums war überhaupt nicht geplant, aber wir hofften, dass wir am Ende Songs haben würden, die sich modern und schlüssig anfühlen und unsere persönliche und musikalische Entwicklung widerspiegeln.

GL.de: Aber wie klingt das Album? Es ist ja nicht nur klasse, sondern auch schwer zu beschreiben. Es ist so vielfältig, ein Song wie "Take What You Can Get" unterscheidet sich sehr von "Every Trick In The Book".

Das höre ich natürlich gerne, vielen Dank. Denn ich habe immer die Hoffnung, etwas zu schaffen, das sich nicht so leicht kategorisieren lässt. Ich glaube, weil wir nur wenig Zeit zusammen hatten, haben wir nicht viel Zeit damit verbracht, darüber zu diskutieren, welche "Art" von Platte wir machen wollten. Wenn David eine Idee hatte, die mehr in Richtung Folk ging, dann haben wir sie weiterverfolgt. Oder wenn ich einen lockeren Drum-and-Bass-Loop präsentierte, fingen wir einfach an, von dort aus zu arbeiten. Die Konstante dieser Platte ist wirklich ihre Spontaneität und ihre Einfachheit. Es gab sehr wenig Überlegungen.
GL.de: Wie arbeitet ihr? Seid ihr die detailverliebten Kein-Ende-Finder oder kann es auch nicht ganz perfekt sein und ihr mögt es immer noch?

Es gab sicherlich mal eine Zeit, in der wir Songs in einem unglaublich langsamen Tempo schrieben und uns durch jede Bridge oder Melodie quälten, als ob unsere Existenz davon abhinge. Wir sind unglaublich sorgfältig mit jeder Idee umgegangen, worüber ich heute zurückblickend fast lachen kann. Bei "Red Weather" haben wir uns mehr auf unser inneres Punkrock-Selbst besonnen und die Songs einfach von selbst entstehen lassen, ohne sie zu sehr zu hinterfragen.

GL.de: War es immer klar, dass ihr "Red Weather" auf Arctic Rodeo veröffentlichen würdet?

Nein. Wir hatten keine Ahnung, wer es veröffentlichen würde, als wir anfingen, Musik zu machen. Wir hatten 2010 eine Variante unserer "Raise It High"-7-Inch mit Arctic Rodeo herausgebracht. Und als wir mit unserer Kickstarter-Kampagne begannen, wurde uns klar, dass wir einen Partner mit Expertise brauchten, vor allem für unsere Zuhörer in Europa. Wir haben in der Vergangenheit gerne mit Arctic Rodeo zusammengearbeitet und sind sehr glücklich damit, wie die Platten aussehen und klingen und auch mit den exklusiven ARR-Paketen und -Varianten.

GL.de: Was macht ihr als erstes nach der Covid-Krise?

Wir wollen diese Songs natürlich live spielen. Bei unserer Kickstarter Kampagne haben wir eine Release-Party versprochen, jemand hat sogar für eine Hausshow gespendet. All das wollen wir einlösen. Und die Rückkehr nach Deutschland steht auch auf der Liste. Mal sehen, wohin uns Wissenschaft und globale Zusammenarbeit hinführen.

GL.de: Was habt ihr sonst noch für Pläne?

Wir planen ein paar weitere Videos und denken darüber nach, ein paar Outtakes zu veröffentlichen, vielleicht auch ein paar spezielle Reissues im Jahr 2021. Es scheint also, als würden wir weitermachen.

GL.de: Habt ihr mal über eine Rückkehr von Split Lip nachgedacht?

Nein. Ich meine, es sind die gleichen fünf Jungs, also sind wir ja immer noch da! Wir haben auch "For The Love" mal live gespielt und natürlich ist es möglich, dass wir mehr von den älteren Sachen zu spielen. Denn wer weiß, in den letzten Monaten sind im Universum schon einige seltsame Sachen passiert...
Weitere Infos:
chamberlain.bandcamp.com
www.chamberlain.band
twitter.com/chamberlainsl
www.youtube.com/channel/UCupVJvv_ZzqXxbu2ep1V2lQ/featured?view_as=subscriber
www.facebook.com/SplitLipChamberlain
Interview: -Mathias Frank-
Foto: -Pressefreigabe-
Chamberlain
Aktueller Tonträger:
Red Weather
(Arctic Rodeo/Broken Silence)

 
 

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